Erste Mendener in Langhäusern?

Bösperde..  Immer wahrscheinlicher werden großflächige archäologische Grabungen auf den Holzener Feldern: Nachdem Wissenschaftler dort kürzlich ein zweites, 6500 Jahre altes Steinbeil fanden (die WP berichtete), gehen sie aufgrund des Materials Amphibolit und der Form des Beils jetzt von einer Siedlung früher Bauern aus der sogenannten Rössener Kultur aus. Das erklärte Projektleiterin Dr. Eva Cichy von der Olper Außenstelle des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) „Archäologie für Westfalen“. Sollte sich diese Annahme bestätigen, „dann wäre das eine große wissenschaftliche Überraschung“, erklärte Dr. Cichy.

„Ostorientierte Rechtshocker“

Und die würde einiges nach sich ziehen. Am 20. April will eine LWL-Delegation im Mendener Rathaus die Details des weiteren Vorgehens besprechen. Bis dahin soll es weitere Begehungen geben, sodass ein noch genaueres Bild über die Ur-Mendener entstehen kann. Bleibt es bei der jetzt aufgekommenen Vermutung, wird der Bagger einer archäologischen Spezialfirma in Hämmer sechs Meter breite Schnitte in 30 bis 40 Zentimetern Tiefe vornehmen – und zwar so lange, bis die Umrisse der gesamten vermuteten Siedlung zum Vorschein kommen, erklärte die Wissenschaftlerin.

Nach so langer Zeit geht es indes nicht mehr um Pfähle oder Wände: „Wir suchen Verfärbungen im Boden, die uns zeigen können, wo etwas gestanden hat.“ Wenn dann alles freigelegt ist und mögliche weitere Funde festgehalten sind, werde der LWL die Fläche für den geplanten Bau des Gewerbegebiets Hämmer 2 freigeben. Laut Dr. Cichy wurde man indes auch im bereits bebauten Hämmer-Riekenbrauck fündig, was auf eine große Urzeit-Siedlung schließen lasse.

Von der Rössener Kultur ist bekannt, dass die Menschen Langhäuser bauten, die bis zu 65 Meter lang sein konnten und innen für mehrere Kleingruppen unterteilt waren. Manche der wenigen bisher gefundenen Siedlungen waren von Erdwällen umgeben. Ihre Toten begruben die Mendener Vorfahren im Hocken, die Archäologen sprechen hier von „ostorientierten Rechtshockern“. Die Gräber wurden in einer Tiefe zwischen 40 und 160 Zentimetern angelegt und teilweise mit Steinplatten bedeckt.

Auch „Mistschleier“ gefunden

Siedlungen der Rössener Kultur lagen in unseren Breiten in fruchtbaren Löß-Gebieten der Hellweg-Region. Dass sich eine Gruppe trotz der weniger ergiebigen Böden in Menden niedergelassen haben könnte, beflügelt die Fantasie der Wissenschaftler. Dr. Cichy: „Es müsste dann andere Vorteile gegeben haben, hier zu leben.“

Bei ihrer Stippvisite fanden die Archäologen des LWL auf Anhieb das zweite Steinbeil aus Amphibolit. Damit, so Dr. Cichy, habe sich die erste Annahme, auf ein Hügelgrabfeld gestoßen zu sein, erledigt. Vielmehr stehe man „vor völlig neuen Erkenntnissen zu Rössener Kultur“. Weitere Fundstücke wie Scherben aus dem Spätmittelalter seien dagegen bedeutungslos: Man nennt sie gar „Mistschleier“, weil mittelalterliche Bauern sie als Müll mit auf die die Felder warfen.