Dubiose Datensammler in der Fußgängerzone
26.08.2011 | 13:00 Uhr 2011-08-26T13:00:00+0200Menden. Von dubiosen Gewinnspielen und Adress-Sammlern hat die WP zuletzt öfters berichtet. Nun fand das Ganze in der Mendener Fußgängerzone statt. Bürger gaben dort für ein Gewinnspiel ihre Daten an, in der Hoffnung einen Mini-Cooper zu gewinnen. Jetzt haben sie Angst, dass einfach Geld von ihrem Konto abgebucht wird. Die Spuren führen zu einem hessischen Unternehmen mit zweifelhaftem Ruf.
Senioren gelten weithin als gute Opfer für Betrügereien mit Kaffeefahrten und ähnlichem. Dass aber auch jüngere Leute nicht gegen zweifelhafte Maschen immun sind, muss jetzt ein Mendener erleben. Im Nachhinein bekennt er: „Ich weiß nicht mehr warum, aber plötzlich gab ich ihm die Daten doch. Er wirkte so unglaublich nett und vertrauenserweckend. Ich ärgere mich schwarz, weil ich gedacht hatte, ich würde das nie tun.“
Der Mittzwanziger wird am Montag in der Fußgängerzone von einem jungen Mann angesprochen. BMW feiere ein Jubiläum und verlose daher einen Mini-Cooper. Ob er nicht am Gewinnspiel teilnehmen wolle. Gleich vorweg: BMW feiert kein Jubiläum, hat auch nichts mit dem Gewinnspiel zu tun und rät dringend von der Teilnahme ab. Aber das weiß der Mendener zu dem Zeitpunkt noch nicht: „Mit den Gedanken woanders habe ich das Teilnahme-Kärtchen ausgefüllt und mir nichts weiter dabei gedacht.“
Rückholversicherung
Tags darauf bekommt er dann einen Anruf. Ein Herr stellt sich als Vertreter der Firma VMS vor, fragt nach, ob er denn tags zuvor von dem Gewinnspiel-Werber freundlich behandelt worden sei. Dann die vorgeblich gute Nachricht: Der Mendener habe eine Reise gewonnen im Wert von 1600 Euro, die er binnen der nächsten zwei Jahre antreten könne. Das einzige, was der Gewinner zahlen müsse, sei die „Auslandsrückholversicherung“.
Der Mendener sagt, die werde er dann bei seinem angestammten Versicherungsunternehmen abschließen. Ja, das könne er tun, sagt der Mann am Telefon, aber es würde auch eine vom Veranstalter angeboten – für 9 Euro im Monat. Dazu brauche er nur die Kontononnummer des Mendeners. Der bleibt skeptisch, will erst alles schriftlich haben, sich dann erst entscheiden.
Psychologische Raffinesse
Der Mann, so der Mittzwanziger habe ihn aber weiter in ein Gespräch verwickelt, Verständnis geäußert, dass er skeptisch sei. Aber er unterschreibe doch nichts, erteile keinen Abbuchungsauftrag. Schließlich gab der Mendener ihm doch die Kontodaten: „Die psychologische Raffinesse dieser Leute ist noch stärker als ich es erwartet hatte.“
Am späten Mittwochnachmittag dann ein erneuter Anruf bei dem Mittzwanziger: Eine Frau von einer „Flugambulanzsicherung“ F.I.S.A: sagt, es gehe um die Reise nach Ägypten. Sie müsse die Daten abgleichen, damit der Mendener seinen Hotelgutschein bekomme und die Abbuchung laufen könne. Dieser fällt nun aus allen Wolken: Abbuchung? Hotelgutscheine? Von alledem sei doch keine Rede gewesen. „Sie meinte: Doch, ich hätte ja schließlich meine Bankdaten angegeben und meine Einwilligung zur Abbuchung der Beiträge gegeben.“ Das verneint der Mendener vehement, doch die Frau bleibt stur: Das müsse er dann schriftlich widerrufen.
Der Mendener ruft bei der VMS an. Dort erinnert man sich an den vermeintlichen Reisegewinner schon kaum noch. Man werde sich kümmern und zurückrufen. Doch ein Rückruf kommt bis gestern Abend nicht. Der Mittzwanziger recherchiert selbst.
Er findet raus, dass hinter der VMS weder ein Reiseveranstalter noch ein Autohändler steckt, sondern die „Betriebs GmbH - Video/ Media & Spiele“. Und hinter der F.A.S.I. die „Flight Ambulance Services International Agency“. Ein Unternehmen, das mit dem Eintreiben von Mitgliedsbeiträgen für eine angebliche Luftrettungsgesellschaft deutschlandweit für negative Schlagzeilen gesorgt hat.
Spur nach Hessen
Die F.A.S.I. hat ihren Sitz in Limburg – und zwar an haargenau der gleichen Adresse wie der Deutsche Video Ring, dem seit Jahren der Vorwurf gemacht wird, mit Drücker-Methoden Zeitschriften oder DVD-Abos an den Mann bringen zu wollen. Die WESTFALENPOST will die Unternehmen gestern mit den Vorwürfen aus Menden konfrontieren – mal endet die Verbindung nach Minuten in der Warteschleife, mal wird nicht auf die Nachricht auf dem Anrufbeantworter reagiert.
Der Mittzwanziger ist nicht der einzige, der auf die psychologischen Tricks der Werber reinfällt. Weitere Betroffene haben sich gemeldet. So berichtet eine junge Mendenerin, dass sie – obwohl sie anfangs gar nicht wollte – ihre Adresse samt Telefonnummer angegeben habe. Und auch sie erhält gestern einen Anruf des angeblichen Gewinnspielunternehmens – die Gewinnquote in Menden müsste demnach schon sehr hoch sein.
Der Mittzwanziger jedenfalls hat sich Rat bei seinem Rechtsanwalt geholt. Der sieht seinen Mandanten zwar rechtlich auf der sicheren Seite. Er solle aber sein Konto kontrollieren, mögliche Abbuchungen zurückbuchen. Zudem hat der Mendener schriftlich die VMS und F.A.S.I. darauf hingewiesen, dass kein Vertragsverhältnis besteht.
Tipp für Betroffene
Er gibt allen betroffenen Mendenern aber den Tipps seines Anwalts weiter: „Am Ende des Schreibens sollte trotzdem stehen, dass man rein vorsorglich den angeblichen Vertrag widerrufe.“
Er hofft nun jedenfalls, Ruhe zu haben – nach einem Fall, den er für sich nie für möglich gehalten hätte.
10:46
Am 15.12.2011 wurde ich genauso reingelegt. Am 17.01.2012 rieft mich den Herrn Slapa aus der Scheinfirma VMS um nach meine Kontodaten zu fragen. Das Schema ist dasselbe wie bei euch. Blöd wie ich war gab ich ihm meine Ktnr. da ich mir dachte was sind schon 109..Euro gegenüber 1600 Euro?
Zum Glück hatte ich ein mulmiges Gefühl und googelte Nachmittag ein bisschen um mehr über VMS herauszubekommen. Als ich eure Nachrichten las, dachte ich: O.M.G, das darf nicht wahr sein.
Laut den Herrn hätte ich erstmal die Unterlagen erhalten, daraufhin müsste ich angerufen werden damit die F.A.S.I. sichergeht dass ich die wirkliche Gewinnerin bin...usw.
Komischerweise wurde am nächsten Tag früh um 09Uhr angerufen. Um zu schauen wie sie vorerst reagieren habe ich mich als meine Schwester angekündigt. Sie bestanden trotzdem nur mit mir zu sprechen, also habe ich sie gefragt ob sie die angebliche Auslandsreiseversicherung ist, und sie ja. Habe sofort zu ihr gesagt, dass sie mich bitte aus deren Daten löschen sollen, ich wolle nicht an diese Reise teilnehmen, ich würde den Herrn Slapa nochmal anrufen. Sie meinte nur noch, dann belasse ich es wie Sie wollen, ich, ja bitte. Seit vorhin (09h48) versuche ich die angebliche F.A.S.I und den Herrn Slapa erfolglos zu erreichen.
Ich habe meine Bank bescheidgegeben, ich muss trotzdem prüfen ob sie das Geld nicht abheben und wenn widerrufen.
Unglaublich was manche tun um sich von andere zu bereichen statt seriös oder legal zu arbeiten oder selbstständig zu werden.
17:01
Liebe Grüße aus Landau in der Pfalz!!! Dort waren die Abzocker gestern (12.09.) in der Fußgängerzone unterwegs. Leider sind auch wir so doof gewesen unsere Daten und heute am Telefon unsere Kontonummer herauszugeben. Da wir dann aber nach dem Telefonat doch ein blödes Gefühl hatten haben wir ein bisschen gegoogelt und sind auf diesen Artikel gestoßen. Glücklicherweise. Als wenige Minuten später der Anruf der Firma F.A.S.I. kam waren wir schon vorbereitet. Wir haben versucht mehr über die Firma zu erfahren und uns geweigert IRGENDEINE Frage der Dame am Telefon zu beantworten. Diese wurde daraufhin sehr ungehalten, hat uns den Vertrag aber noch am Telefon storniert. Wir hoffen dass sich die Sache damit erledigt hat. Falls nicht hat uns die örtliche Polizeidienststelle empfohlen Strafanzeige zu erstatten. Da die Firma VMS auf ihren Gewinnspielkarten das Logo der BILD abgebildet hat (sie behauptet BILD wäre der Sponsor der Gewinne) haben wir auch die BILD informiert. Dort wird nun die Rechtsabteilung den Fall Prüfen.
22:40
Und? Die Leute geben doch ihre Daten für Paybackpunkte heraus...
Das hier ist einfach nur perfider... Und wer freiwillig Einzugsermächtigungen verteilt...