Das kölsche Menden im verjeckten Sauerland

Menden/Köln..  Ihr Besuch ist kurz, aber heftig: In seiner Kolonne aus eigens bunt lackierten Autos kölscher Bauart rauscht das Dreigestirn („Trifolium“) um den Prinzen Holger I. samt Entourage und Pressetross aus der rheinischen Karnevalsmetropole in die sauerländische, wo der Prinz Verwandtschaft hat. Dass hier die Großen die Kleinen besuchen, machen die Medienvertreter aus der Domstadt im „60 000-Einwohner-Städtchen“ sogleich klar. Veronika Czerwinski, Leiterin der Städtchenbücherei, wird expressis verbis gefragt, ob sie Köln im Angebot habe. Hat sie, natürlich. Wie häufig Köln-Literatur denn ausgeliehen werde? Häufig natürlich. Hat sie auch die „PriPro“ (die Prinzen-Proklamation, die Red.) gesehen? Hat sie natürlich.

Ob’s denn hier auch Flönz gebe, fragen Reporter die Verkäuferinnen bei Metzger Charlie Edlerherr. „Klar, aber bei uns fragt man nach Blutwurst“, lachen sie. Bei Flönz denkt der Mendener eher an Bergbau. In der Stadtschänke bestellen die Rheinländer bei Thomas Ntoulmperidis Kölsch – für den Wirt im Pilsland eine Premiere.

Egal. Laut den Schlagzeilen hat das Dreigestirn das Sauerland völlig „verjeckt“. So sehr, dass kölsche Sender melden, die Jungfrau sei der Schwiegersohn eines Mendener Unternehmers. Wer ist da verjeckt? Aber meckern wir mal besser nicht. Wir wären ja froh, wenn wir 60 000 Einwohner hätten.

Ausleihe noch im dicksten Trubel

Im Alten Rathaus werden die Bürgermeister-Kandidaten von SPD und CDU im Gedränge aneinander vorbeigeschoben. Amtsinhaber Volker Fleige, von Kölner Medien zum „OB“ befördert, ruft launig zu Senator Martin Wächter: „Na, hier wäre man gerne Bürgermeister, was? Wirste aber nicht!“

Wächter grinst. „Abwarten.“

Das Duell spielt sich im dichtesten Karnevalstrubel ab, im Lesesaal hinterm Rathausbalkon, auf dem später alle einträchtig schunkeln. Das Verrückteste dabei: Die Ausleihe bleibt die ganze Zeit über besetzt. Hätte sich irgendein todesmutiger Leser mitten durch all die knallbunten Kostümierten bis zum Balkon hochgekämpft, er hätte wahrhaftig Bücher leihen können.

Auch über Köln natürlich.