Einige Städtepartnerschaften in Menden schlafen ein

Hier funktioniert’s bestens: Auf dem Maroeuiler Platz in Bösperde steht ein französisches Schild.
Hier funktioniert’s bestens: Auf dem Maroeuiler Platz in Bösperde steht ein französisches Schild.
Foto: WP

Menden..  Es war mal Heirat aus Liebe. Mittlerweile fehlt nach vielen Trennungsjahren fast nur noch die Scheidung. Einige Städtepartnerschaften zwischen Menden und anderen europäischen Städten existieren nur auf dem Papier.

Beispiel: Braine L’Alleud. Die Partnerschaft mit der Kleinstadt in Belgien ist seit fünf Jahren nahezu tot. „Wir wollen die Freundschaft gerne wieder aktivieren“, sagt Klaus-Jürgen Sieberg vom SV Menden. Die Budo-Abteilung hält noch den letzten Kontakt zu Sportskameraden aus der Stadt mit den Waterloo-Schlachtfeldern. Mehr ist von der 37 Jahre alten Partnerschaft nicht geblieben. Eine Mendener Delegation hatte vor fünf Jahren noch persönlich versucht, bei den Behörden für die Partnerschaft zu werben. „Es gab sehr wenig Resonanz“, sagt Sieberg. Danach löste sich der Partnerschaftsverein endgültig auf.

Sieberg will den Kontakt nicht aufgeben und zumindest privat Freundschaft pflegen. „Der Geist ist willig. Wir wollen wieder hinfahren – fragt sich ja nur noch wann.“

Niemand kennt Menden

Die anfängliche Euphorie ist auch in der Städtefreundschaft mit Eisenberg in Thüringen abgeflaut. Die Partnerschaft entstand in der Wendezeit auf Empfehlung des Innenministeriums. Direkt nach dem Fall der Mauer gab es einen regen Austausch. Mendener Familien reisten nach Thüringen. Ostdeutsche Delegationen suchten in Menden Hilfe beim „Aufbau Ost“. Armaturenhersteller Kludi eröffnete sogar ein Werk in Eisenberg. Auch der damalige Mendener Stadtwerkechef Ott-Heinrich Plote ging nach Thüringen, um Aufbauhilfe zu leisten. Mittlerweile ist Plote verstorben. Kludi hat sein Werk geschlossen. Offizielle Besuche gab es in den vergangenen zehn Jahren kaum noch. Auf WP-Nachfrage im Eisenberger Rathaus kennt dort niemand mehr Menden.

Vor vier Wochen war dann Bürgermeister Volker Fleige in der „sehenswerten Partnerstadt“ – erst sein zweiter Besuch überhaupt bei Städtefreunden. Den Rest behalte er sich für seine zweite Amtszeit vor, verkündete Fleige optimistisch im Internet via Facebook. Zuvor war der Bürgermeister bereits im französischen Aire-sur-la-Lys. Die Kontakte dorthin sind deutlich besser, genauso wie in der Vorzeige-Partnerschaft zwischen Bösperde und Maroeuil in Frankreich. Der Freundschaftsverein sorgt für regen Grenzverkehr.

„Wichtig ist, auch die normalen Bürger mitzunehmen“, sagt Ulla Amsler. Sie ist Vorsitzende des Partnerschaftsvereins Menden-Plunge. Der Austausch mit der litauischen Stadt funktioniert gut, aber im kleinen Kreis. Aus Amslers Sicht sind die Reisekosten in die 1600 Kilometer entfernte Stadt zu hoch. Die Stadt fördert die Freundschaft mit einem jährlichen Pauschalbetrag in Höhe von 250 Euro.

Theoretisch ist auch Braine L’Alleud noch verheiratet mit Menden. Auf ihrer Internetseite lobt die 36 000 Einwohner große Gemeinde sogar die Partnerschaft zu Menden. Braine zeigt auf einer Landkarte sogar, wie man hinkommt. Leider endet der Weg in Minden im Weserbergland. Quel Malheur!