Er hätte uns noch so viel geben können
04.11.2007 | 18:09 Uhr 2007-11-04T18:09:13+0100Menden/Breckerfeld. Das wird nicht nur für Angehörige heute ein extrem schwerer Gang. Es heißt Abschied nehmen und einem Mann die letzte Ehre zu erweisen, der mit seinem beruflichen und privaten Wirken so viel Großartiges geleistet hat. ...
Gerhard Reibert, Vorstandsvorsitzender der Märkischen Bank, bleibt als prägende Persönlichkeit unvergessen.
Gerhard Reibert hatte beruflich eine der schwierigsten Aufgaben zu meistern, die denkbar sind. Unter seinem Vorstandsvorsitz fusionierten vier ehemals eigenständige Volksbanken zur Märkischen Bank. Dazu gehört auch Menden. Gradlinig, ehrlich und aufgeschlossen brachte Gerhard Reibert diesen ungemein schwierigen Arbeitsauftrag über die Bühne.
Manfred Döring - heute in Menden Gewoge-Chef - und Gerhard Reibert führten nach der Fusion maßgeblich die Geschicke des Hauses. Freundschaftlich, aber auch hart ringend. Beide waren aufrichtig genug, einen Schnitt zu ziehen, nachdem sie bemerkt hatten, dass für zwei sehr starke Persönlichkeiten auf die Dauer kein Platz in der Führungsriege ist. Die Trennung erfolgte absolut sauber und in diesem Fall tatsächlich im besten Einvernehmen. Reibert ließ Döring bei dessen letzter Mission für das Haus weitgehend freie Hand bei der Umgestaltung der Bank-Räumlichkeiten.
Großer BVB-Fan Es war typisch für Gerhard Reibert, dass er bei aller Freundschaft und Emotion den analytischen Blick nie verlor. Und dabei hat er zum Teil gelitten wie ein Hund. Etwa im Amt als BVB-Verwaltungsratsvorsitzender, als er erkannte, dass Borussia Dortmund sich unter Regie von Präsident Gerd Niebaum mit seiner Personalpolitik geradewegs in den Ruin stürzte. Souverän, wie es nur wenigen vergönnt ist, trat Mahner Reibert zurück, ohne einen Scherbenhaufen in Sachen Männerfrendschaft zu hinterlassen.
Gerhard Reibert hatte immer auch großes Vertrauen in die Kompetenz seiner Mitarbeiter. So wusste er den Standort Menden unter Direktor Martin Weber in besten Händen und ließ Freiheiten, wo andere Chefs gedeckelt und gedemütigt hätten.
Menden war ihm immer wichtig. Viele seiner Besuche wurden Festtage. So sorgte er im Frühjahr 2006 mit BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke im Forum der Märkischen Bank für einen denkwürdigen Gesprächsabend.
Bedürftigen geholfen Was hätte ihn, den einflussreichen Bank-Vorstand, im fernen Hagen oder daheim in Breckerfeld, die Not von bedürftigen Mendenern angehen müssen? Doch Gerhard Reibert machte auch sie zu seiner Sache.
Regelmäßig im Dezember überreichte er der WP namhafte Beträge für die Hilfsaktion Mendener in Not. Es waren immer faszinierende Augenblicke, ihn dabei erleben und ihm zuhören zu dürfen. Denn trotz aller Verantwortung für riesige Bilanzsummen und so viele Mitarbeiter, sah sich Gerhard Reibert in der Nachfolge Raiffeisens. Ein großer Teil seines nur 60 Jahre währenden Lebens verbrachte er mit Entscheidungsträgern. Die Sorgen des kleinen Mannes hat er dabei nie aus dem Blickwinkel verloren.
Gerhard Reibert wird nicht nur in Menden unvergessen bleiben.
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