Erinnerung an die Opfer der Zwangsarbeit

Menden..  Erstmals hat Menden mit einer großen eigenen öffentlichen Gedenkstunde auf dem Friedhof in Lendringsen an die vielen Tausend Opfer des Nazi-Rüstungsprojektes Schwalbe (Eisenkies) erinnert. Die Veranstaltung fand parallel zu bundesweit vielen weiteren statt.

Der 27. Januar wird national und international als Tag der Befreiung des Nazi-Konzentrationslagers Auschwitz begangen. In Menden soll fortan jährlich ein Schwalbe-Gedenken erfolgen. Dann jedoch und auf Initiative von Bürgermeister Volker Fleige am 14. April, der als Tag der Befreiung der Schwalbe-Überlebenden durch amerikanische Soldaten gilt.

Insbesondere Antonius Fricke betrieb immer wieder Forschungen zum Schwalbe-Projekt und machte nachhaltig öffentlich auf Leiden und Tod der Opfer aufmerksam. Entsprechende geschichtliche Arbeiten sind auch online auf den Seiten der Stadt Menden (Archiv) einsehbar.

Fricke erläuterte in der Gedenkfeier Hintergründe zu einem heute schier unfassbaren Projekt: „Die Nazis hatten keinen Treibstoff mehr, um ihren aberwitzigen Krieg zu führen. Die gigantische große Hydrier-Anlage mit vielen Kilometern Stollen sollte Abhilfe schaffen.“

8000 bis 10 000 rekrutierte Zwangsarbeiter, Kriegs- und Strafgefangene waren regelmäßig im Einsatz. Fricke: „Hinzu kamen viele Zivilpersonen.“ Mindestens 20 Lager zur Unterbringung habe es gegeben (siehe auch Infobox).

Bürgermeister Volker Fleige hielt die zentrale Gedenkrede: „Wie soll man den Kult von Hass und Tod begreifen, der damals in Deutschland herrschte? Wie konnten intelligente, oft hervorragend gebildete junge Männer aus gutem Hause und mit Diplomen der namhaftesten deutschen Universitäten in der Tasche, die damals zu den angesehensten der Welt zählten, sich so sehr vom Bösen verführen lassen?“ Sie hätten Männer, Frauen und Kinder gequält und getötet, die sie noch nie gesehen hatten.

Fleige weiter: „In Menden wollen wir künftig am 14. April eines jeden Jahres gedenken. Hier – auf dem Friedhof in Lendringsen – sind die Namen vieler Opfer verzeichnet. Ihre Namen sollen unsere Namen sein. Denn ihre Namen sind Wahrzeichen, schwarze Flaggen, der Welt zur Erinnerung an eine Welt, die damals war.“

Der Gedenkort in Lendringsen ist offiziell in die Denkmalliste der Stadt Menden eingetragen. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe hält sie in besonderer Weise für geeignet, an das Geschehen des Krieges zu erinnern. Daran liegt auch Antonius Fricke außerordentlich. Er ermunterte alle Bürger der Stadt ausdrücklich, weitere Recherchen zum Leid der Zwangsarbeiter im heimischen Raum anzustellen. Fricke: „Es gibt in verschiedenen Archiven schier unendlich viel Material, das gesichtet auf aufbereitet werden sollte.“ Menden sei es den vielen Opfern schuldig.