Eindrucksvolle Johannespassion

Die Ausführenden der Johannespassion.
Die Ausführenden der Johannespassion.
Foto: WP

Menden..  „Herr, unser Herrscher, dessen Ruhm in allen Landen herrlich ist...!“ Mit diesem brausenden Aufakt ist der Chor bei Johann Sebastian Bachs Johannes-Passion gleich von Beginn hochkonzentriert gefordert.

Der jubelnde Lobpreis Gottes schwillt auf und ab, setzt pointierte Wiederholungen und fordert von der Chorgemeinschaft vollen Stimmeneinsatz vom ersten Takt an. Als passende musikalische Einstimmung in die Karwoche erklang die Johannes-Passion am Samstagabend in der vollen St.-Vincenz-Kirche, dargeboten von zwei perfekt harmonierenden Chören (mit zusammen über 60 Mitwirkenden), Musikern der Dortmunder Philharmoniker und fünf Solisten: Sopran, Alt, Tenor und zwei Bass-Sänger.

Eindrucksvolle Kulisse

Eine eindrucksvolle Kulisse bot sich also den Besuchern, dem opulenten Werk angemessen. Für Ars Musica St. Vincenz und die Chorgemeinschaft St. Bartholomäus aus Ahlen war diese beeindruckende Aufführung der Höhepunkt einer intensiven Probenarbeit. Christian Rose und sein Kantor-Kollege Andreas Blechmann sind seit ihrer Studienzeit befreundet und leiteten gemeinsam diese Aufführung, bei der es -- wie bei allen großen Passionswerken -- um mehr geht als „nur“ schöne Musik zum Schwelgen und Genießen, wie man sie von Bach zu Recht erwartet. Zum Genießen ist auch die Johannes-Passion, man kann sich in diesen wunderschönen Arien und wehmütigen Chorälen schier verlieren... doch gebührt dem Evangelisten - gesungen von Tenor Mario Ahlhorn - die entscheidende Rolle. Er leitet die Zuhörer durch das gesamte Werk, von der Festnahme Jesu nach Judas Verrat über das Leiden und Sterben am Kreuz bis zur Bettung Christi Leichnams ins Grab. Entsprechend hoch ist der Gesangsanteil des Evangelisten, den Mario Ahlhorn in durchgehend bestechender Klarheit und zugleich Schlichtheit meisterte. Man verstand bis in die letzte Reihe jedes Wort, und so soll es sein.

Beim Chor hatte man den Eindruck, dass er sich beim Jubelauftakt „Herr, unser Herrscher“ rasch noch ein bisschen sortieren musste; einzelne Höhen gelangen nicht ganz, die Akzentuierung hätte man sich bei diesen mächtig auf- und verhalten abschwellenden Wiederholungen schärfer gewünscht. Denn dieser Eingangschor muss auf Anhieb mitreißen, in Bann schlagen. Schon bei der Antwort aber auf Jesu Frage „Wen suchet ihr?“ hatte sich der Chor gefangen: „Jesum von Natzareth“, schallte es den Zuhörern machtvoll entgegen. Die Choräle sang der Chor wunderbar klar, rein und mit wehmütigem Feingefühl.

Eindrucksvolle Gesangsparts

Denkbar schlicht und unprätentiös gestalteten auch Christian Henneberg und Jacoub Eisa (Christusworte) ihre Gesangsparts. Die junge Isabel Baumgartner konnte sich in der wehmutsvollen Arie „Von den Stricken meiner Sünden dich zu entbinden“ leider nur selten gegen die dominierenden Bläser durchsetzen, was schade war, da sie eine sehr schöne Altstimme hat, der jede übertriebene Dramatik fehlt. Etwas undankbar fiel insbesondere der Vergleich mit der direkt anschließenden Sopran-Arie aus: „Ich folge dir gleichfalls mit freudigen Schritten“, mitreißend gesungen von Anna Kristina Nächster, die überhaupt stets große Kraft und Lebendigkeit in ihren Vortrag legt. Ein Genuss, dieser brillanten Sopranistin zuzuhören, auch bei dieser Aufführung wieder.

Die Passion bot mit einem kürzeren ersten und fast doppelt so langen zweiten Teil einen abendfüllenden Musikgenuss von höchster Qualität.