Einige Konflikte, aber kein „Krieg in Flüchtlingsheimen“

Menden..  Gibt es wirklich „Krieg in den Flüchtlingsheimen“? Ein mutmaßlicher Messerstecher hatte am Mittwoch bei der Verhandlung vor dem Landgericht anschaulich Dauerfehden zwischen Algeriern und Marokkanern beschrieben. Polizei und Stadt bestätigen Auseinandersetzungen. Dem gegenüber stehen aber auch viele Erfolge in der Flüchtlingsarbeit.

Ja, es gebe verstärkt Vorfälle mit Männern dieser Nationalitäten, sagt Polizeisprecher Dietmar Boronowski auf Nachfrage. „Wo bestimmte Nationalitäten aufeinandertreffen, ist ein erhöhtes Konfliktpotenzial da.“ Die Polizei müsse vergleichsweise häufig bei Auseinandersetzungen einschreiten und sei auch selbst schon angegriffen worden, weil sich die aggressive Stimmung hochschaukelte.

Schwere Zwischenfälle wie die Messerstecherei aus dem September 2014 seien für Menden die absolute Ausnahme, sagt der städtische Flüchtlingshelfer Rüdiger Midasch: „Die Formulierung von Krieg in Heimen ist weit überzogen.“ In seiner 30-jährigen Berufserfahrung habe es nur einen anderen ähnlich schweren Zwischenfall gegeben, Anfang der 1990er Jahre. Im Flüchtlingsheim sei es grundsätzlich nicht anders als bei Deutschen: Wo viele Menschen zusammenkommen, sind viele nette Menschen, aber es sind auch einige Idioten dabei.“

Wenn es Konflikte im Heim an der Bischof-Henninghaus-Straße gebe, dann aber seien oft tatsächlich alleinstehende Männer aus Nordafrika beteiligt, bestätigt auch Midasch. Hintergrund sind meist Konflikte, die von außen ins Heim getragen werden. Viele Marokkaner und viele Algerier sehen sich gegenseitig als Feinde. Algerien und Marokko trugen 1963 einen blutigen Grenzkrieg aus. Einige Auseinandersetzungen halten bis heute an.

Polizei und Midasch betonen ausdrücklich, dass andersherum kein Rückschluss von Nationalität auf Gewaltbereitschaft gezogen werden dürfe. „Viele Nordafrikaner verhalten sich anständig.“

Für die Polizei ist auch ein Kriterium, dass unter den Nordafrikanern viele alleinreisende Männer sind. Darunter sei das Konfliktpotenzial im Schnitt deutlich höher als bei Familien. Generell gelte: „Wenn man bestimmte Belegungen nicht macht, hat es die Polizei einfacher“, sagt Boronowski.

Genau das versuche die Stadt umzusetzen. „Wenn man absehen kann, dass Konflikte drohen, versuchen wir innerhalb des Hauses Regelungen zu treffen“, erklärt Midasch. Es gebe außerdem viele erfolgreiche Projekte wie Deutschkurse und Spielenachmittage (WP berichtete), um auf die Flüchtlinge zuzugehen. „Damit beugen wir Konflikten von Anfang an vor.“