Faustschläge zum Teil vergessen

. Foto: Mike Röser
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Menden.. Einen schönen Abend verbrachte ein heute 19-jähriger Mendener Ende Oktober mit seinen Freunden in Dortmund. Als sie sich ein Taxi nach Menden nahmen und den Heimweg durch die Fußgängerzone antreten wollten, flogen die Fäuste. Nun stand der junge Mendener vor dem Jugendschöffengericht. Dabei konnte er sich gar nicht erinnern, dass er selbst der Provokateur gewesen sein sollte.

So richtig nachvollziehen konnte der Angeklagte jene sonntäglichen Morgenstunden (Tatzeit: 3.25 Uhr) nicht mehr. Mit 1,7 Promille Blutalkoholgehalt geschah es dann „plötzlich“. „Ich habe nach unten geschaut und als ich wieder nach oben sah, da kam mir die Faust entgegen“, sagte der 19-Jährige. Vielleicht sei es der Freund der jungen Frau gewesen, die er Sekunden zuvor mit einem Wangenkuss begrüßt haben will.

Doch auch wenn er tatsächlich zuerst den Schlag abbekommen haben sollte, so landete er doch auf der Anklagebank, weil sein Gegenüber wohl noch mehr abbekommen hatte. Auch wenn dieser sich im Zeugenstand kaum besser entsinnen konnte – 1,9 Promille zur Tatzeit sei Dank: „Ich kann mich erst wieder daran erinnern, dass mir jemand hochgeholfen hat.“ Platzwunden am Kopf samt Gehirnerschütterung, Schürfwunden und zerrissene Kleidung bei beiden ließen darauf schließen, dass sie auf das Straßenpflaster stürzten.

Ein Freund des Angeklagten konnte das Puzzle der Erinnerungen ebenfalls nicht bis zur Vollständigkeit ergänzen. Den ersten Schlag hat der 34-Jährige nicht sehen können, da er sich um ein anderes Cliquen-Mitglied kümmerte, dem es „schlecht ging“. „Ich hab’ das durch die Lautstärke mitbekommen; da sah ich, wie er am Boden lag.“ Anschließend soll sein Freund (der Angeklagte) aufgestanden sein und auf das Opfer eingeschlagen haben („Dann ging’s gleich los: Links, rechts, dann sind sie hingeflogen!“).

Geistesgegenwärtig zog ein weiterer Freund den Angeklagten vom Opfer weg, das sich nicht mehr gewehrt haben soll. Ein Tritt des 19-Jährigen Richtung Kopf sei so abgeschwächt worden. Ein Mann und zwei Brüder, die die Schläge gesehen haben sollen, waren zur Verhandlung nicht geladen oder nicht erschienen Um die Schuldfrage eindeutiger klären zu können, werden diese nun bei einem Fortsetzungstermin aussagen.