Einbußen für Krankenhaus-Mitarbeiter
16.06.2011 | 22:18 Uhr 2011-06-16T22:18:00+0200
Menden/Balve. Rund 1000 Mitarbeiter der Katholischen Hospitalvereinigung, zu der das Vincenzkrankenhaus gehört, müssen mit Gehaltseinbußen rechnen. Beim Personal sollen dieses Jahr 1,25 Mio. Euro gespart werden. Damit soll ein Defizit ausgeglichen werden, das entsteht, weil die Krankenkassen die angestrebte Steigerung der Fallzahlen nicht voll finanzieren wollen. Dieses Wachstum, so Geschäftsführer Thomas Wülle, sei aber für das Überleben alternativlos.
Betroffen sind alle Mitarbeiter in den drei Häusern (St. Vincenz in Menden, St. Marien in Balve und St. Elisabeth in Iserlohn) sowie die Beschäftigten in der Krankenhausverwaltung und in der internen Apotheke. Es handelt sich um 400 Mitarbeiter in Menden, 100 in Balve und 500 in Iserlohn.
Ob und wie das Einsparziel erreicht werden kann, ist unklar. Wie Geschäftsführer Thomas Wülle gestern der WP bestätigte, laufen Verhandlungen mit den Mitarbeitervertretungen. Im Gespräch sind die Streichung von Urlaubs- und Weihnachtsgeld oder eine Kürzung des Bruttogehalts.
Laut Thomas Wülle sei das Sparen bei den Personalkosten alternativlos, da ansonsten bereits alle Potenziale weitgehend ausgereizt seien. Aber auch der Wachstumskurs sei alternativlos. Der Verdrängungswettbewerb sei derart groß, dass das bloße Bewahren des Ist-Zustands zwangsläufig zur Schließung der Häuser führen werde.
Der nötige Wachstumskurs werde aber von der Gesundheitspolitik nicht belohnt, sagt Thomas Wülle. Die Kosten für alle Patienten, die über den mit den Krankenkassen vereinbarten Fallzahlen lägen, würden nur zu 35 Prozent erstattet. Das sähen Zwangs-Rabatte in den Gesundheitsgesetzen so vor. Und in den laufenden Verhandlungen mit den Krankenkassen für dieses Jahr sei absehbar, dass diese die angestrebte Steigerung um 550 Fälle nicht mittragen würden. So entstehe das kalkulierte 1,25-Millionen-Euro-Defizit.
Die Fallzahlsteigerung beinhalte aber auch eine Perspektive für die Mitarbeiter: Im kommenden Jahre habe man einen Rechtsanspruch darauf, dass die Fallzahlen auf dem Niveau diesen Jahres voll vergütet würden. Das Wachstum wäre also zementiert.
Und da man nicht erneut ein so starkes Fallzahlen-Wachstum anstrebe, werde sich im Folgejahr auch nicht erneut ein solch hohes Defizit ergeben. Damit sei absehbar, dass die Gehaltseinbußen auf dieses Jahr beschränkt werden könnten. „Auch wenn die Verhandlungen mit den Krankenkassen positiver ausfallen, als wir vermuten, werden wir das Geld an die Mitarbeiter zurückgeben“, so Wülle. Gleichwohl: Der geplante Einschnitt ist für viele Mitarbeiter ein Kulturschock. Bislang wurde immer nach Tarif gezahlt.
Aber muss das Wachstum, das die Mitarbeiter nun mitfinanzieren müssen, so stark und so schnell sein? Wülle ist davon überzeugt: „Das ist eine mittelfristige Überlebensfrage. Wenn wir es jetzt nicht tun, verschieben wir das Problem ins nächste Jahr.“ So sei die Existenz der drei Häuser zumindest vorerst gesichert. An allen Standorten werde es weiter eine Grundversorgung im Bereich der Chirurgie und der Inneren Medizin geben.
Über diese Basis hinaus sollen sich die Häuser aber mehr auf Fachdisziplinen spezialisieren – Schließung von einzelnen Abteilungen, um sie an einem der drei Standorte zu konzentrieren, können also kommen. Ein Konzept dazu ist in Arbeit. Es wird auch darüber nachgedacht, Disziplinen einzuführen, die bislang noch nicht angeboten werden.
10:07
Sorry, aber wenn ich solche Erklärungen lese möchte ich am liebsten brechen gehen. Ein Krankenhaus darf im Jahr X Patienten behandeln. Das wird von der Kasse bezahlt. Jetzt will das Krankenhaus aber mehr behandeln/einnehmen. Natürlich wird erst die Fallzahl erhöht und erst im Nachhinein mit der Krankenkasse verhandelt. Und dann wundert man sich, dass die Kassen sich ins Fäustchen lachen. Der Gipfel ist aber, dass man für das Missmanagement auch noch die Mitarbeiter bluten lassen will, und zwar auch noch doppelt. Denn zuerst müssen sich die Mitarbeiter den Allerwertesten aufreissen und den Arbeitsmehraufwand durch (bezahlte???) Mehrarbeit/Überstunden stemmen (550 Patienten zusätzlich versorgen) und dann soll ihnen zur Belohnung ihr Gehalt gekürzt werden! Da kann man nur auf die Mitarbeitervertretungen hoffen, dass die dieses Spielchen nicht mitspielen. Kann man überhaupt die Verträge einseitig einfach so ändern? Muss dafür nicht JEDER Mitarbeiter schriftlich einwilligen?
Die Frage wäre ja, was passieren würde, wenn die Zahlen genau andersrum liegen würden. Nähme das Krankenhaus nämlich 1,25 Millionen mehr ein, würde sich warscheinlich die komplette Führungsriege wegfreuen, die Mitarbeiter gingen aber wohl leer aus. Warum sollen die Mitarbeiter eigentlich immer nur dann einbezogen werden, wenn es dem Betrieb dreckig geht?
Und zuletzt die lieben Krankenkassen: Ist doch wirklich toll, wenn man Leistung für Umme kriegt, oder??? Der Bedarf an der Mehrarbeit ist ja anscheinend da, dann kann es ja eigentlich nicht sein, dass die erbrachte Leistung nicht entlohnt wird. Konsequenterweise sollte man halt bei erbrachter Sollleistung einfach nicht weiter behandeln. Dann muss die elektive Hüft-TEP eben bis ins nächste Quartal / Jahr warten. Aber dann wird ja wieder auf die bösen Ärzte geschimpft, die einfach die armen Patienten ablehnen.
Vielleicht ein guter Rat an die Verwaltungsriege der Krankenhäuser: Lasst Euch doch einfach VOR der Behandlung die Kostenübernahme schriftlich von den Kassen zusichern! Dann liegt der schwarze Peter nämlich nicht bei Euch, sondern bei der Kasse. Und die Patienten kiregen auch mal mit, wie der Hase läuft im Gesundheitssystem.
18:07
Hört, hört! Auch wenn die Verhandlungen mit den Krankenkassen positiver ausfallen, als wir vermuten, werden wir das Geld an die Mitarbeiter zurückgeben“, so Wülle
Das werden wir dann mal abwarten.