Der „dünnste Draht der Welt“ ist jetzt in Mendens Museum

Karl-Heinz Mertens und Bruno Wessel haben dem Museum Menden Material und Draht aus der Firma Schnmöle geschenkt. Dabei ist auch der "dünnste Draht der Welt", das so genannte Engelshaar, und ein Ziehstein mit Diamantkern.
Karl-Heinz Mertens und Bruno Wessel haben dem Museum Menden Material und Draht aus der Firma Schnmöle geschenkt. Dabei ist auch der "dünnste Draht der Welt", das so genannte Engelshaar, und ein Ziehstein mit Diamantkern.
Foto: WP

Menden..  Für Museumsleiterin Jutta Törnig-Struck ist er eine lebende Legende der Industriegeschichte: Karl-Heinz Mertens ist der einzige lebende Mensch, der den „dünnsten Draht der Welt“, das „Engelshaar“ der Firma Schmöle, gezogen hat. Jetzt hat der 74-jährige Mendener dem Museum einige seiner Arbeitsmaterialien geschenkt – darunter seinen Ziehstein mit einem Diamanten im Innern und eine Spule des Engelshaars. „Wir hatten nie damit gerechnet, dass wir den dünnsten Draht der Welt einmal bekommen“, sagt Törnig-Struck begeistert.

0,0063 Millimeter dünn

Die Firma Schmöle legte besonderes Gewicht darauf, Feindrähte zu erzeugen, die für die Herstellung von feinen Sieben verwendet wurden. Die feinste Sorte, das Engelshaar, war 0,0063 Millimeter dünn. Es ist mit bloßem Auge nur zu erkennen, wenn Licht darauf fällt und es silbern schimmern lässt. Vier Kilogramm dieses dünnen Drahtes reichten aus, um die Erdkugel komplett umspannen zu können. Für ein Kilogramm bezahlten Kunden 1,3 Millionen D-Mark. „Es ist ein Produkt, das uns als Global Player gekennzeichnet hat“, sagt Jutta Törnig-Struck.

Wertvolle Stücke

Karl-Heinz Mertens fing am 4. April 1955 als Lehrling bei Schmöle an und arbeitete bis zur Firmenübernahme 1980 dort. Auch seinen Dienstausweis hat er dem Museum gestiftet: „Die Kinder wollen die Sachen nicht haben“, sagt der 74-Jährige. Wie wertvoll sein Handwerksmaterial für die Nachwelt ist, habe ein Besuch im Drahtmuseum gezeigt: „Dort wollte man seinen Ziehstein auch gern haben“, sagt Museumsleiterin Jutta Törnig-Struck. „Zum Glück hat er ihn wieder eingesteckt und uns gebracht.“ Bruno Wessel (81) arbeitete damals im Vertrieb von Schmöle. Er hat dem Museum originalverpackte Spulen geschenkt.

Bürgermeister Volker Fleige sprach sich bei der Übergabe noch einmal für ein Industriemuseum im Gut Rödinghausen aus: „Dort können wir die Verbindung der Großindustrie im Ruhrgebiet über die Fabriken hier detailliert nachzeichnen. Damit könnten wir hier in Menden eine herausragende Rolle spielen.“ Eine endgültige Entscheidung zur Nutzung des Guts gibt es noch nicht.