Durch ihre Hände gingen schon 1200 Kinder

Menden..  Als sie den Don-Bosco-Kindergarten an der Brandstraße zum allerersten Mal betrat, da war die Erzieherin Hiltrud Siedhoff 20 Jahre jung. Heute feiert sie hier ihr 40-jähriges Dienstjubiläum – als langjährige Leiterin. Und just heute fängt mit Christiana Bongard eine neue Kraft hier an. Auch sie hatte an diesem Mittwoch schon viele Hände zu schütteln; das Blumenmeer im Teamraum zeugt davon, dass ihre Chefin bereits zahlreiche Gratulanten hatte. Jetzt, am Nachmittag, machen Dechant Jürgen Senkbeil, Diakon André Quante-Blankenagel und Bärbel Hillebrand vom Kirchenvorstand der Jubilarin ihre Aufwartung. Und die WP hat sich auch noch angesagt. Hiltrud Siedhoff nimmt’s gelassen.

Wie viele Kinder in den 40 Jahren durch ihre Hände gegangen sind? Alle am Tisch üben sich kurz in der Überschlagsrechnung: Um die 1200 müssten es sein – eine unglaubliche Zahl. Gab es darunter das Kind, an das sich Hiltrud Siedhoff besonders erinnert? „Man vergisst kein Kind!“, kommt die Antwort wie aus der Pistole geschossen.

So wird rasch die Einstellung dieser Frau zu ihrem Beruf deutlich. Den würde sie nur solchen Interessenten empfehlen, die ihn nicht als Job ansehen, sagt sie. „Denn dafür ist er einfach zu anstrengend.“ Es koste Substanz, ungeachtet der eigenen Tagesform kleinen Kindern immer wieder die Aufmerksamkeit und Nähe zu schenken, die sie brauchen. „Aber genau das bekommen wir in unserem Beruf ja zurück, auch aus den Familien. Dafür dankbar zu bleiben, bei allem Stress, bei allen Problemen, versuche ich auch in meinem Team zu vermitteln.“

„Vermittlung des Glaubens wichtig“

Drei Gruppen hat die katholische Don-Bosco-Kita mitten in der Stadt, 65 Kinder werden hier von sieben Erzieherinnen betreut, die Chefin mitgerechnet. Dass 45 Kinder hier auch ihr Mittagessen bekommen, ist der erste Unterschied zu früher, der Hiltrud Siedhoff einfällt. Dieses Angebot gilt auch für Kinder, die nicht in die Kita gehen, „aber das hat sich noch nicht herumgesprochen“.

Und sonst? „Früher war der Kindergarten anders“, sagt sie, ohne in Nostalgie zu verfallen. Denn auch damals habe es Vorgaben gegeben: Grob- und Feinziele, Wochenpläne. Aber es gab eben auch die großen Tagesfeste („Einen Anlass dafür haben wir immer gefunden“) und Zeit für die Kinder, die man sich heute freischaufeln müsse – zwischen dem Bildungsauftrag des Kibiz, dem Qualitätsmanagement, Standards oder Dienstgesprächen, in denen es alle sechs Wochen um neue Verordnungen und Regelungen geht. Hygiene, Brandschutz, Allergien, die Palette ist groß. Trotzdem bleibt sie dabei: „Das Kind steht vornan. Es den Kindern hier schön zu machen, muss unser Hauptanliegen sein.“

Wichtig sei ihr dabei auch die Vermittlung des Glaubens – vom täglichen Tischgebet über den monatlichen Mini-Gottesdienst bis zu Aktionen wie jetzt in der Osterzeit: Gerade jetzt erlebten die Kinder hier die Ostergeschichte in 13 Schritten, und auch muslimische Eltern ließen ihre Kinder gerne bei alledem mitmachen.

Richtig findet Hiltrud Siedhoff, dass die Ausbildung heute intensiver ist. Ausdrücklich begrüßt sie die Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen, etwa der Katholischen Bildungsstätte in Arnsberg, die an der Brandstraße kostenlose und anonyme Beratungen für Eltern anbiete. Oder dem Vincenz-Altenheim, das zweimal im Monat zum Kegeln und Malen einlädt – und wo die Kinder auch Theater spielen.

Wenn sie sich für die Zukunft etwas wünscht, dann das: „Erzieherinnen sollten mehr Anerkennung erhalten und besser bezahlt werden, dafür müssen gerade wir Älteren uns stark machen.“ Dann würden sich vielleicht mehr Männer für den Beruf interessieren. Das wiederum wäre gut für Kinder, und die stehen, wie gesagt, bei ihr immer vornan.