Ein bisschen Datscha-Kultur

Menden..  Die bunten Luftballons weisen nicht etwa auf eine Geburtstags- oder Hochzeitsfeier hin. Stattdessen heißt es an den so markierten Gärten in der Kleingartenanlage Kleine Heide: „Betreten erwünscht“ zu den „Offenen Gärten im Ruhrbogen“ am Sonntag. Ein bisschen suchen mussten Besucher aber schon, denn die etwas mehr als eine Handvoll Teilnehmer verteilte sich über das gesamte Gelände der insgesamt 59 Parzellen umfassenden Anlage.

Den Garten von Familie Pretzer, vom Haupteingang an der Schreberstraße aus fast in der hintersten Ecke gelegen, konnte man dagegen kaum übersehen, ein charakteristisches Knistern wies den Weg, und kleine Flammen loderten auf der Wiese. Eigentlich gar nicht als Attraktion für die „Offenen Gärten“ gedacht, sondern um eine alte, dicke Wurzel im Erdboden zu verbrennen, die sich kaum hätte ausgraben lassen, erkannte Marina Pretzer aber auch schnell die Möglichkeiten des kleinen Lagerfeuers: „Wir holen Bänke, eine Gitarre und Würstchen und verbringen dann noch ein paar gemütliche Stunden mit den Besuchern.“

Seit gut zwei Jahren besitzt sie mit ihren Mann Peter zusammen die Parzelle, so ganz fertig, das gibt sie gern zu, ist noch nicht alles. Schließlich verschlingt auch das neu bezogene Haus einiges an Arbeit, und so geht es im Schrebergarten eben Schritt für Schritt voran. „Aber hier vorne“, erzählt Marina Pretzer und deutet vom Eingangstörchen aus gesehen nach links „wo die Brombeeren stehen, sieht es wirklich schon ganz toll aus.“ Pläne für die weitere Gartengestaltung hat sie jedenfalls genug: Zwei Bäume von ihrer Oma aus Kirgisien sollen noch einen Platz finden. Das kleine Lagerfeuer hatte auch Nachbarin Hildegard Fuhrmann angelockt. Sie ist im Gegensatz zu diesen Neulingen ein Urgestein, genauer gesagt sogar ein Gründungsmitglied der ab 1977 aufgebauten Kleingartenanlage Kleine Heide in Bösperde. Mehrfach hat sie auch schon bei den Offenen Gärten mitgemacht. Große Dekorations- und Pflanzorgien, um die Besucher zu beeindrucken, stehen vor diesen Tagen nicht auf dem Programm, aber: „Motivation für ein bisschen Aufräumen und Saubermachen gibt mir das schon.“

Die Entwicklung der Anlage -- auf der die Hütten übrigens maximal 26 Quadratmeter groß sein dürfen -- und der gesamten Gemeinschaft des Kleingärtnervereins verfolgt sie nun seit über 35 Jahren. Gründungsmitglieder sind noch etwas mehr als ein Dutzend dabei: „Natürlich müssen immer mehr ihrem Gesundheitszustand Tribut zollen. Umso mehr freut es mich ganz persönlich, dass viele junge Familien hier eine Heimat gefunden haben.“

Einige der „Frischlinge“ in der Kleinen Heide haben ihre Wurzeln in Osteuropa und pflegen nun in Menden die Datscha-Kultur. Sie alle tragen zu dem abwechslungsreichen Erscheinungsbild der Kleingartenanlage bei, denn auch bei den am Sonntag nicht geöffneten Gärten durfte ja zumindest der Blick über den Zaun riskiert werden.

Schwerpunkt Wildorchideen

Jeder Gartenbesitzer setzt seine eigenen Schwerpunkte. Hildegard Fuhrmann führt mit Wildorchideen und anderen Wildgewächsen das Herzensanliegen ihres Mannes fort, nicht ganz ohne Hintergedanken: „Manche wachsen ja wirklich von alleine.“

Aber Arbeit macht so ein Garten trotzdem in nicht ganz unerheblichem Maße. Deshalb gilt bei ihr: „Nicht jeder kleine Unkrauthalm muss sofort weggeschnitten werden.“