Endoprothetik: Hier spielt Menden erste Liga

Menden..  Es war in Münster, an einem Nachmittag des Jahres 2007, da las Dr. Hans-Joachim Neuhaus im Oberarztzimmer der St. Rafaels-Klinik im Deutschen Ärzteblatt. Darin fand sich die Stellenanzeige eines Krankenhauses in Menden/Sauerland, das einen Chefarzt für die Endoprothetik suchte. „Warum auch immer, ich wusste sofort: Das ist meine Stelle“, schmunzelt Dr. Neuhaus. Heute, sieben Jahre später, ist der 56-jährige gebürtige Lünener einer der erfahrensten Operateure in Deutschland, gilt als Knie-Genie. 1000 Knie- und 2000 Hüftgelenke hat Neuhaus implantiert, bis zu drei OPs sind es am Tag. Und die St.-Vincenz-Klinik spielt in seinem Fachgebiet in der ersten Liga mit.

Wie weit der gute Ruf reicht, zeigt sich auch daran, dass Ärzte aus fernen Ländern weite Wege auf sich nehmen, um Dr. Neuhaus über die Schulter zu gucken. Zuletzt war eine Gruppe von Fachmedizinern aus Ecuador in Menden. Nachdem die WP im Herbst über die Stippvisite aus Lateinamerika berichtet hatte, wurde die Redaktion neugierig: Wer ist dieser Dr. Neuhaus?

Er ist ein zupackender Mensch, nicht nur beim Händedruck. Und wenn ein Chefarzt Sätze sagt wie: „Wir operieren den Menschen und nicht sein Röntgenbild“, dann wird noch besser vorstellbar, warum einem wie ihm so viele Patienten vertrauen.

Gemeint ist mit diesen Worten übrigens der Zeitpunkt für eine OP, den laut Neuhaus vor allem der Patient selber bestimmen sollte. „Gelenkverschleiß ist eine schmerzhafte Sache, die die Leben stark beeinträchtigen kann. Daher sollte als Faustregel gelten, dass man sie so spät wie möglich ersetzt – aber auch so früh wie nötig.“ Und dabei komme es eben auf das Befinden jedes einzelnen Patienten an.

Der Erfolg der Mendener Gelenk-Experten ist indes gleichermaßen auf ein gesellschaftliches Phänomen wie auf modernste Technik zurückzuführen. Neuhaus dazu: „Wir haben ja nicht nur eine deutliche Zunahme der Lebenserwartung, sondern dazu noch den Anspruch, bis ins hohe Alter mobil zu bleiben.“

Eine Frage der richtigen Verbindung

Funktionstüchtige Gelenke seien unabdingbar, um weiter Sport treiben oder auch reisen zu können. Nicht mehr wegzudenken seien dabei heute die neuen Techniken der Endoprothetik, vor allem jene künstlichen Gelenke, die im Knie keine Unterstützung des menschlichen Bandapparats mehr brauchen, sondern von sich aus einwandfrei und sehr lange funktionieren.

Ungekoppelte Gelenke dagegen führten oft zu Seiten- oder Kreuzbandproblemen, denn die Bänder hätten bei Gelenkproblemen vielfach schon mitgelitten. Die ersten Kunstgelenke, bei denen beide Teile mit Stiften verbunden waren, lösten diese Probleme häufig nur zum Teil.

Die neuen Design-Prothesen, die im Knie fest miteinander verbunden sind, kamen dann vor etwa fünf Jahren auf. „Als Referenzklinik haben wir sie damals mitentwickelt und zählten zu den Hauptanwendern“, berichtet Dr. Neuhaus. Dazu zählten intensive Nachuntersuchungen und Dokumentationen. Es sind diese Erfahrungen und die Tatsache, dass die Hersteller ihre Produkte jetzt weltweit stärker vermarkten, die Besucher wie die Delegation aus Ecuador nach Menden führen.