Ehetragödie endet vor Gericht

Fröndenberg..  Auch nach fast 24 Jahren Ehe konnte der 44 Jahre alte Fröndenberger in chronischer Eifersucht den Gedanken einfach nicht ertragen: „Jetzt ist sie tatsächlich fremd gegangen“, vermutete er am Abend des 29. Mai 2014. Dabei hatte seine Frau hatte nur einen Bekannten in Menden besucht. Als sie dessen Wohnung verließ, kam es zur Rangelei. Der vermeintlich gehörnte Ehemann drosch – vor Wut rasend – sogar auf die Frontscheibe des ehelichen Wagens ein. Gestern mischte am Amtsgericht Menden sogar die Justiz mit.

Erziehung prägt

Manchmal wird ein Strafverfahren zur Milieustudie. Zum Beispiel dann, wenn deutsches Recht auf eine durch und durch türkisch-geprägte Sozialisation trifft. Die Eheleute sind zwar seit Jahrzehnten deutsche Staatsbürger, beharrten aber beide auf Rollenbildern der Kindheit und Jugend: „Ich schäme mich zutiefst, dass ich hier überhaupt sitzen und aussagen muss“, beteuerte die Frau. „Mein Mann hat mich nicht verletzen wollen.“ Noch in den polizeilichen Aussagen nach jenem Abend sah das alles ganz anders aus. Da hatte der Fröndenberger zu Protokoll gegeben: „Ich hätte sie tot machen können.“ Auch die von ihm angegriffene Ehefrau schildert gegen den Beamten noch drastisch, wie sehr sie bedroht worden sei.

Keine Tatzeugen

Doch was lässt sich ohne Augenzeugen nachweisen? Fraglos ein Schubser gegenüber der Ehefrau, als sie das Haus des Bekannten verlassen hatte. Doch von all’ den Ängsten unmittelbar danach war keine Rede mehr. Die Frau („Irgendwie bin ich noch in das Auto gelangt“) wollte gerade losfahren, als ihr Mann mit einem Stein auf die Frontscheibe einschlug. „Das Auto war immer mein Eigentum, das hatte ich ja bezahlt. Ich habe meine Wut an der Scheibe ausgelassen. Meine Frau wollte ich nie verletzen.“

Sie hat längst alles verziehen und sogar im Vorfeld alles versucht, damit es nicht zu einer Gerichtsverhandlung kommt: „Mein Mann ist eben so groß geworden, dass eine Frau nach seinem Willen zu gehorchen hat. Wie sein Eigentum eben.“ Von einer schwerer Körperverletzung und Gewalt war immer weniger die Rede. Der 44-Jährige: „Ich würde meine Frau niemals schlagen.“

Scheidung nach vielen Jahren Liebe

Strafrichter Jung urteilte nach der Faktenlage einzig wegen Körperverletzung: 40 Tagessätze zu jeweils 20 Euro werden fällig. In der Urteilsbegründung merkte er an: „Das Gericht will nicht ausschließen, dass die Zeugin Sie mit ihrer Aussage geschützt hat.“

Liebe verzeiht mitunter schier unendlich viel. Selbst dann, wenn sie erloschen sein sollte. Die Ehe ist mittlerweile geschieden. Die einstigen Eheleute kümmern sich nach eigenen Angaben weiterhin rührend um die gemeinsamen Kinder.