Drogen als Beweismittel sind futsch

Menden.. Ein Verbrechen war nicht nachzuweisen. Der Staatsanwaltschaft sind beschlagnahmte Drogen und Betäubungsmittel abhanden gekommen.

Der Angeklagte B. betrat am Dienstag den großen Sitzungssaal im Amtsgericht Menden in Handschellen und Begleitung zweier Justizbeamter. Und er verließ ihn wieder als freier Mann. Dabei ist er mehrfach wegen Drogenhandels und -besitzes aufgefallen. Für gleich neun Fälle unerlaubten Handels mit Betäubungsmitteln musste er sich gestern Vormittag vor dem Schöffengericht verantworten.

Obwohl B. seit einem Urteil vom Dezember 2007 unter Bewährung steht, geriet er anschließend mehrfach ins Visier der Polizei. Zuletzt am 22. April 2010. Die Beamten fanden bei einer Hausdurchsuchung 48,1 Gramm Amphetamin, weitere 0,8 Gramm auf einem Spiegel und 27 Portionen Marihuana mit einem Gesamtgewicht von 19,8 Gramm. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Betäubungsmittel „für den Gewinn-bringenden Verkauf bestimmt waren“. Ob es sich jedoch um eine „nicht geringe Menge“ handelt – das wäre dann ein Verbrechen – , bleibt offen.

Nur wenige Tage nach der Hausdurchsuchung hatte die Staatsanwaltschaft am 28. April den Untersuchungsauftrag und die Beweisstücke mit der Post zum Chemischen Untersuchungsamt Hamm geschickt. Doch dort ist nichts angekommen. Ein Nachforschungsauftrag wurde gestellt, brachte aber kein Ergebnis.

Ob es sich juristisch um eine „nicht geringe Menge“ handelt, ist keine Frage des Gewichts. Es kommt vielmehr auf die Höhe des Wirkstoffgehaltes an. Doch diesbezüglich steht die Staatsanwaltschaft mit leeren Händen da.

Ein umfassendes Geständnis bewahrte den Angeklagten, gegen den am 23. April ein Haftbefehl ergangen war, vor einer eigentlich abzusitzenden Haftstrafe. Ebenfalls positiv für ihn: Seit der Verurteilung im Dezember 2007 muss er regelmäßig Drogen-Screenings in Hagen durchführen lassen. Sie ergaben allesamt keine auffälligen Befunde. Als recht gut gilt aus Sicht der Bewährungshilfe zudem die Sozialprognose.

Das Urteil des Schöffengerichts: Ein Jahr und sechs Monate Freiheitsstrafe werden ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung. Der Besuch einer ambulanten Suchtberatungsstelle ist überdies verpflichtend. Jens Christian Festersen, Amtsgerichtsdirektor, gegenüber dem Angeklagten: „Jetzt dürfen Sie sich aber auch nicht mal mehr eine Winzigkeit leisten. Sonst sitzen Sie ganz schnell für vier, fünf Jahre im Gefängnis.“

Verteidiger und Staatsanwaltschaft verzichteten auf das Einlegen von Rechtsmitteln.