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DeCent bietet große Hilfe für kleines Geld

24.02.2016 | 11:00 Uhr
DeCent bietet große Hilfe für kleines Geld
Thea Stirnberg (links) und Christel TerhorstFoto: Max Kölsch

Lendringsen.   Noch ist der Tisch gut gedeckt, das große Regal gefüllt. Das wird sich im Laufe der nächsten Stunden aber ändern. Das Angebot im DeCent-Laden an der Meierfrankenfeldstraße ist groß, die Nachfrage ist es auch.

Bedürftige haben hier die Möglichkeit, für ganz kleines Geld Lebensmittel zu kaufen – dabei kommt es vor allem auf gerechte Verteilung an. „Möchten Sie auch Marmelade haben?“, fragt Christel Terhorst eine ältere Dame.

Die Verkäuferin holt ein kleines Glas aus dem Regal in der Ecke. Die Frau möchte aber ein größeres haben. Sie zeigt mit dem Finger drauf. „Dieses da“, sagt sie knapp. Sie spricht nur gebrochen Deutsch, ihr Akzent klingt Russisch.

„Nein, das ist für eine größere Familie“, entgegnet Christel Terhorst. „Das ist für Kuchen“, beginnt die Dame zu diskutieren. Terhorst lässt sich erweichen. „Da muss ich heute mal ein großes Herz haben.“ Das Glas verschwindet in einer Einkaufstasche.

Bedienung nur für Zweiergruppen

Terhorsts Kollegin Thea Stirnberg bedient derweil eine andere, ebenfalls ältere Dame. Gemeinsam rechnen die Verkäuferinnen ab. „Das macht dann einmal fünf und einmal 5,80 Euro“, sagt Stirnberg – der Preis für zwei prall gefüllte Taschen. Die beiden Damen zahlen, bedanken und verabschieden sich.

Stirnberg bittet die nächsten beiden Kunden herein. Bedient werden nur Zweiergruppen. Für mehr Leute wäre in dem kleinen Raum auch kein Platz. Von außen scheint die Sonne durch die verglaste Eingangstür. Davor sind Schatten zu erkennen. Stimmen und Gelächter sind zu hören. Mehrere Leute warten schon.

Eine Frau und eine Mutter mit zwei Kindern betreten den Laden. Christel Terhorst erklärt ihnen, dass sie jeweils vier Teile von der rechten Seite des großen Tisches in der Mitte kostenlos mitnehmen können. Ketchup, Kekse oder auch Olivenöl stehen hier zur Auswahl. Auf der linken Seite liegen in Tüten abgepackte Brötchen.

Auch die gibt es kostenlos dazu, für jeden eine Tüte. „Was bekommen Sie denn aus dem Regal?“, fragt Thea Stirnberg. „Fangen wir mal mit Kakao an“, antwortet die Frau. Die Kinder stehen schon vor der Ecke mit Spielsachen und lassen ihre Blicke schweifen. Auch das gibt es hier: Kinderschuhe, Bücher, Gesellschaftspiele.

Einkauf nur mit Erlaubnis

Ein Teil des Angebots komme durch Spenden zusammen, erklärt Christel Terhorst. Suppen, Brot, Aufstrich, Eier, aber auch Medikamente – der Großteil werde eingekauft, so Terhorst weiter. Zusätzlich liefere ihnen der DeCent-Laden in Menden Lebensmittel, beispielsweise Gemüse. „Was wir nicht haben, brauchen Sie nicht“, scherzt Stirnberg.

Die beiden dokumentieren die Verkäufe genau. Einkaufen dürfen nur diejenigen, die eine Erlaubnis-Karte vom Katholischen Verein für soziale Dienste in Menden (SKM) haben. Dort wird das Einkommen registriert und festgehalten, wer allein lebt oder eine Familie mitversorgt. Dementsprechend achten die Verkäuferinnen darauf, dass niemand zu viel oder zu wenig einkauft.

Mittlerweile würden sie zwischen 30 und 38 Leute an einem Öffnungstag bedienen, schätzt Terhorst. Die stünden teilweise schon morgens um 9 Uhr vor der Tür. Geöffnet ist von 13.30 bis 16 Uhr. „Wir haben angefangen, Nummern zu verteilen“, sagt Thea Stirnberg. So können sie jeden der Reihe nach aufrufen.

Das Publikum, so sagen sie, sei gemischt. Es kämen junge und alte Menschen, Deutsche, aber auch Ausländer. Deshalb gibt es Schweine-, aber auch genug anderes Fleisch bei DeCent. Flüchtlinge kämen noch nicht so viele, sagt Christel Terhorst.

Plötzlich klopft es an der Tür, die nächsten Kunden warten schon. Und so geht es noch eine Zeit lang weiter. Am Ende bleibt die Dankbarkeit der Kunden. „Ich wünsche Ihnen noch ein schönen Tag“ – das hören Christel Terhorst und Thea Stirnberg heute öfter.

Max Kölsch

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2016-02-24 11:00
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