Ex-Anwalt aus Menden verurteilt

Am Landgericht Arnsberg fand der Prozess gegen den Ex-Anwalt aus Menden statt.
Am Landgericht Arnsberg fand der Prozess gegen den Ex-Anwalt aus Menden statt.
Foto: WP Ted Jones
Was wir bereits wissen
Ein ehemaligen Anwalt aus Menden wurde vom Landgericht Arnsberg wegen Untreue in einem besonders schweren Fall zu einer einjährigen Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt.

Arnsberg/Menden..  Der 56 Jahre alte Arbeiter war eher zufällig an der Kanzlei des damaligen Rechts­anwalts vorbei gekommen und hatte spontan die Räume in der Mendener Innenstadt betreten. Ein Brief aus der Schweiz hatte ihn über das ­Ableben seines offenbar vermögenden Vaters informiert, zu dem seit langem kein Kontakt mehr bestand. „Ich habe ihm voll vertraut“, sagte der Mendener als Zeuge vor dem Landgericht Arnsberg über seinen Auftrag an den Juristen, ihn in der Erbangelegenheit zu vertreten. Der mittlerweile in den Ruhestand ­eingetretene Jurist (66) kassierte ein Honorar in Höhe von 82 223,97 Euro.

Die Quittung für sein Verhalten gab es am Dienstag vor der 2. Großen Strafkammer. „Der Angeklagte hat das besondere Vertrauensverhältnis ausgenutzt“ und sich „Einschränkungen“ seines Mandanten zunutze gemacht, sagt die Vorsitzende Richterin Dorina Henkel in der Urteilsbegründung. Der Ex-Anwalt erhielt wegen Untreue in einem besonders schweren Fall eine einjährige Freiheitsstrafe auf Bewährung.

Nicht umfassend aufgeklärt

Er habe sich überwiegend geständig gezeigt, hält die Kammer dem Mann auf der Anklagebank zugute. Bei zwei Punkten will das Gericht dem 66-Jährigen jedoch nicht folgen: dass er seinen Mandanten über die gesetzlichen Vergütungsregeln für Anwälte aufgeklärt habe, und dass er dem 56-Jährigen mitgeteilt habe, dass er wenige Tage nach Übernahme des Auftrags seine Zulassung als Rechtsanwalt verloren hatte -- wegen Vermögensverfalls.

Das Erbe in sechsstelliger Euro-Höhe wurde seinerzeit aus der Schweiz auf das Geschäftskonto des damaligen Anwalts überwiesen. Von dort ging es auf das Konto des 56-jährigen Erben, abzüglich des Honorars von knapp über 82 000 Euro. Grundlage: eine zu Beginn der Mandantschaft abgeschlossene Vergütungsvereinbarung, zu der der Hilfsarbeiter aus Sicht des Gerichts wegen der unvollständigen Aufklärung nicht wirksam eingewilligt hatte. „Der Angeklagte hat das Honorar einbehalten und für Lebenshaltung und die Schuldentilgung genutzt“, so Richterin Henkel über den „Treuebruch“ im ­juristischen Sinne. Der Ex-Anwalt hatte sich rund um sein Pferdegestüt hoch ver­schuldet.

Monatlich 30 Euro an das Opfer

Der 66-Jährige war bereits vom Landgericht Arnsberg zur Rückzahlung von gut 78 000 Euro des kassierten Anwaltshonorars verurteilt worden. Der Geschädigte hat davon noch nichts gesehen - ebenso nicht die Gelder aus Darlehensverträgen (60 000 und 128 000), die der frühere Jurist mit ihm abgeschlossen hatte. In dem gestrigen, noch nicht rechtskräftigen Urteil wurde dem Angeklagten auferlegt, monatlich 30 Euro an sein Opfer zu zahlen. Zur Schadensgutmachung.