Die Königin ist sich für nichts zu fein

Hüingsen..  Sie trägt festliche Kleider, spielt in ihrer Freizeit aber auch leidenschaftlich gern Fußball. Für Michelle Phillipp (26) sind das keine Widersprüche. Sie ist die aktuelle Schützenkönigin des Bürger- und Schützenvereins Hüingsen. Von 2003 bis 2009 bei den Jungschützen und seit 2005 im Hauptverein, kann sie auf viele Erlebnisse im Schützenverein zurückblicken, jüngst durch ihre Zeit als Schützenkönigin an der Seite von Thomas Wieneke (27): „Ich kann zeigen, wie modern ein Schützenverein sein kann“, sagt Michelle.
Wie alles begann... Thomas und ich kennen uns schon seit den Jungschützen. Beigetreten bin ich da bereits 2003. Die Idee selbst mal König und Königin in diesem Jahr zu werden kam vor ein paar Jahren von Thomas. Gerade in diesem Jahr ist es eine besondere Sache, weil Thomas’ Vater sein Königsjubiläum hat. Thomas hat mich damals schon gefragt, ob ich Interesse daran hätte, ihn als Königin durch das Jahr zu begleiten. Ein halbes Jahr vorher kamen dann ein paar Zweifel, ob es wirklich die richtige Entscheidung sei, weil wir ja noch so jung sind. Das wohl jüngste Königspaar seit langem. Doch zwei Monate vorher war dann irgendwie klar: wann, wenn nicht jetzt. Die Suche nach den Hofstaat-Paaren wurde dann doch schwieriger. Die meisten haben vorher zwar häufig Schützenfest mitgefeiert, waren aber mit dem Verein selber nicht so vertraut. Als es aber soweit war, hatten wir 18 Paare zusammen.
Was ich als Schützenkönigin mache... Als Schützenkönigin repräsentiere ich hauptsächlich den Verein, was mir auch sehr wichtig ist. Ich kümmere mich aber auch um die Organisation der Fahrten und des Ablaufs. Bei einer so großen Gruppe muss das immer sorgfältig sein, damit auch alles klappt. Einer muss ja das Zepter in der Hand haben. Wir fahren dann immer mit dem Hofstaat zu den Schützenfesten, bei denen unser Verein präsent ist und laufen da auch manchmal im Umzug mit. Das Feiern gehört natürlich auch irgendwie zum Schützenkönigin sein dazu.
Was mir am Schützenkönigin-Sein besonders gefällt... Ich kann etwas repräsentieren, was mir besonders viel bedeutet. Außerdem kann ich zeigen, wie modern ein Schützenverein sein kann und damit hoffentlich auch ein paar junge Leute für den Verein begeistern.
Welche Vorurteile es gibt... Natürlich gibt es das Vorurteil, dass es beim Schützenfest nur ums Saufen geht, was keineswegs so ist. Manche mögen auch denken, dass gerade die Schützenköniginnen sich nur als Prinzessin aufspielen wollen, mit Kleidchen und Krone und sich dann hofieren lassen wollen. Aber auch wir Königinnen packen mit an und sind uns wirklich für nichts zu fein. Bei mir ist das zumindest so. Ich bin am Königsball mehrmals mit Bierträgern herumgelaufen und habe Getränke verteilt, wo mich schon einige gefragt haben, ob ich als Königin nicht eigentlich besseres zu tun hätte. Aber ich finde, dass gehört dazu.
Was man zum Schützenkönigin-Sein braucht... Schützenkönigin zu sein, das ist natürlich mit gewissen Kosten verbunden. Früher war es so, dass der König alles bezahlt hat, was heute definitiv nicht mehr so ist. Heute geht es mehr dahin, dass man eine Hofstaatskasse macht und jedes Paar beziehungsweise jede Person monatlich einzahlt. Es ist aber letztlich nicht mehr, als würde man zum Beispiel in den Kegelclub gehen, wo man monatlich was einzahlt. Sicherlich gibt man hier und da auch mal einen aus. Irgendjemand muss einem vor den Festivitäten auch die Haare machen. Kostet alles Geld, und Kleider sind besonders teuer. Aber man will ja auch das perfekte Kleid haben. Das ist ein bisschen so, als wenn man heiratet. Das macht man einmal, und genauso ist es beim Schützenkönigin sein, in der Regel zumindest.
Was ich sonst so mache... Ansonsten spiele ich in meiner Freizeit Fußball in der Damenmannschaft der Sportfreunde Hüingsen, momentan leider nicht so aktiv, da Schützenfest erst einmal vorgeht. Außerdem gehe ich noch regelmäßig zum Yoga und nehme hin und wieder an VHS-Sportkursen teil.


Aufgezeichnet von Sara Hirschmüller,
Foto: privat