Einen Tag zu früh geflogen – Mendener entkam Absturz knapp

Arman Ertür zeigt die Bordkarte mit der Nummer des Germanwings-Fluges.
Arman Ertür zeigt die Bordkarte mit der Nummer des Germanwings-Fluges.
Foto: WP

Menden.. Der Koffer steht noch verschlossen im Flur. Arman Ertür zeigt die Bordkarte mit der Nummer 4U 9525. Der 35-Jährige ist noch nicht dazu gekommen, alles auszuräumen. Seit Dienstagmorgen klingelt ständig das Telefon. Freunde wollen wissen, ob er noch lebt. Er kann sie beruhigen. Der junge Mendener nahm einen Tag früher den Flug mit genau jener Nummer, die seit Dienstag nur noch mit 150 Toten in Verbindung gebracht wird. Nur der Großzügigkeit der spanischen Behörden ist es zu verdanken, dass er nicht im Todesflieger saß.

„Das ist total bizarr“, sagt der 35-Jährige der in einer Gruppe von zehn Dartspielern auf einer Wochenend-Tour in Spanien war. Das Unglück sei auf einmal ganz nah. „Ich kann mir das überhaupt nicht vorstellen“, sagt Arman Ertür. Er habe schon viel schlimmere Fluggesellschaften erlebt. Bei Germanwings habe er sich sicher gefühlt. „Das Flugzeug wirkte sauber und gepflegt.“ Bei den europäischen Billigfliegern habe er eigentlich noch nie einen schlechten Eindruck gehabt.

Bekannte wurde bestohlen

Fast hätte auch der Sozialpädagoge einen Tag später in der abgestürzten Maschine gesessen. Einer guten Freundin war am Wochenende beim Bummel durch Barcelona das Portemonnaie mit allen Papieren geklaut worden. Ersatz war am Sonntag nicht zu besorgen, weil die Deutsche Botschaft geschlossen hatte. Die junge Frau wurde auf Montag vertröstet. „Ich wollte sie begleiten, weil sie kein Englisch und Spanisch kann“, sagt Ertür. Den Flieger hätten der Mendener und seine Bekannte nicht mehr bekommen. Sie planten schon mit dem Dienstagsflug.

Irgendwie seien sie dann doch das Risiko eingegangen, ohne Papiere auf die Reise zu gehen, erinnert sich Ertür. Mit Erfolg. Die spanischen Behörden ließen die Freundin ohne Ausweis durch die Kontrolle. Auch die Fluggesellschaft zeigte sich ausnahmsweise großzügig und ließ die Bestohlene einsteigen. „Das war wohl unser Glück.“

Ertür hat versucht, herauszufinden, ob er sogar genau in jenem Flugzeug saß, das später abstürzte. Danach sieht es nicht aus. Germanwings sagt, dass die Unglücksmaschine bis 10 Uhr am Montag zur Wartung in Düsseldorf stand. Identisch war wohl nur die Flugnummer, die jeder Germanwings-Flieger trägt, der morgens um 9.35 Uhr in Barcelona Richtung Flughafen Düsseldorf abhebt.

Ertür kommt kaum dazu, zu erzählen, dass das lange Wochenende eigentlich ein tolles Erlebnis war. Der Deutsche Sportbund hatte den begabten Spieler in eine Nationalauswahl zum Dartspielen in den 80 Kilometer von Barelona entfernten Badeort Salou eingeladen. Ein Riesending für ihn, aber irgendwie Nebensache. Arman lebt. Er darf Koffer auspacken – ausnahmsweise ein Glücksgefühl.

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