„Die Geschäfte machen die Sache gut“

Susanne Arndt eröffnete im März auch ein Ladenlokal an der Kirchstraße. Internet und stationärer Handel können sich ergänzen, sagt sie.
Susanne Arndt eröffnete im März auch ein Ladenlokal an der Kirchstraße. Internet und stationärer Handel können sich ergänzen, sagt sie.
Foto: WP

Menden..  An der Kolpingstraße und im oberen Teil der Hauptstraße gibt es viele Leerstände. Einzelhändlerin Susanne Arndt (48) ist den entgegengesetzten Weg gegangen: Sie schließt nicht, sondern hat eine zweite Filiale ihres Modegeschäftes „Glücksgriff“ eröffnet – neben dem Geschäft an der Hochstraße betreibt sie seit März ein Ladenlokal an der Kirchstraße. Was für sie den Einzelhandelsstandort Menden ausmacht und wo sie den Erfolg ihres Konzepts sieht, erzählt sie im WP-Interview.

Sie haben im März „Glücksgriff 2.0“ eröffnet, während andere Modegeschäfte schließen. Warum haben Sie sich zu diesem Schritt entschieden?

Susanne Arndt: Die Vermieterin hat mir das Ladenlokal angeboten, nachdem der Filialist „Madonna“ geschlossen hatte. Sie hat mir ein gutes Angebot gemacht und damit auch auf die veränderte Situation in der Mendener Innenstadt reagiert. Das Geschäft ist sehr schön. Und die Lage an der Kirchstraße halte ich für zukunftsträchtig, wenn die Nordwall-Galerie einmal kommt. Mit dem ersten „Glücksgriff“ an der Hochstraße sind wir seit fünf Jahren erfolgreich. Ich hatte dort schon viel mehr Ideen als Platz. Mit „Glücksgriff 2.0“ schließen wir eine Lücke für die Zielgruppe der Mendenerinnen: Für die jungen Frauen, die nicht mehr in der Kinderabteilung einkaufen wollen und vielleicht noch nichts bei „Glücksgriff“ finden. Für diese Zielgruppe gab es nach dem Weggang von Madonna nämlich kein Angebot in Menden.

Wie erklären Sie sich Ihren Erfolg?

In diesem Segment gibt es bis auf kleine Überschneidungen kein Angebot, wir sind Hauptanbieter im Bereich junge Mode. Unser Sortiment ist vielleicht auch ein Stückchen individueller als in mancher Großstadt, in der ein Filialist neben dem nächsten zu finden ist. Wir setzen auf Beratung und guten Service.

Was macht für Sie den Einzelhandelsstandort Menden aus?

Die Stadt ist schön, hier hat sich mit der Gestaltung des alten Rathausplatzes, des Bahnhofs und der Bahnhofstraße viel zum Positiven verändert. Die Mieten sind hier günstiger als in Großstädten wie Hagen und Iserlohn. Diesen Aufschwung wünsche ich mir auch für die Hoch- und Kirchstraße. Natürlich sehe ich auch das Negative, die vielen Leerstände. Ich glaube aber nicht, dass eine mehr als 50 000-Einwohner-Stadt völlig „ausstirbt“. Wichtig ist, dass es bald eine endgültige Entscheidung zum Nordwall-Center gibt: Kommt die Galerie nun, oder nicht, und wie wird sie gestaltet sein?

Sie haben eine „Glücksgriff“-Internetseite und einen Facebook-Auftritt mit mehr als 1300 Fans. Warum ist Ihnen diese Online-Präsenz wichtig?

Das gehört dazu, ist ein Zeichen der Zeit. Eine Online-Präsenz ist, was früher ein gutes Schaufenster war. Bei der Internetseite unterstützt mich eine Agentur. Den Facebook-Auftritt bediene ich selbst: Über ihn erreiche ich die Leute sehr schnell und kostengünstig. Auch bei der Menden-App beteiligen wir uns.

Das Internet kann dem Handel vor Ort aber auch schaden. Kunden probieren die Kleidung im Geschäft an und kaufen sie dann – womöglich günstiger – im Netz. Wie erleben Sie diesen „Beratungsklau“?

Den gibt es, er ist aber in unserer Branche nicht so groß wie zum Beispiel bei Elektrogeräten und im Buchhandel. Wir möchten durch Beratung und mit Wohlfühlatmosphäre punkten. Und wir müssen den gleichen Service wie das Internet bieten: Deshalb sind wir sehr kulant bei Umtausch und Reklamation. Und Internet und stationärer Handel ergänzen sich: Bei uns kommen durchaus auch Kunden in die Geschäfte, die mir ein Kleidungsstück auf ihrem Handy zeigen und das dann bei mir in Menden kaufen wollen.

Was raten Sie anderen Mendener Einzelhändlern?

Die, die hier Geschäfte haben, machen ihre Sache gut, ich kann ihnen also keinen Rat geben. Ich wünschte mir von den anderen Einzelhändlern einheitliche Kernöffnungszeiten und keine Ruhetage, damit die Kunden nicht vor verschlossenen Türen stehen. Für Menden wünsche ich mir, dass noch mehr Händler in die Stadt kommen. Denn nur so kann das Angebot wachsen.