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Bürgermeister schickt aus Versehen Läster-Mail an Bürgerin

15.02.2012 | 14:15 Uhr
Bürgermeister schickt aus Versehen Läster-Mail an Bürgerin
Bürgermeister Volker Fleige Foto: Martina Dinslage

Menden.   Peinliche Posse in Menden. Eine Mutter hat sich mit einer kritischen Mail an den Mendener Bürgermeister gewandt. Und der hat sie, versehen mit einem süffisanten Kommentar, an einen Mitarbeiter weitergeleitet - aber aus Versehen auch an die Mutter.

Bianka Schulte ist doppelt enttäuscht von der Stadt: Zum einen, weil eine Erhöhung der Kindergartengebühren ansteht, zum anderen über eine Äußerung von Bürgermeister Fleige zu einer kritischen E-Mail der zweifachen Mutter.

Diese hatte Fleige an seinen Fachbereichsleiter Dieter Michel zur Beantwortung weitergeleitet – verbunden mit dem Kommentar, ob er oder jemand aus dem Fachbereich Bianka Schulte nicht „Sedativa“, also Beruhigungsmittel, verschreiben könne.

Wörtlich schreibt Fleige in der der WP vorliegenden E-Mail: „Hallo Dieter, Frau Schulte hatte mich schon einmal angemailt vor einiger Zeit, ich hatte weitergeleitet, sie hat keine Antwort bekommen und mich ‘angekoffert’. Beauftragst du bitte jemanden, der ihr ein Sedativa (ver)schreibt.“

Die Mail von Bianka Schulte im Wortlaut

 „Vermutlich sind Sie ein vielbeschäftigter Bürgermeister, aber auch einer, der ein offenes Ohr für seine Bürger haben möchte. Auf Grund der nächsten Erhöhung der Kindergartenbeiträge, wende ich mich nun direkt an Sie. Seit September 2011 arbeite ich wieder in einem Kindergarten mit 19,5 Stunden. Ich bin verheiratet, und wir haben zwei Kinder im Alter von 4 und 7 Jahren. Leider sind wir darauf angewiesen, dass unsere Kinder über Mittag betreut werden müssen. Unser Sohn geht in den Kindergarten und unsere Tochter besucht die OGS. (...)

Wir haben vor 4 Jahren ein Haus gekauft, Kleidung, Nahrung und Sportvereine für die Kinder wollen auch bezahlt werden. Wir leben nicht über unsere Verhältnisse und haben eine bodenständige Einstellung zum Leben – das heißt: nichts im Überfluss! Bodenständig! Jetzt erfahre ich, dass die Beiträge für den Kindergarten und die OGS schon wieder erhöht werden sollen, weil es der Stadt Menden finanziell schlecht geht. Meine Frage: Wen interessiert es bei der Stadt, wie es den betroffenen Familien geht? (...)

Wie soll man neben den Beträgen für das Mittagessen, Vereine, Schulbedarf – Kosten für Schulmaterial die von den Schulen verlangt werden, Klassenfahrten, Spenden für Anschaffungen in der Kita und Schule, (...) und vielen noch so „Kleinigkeiten”, die Ihnen und Ihren Kollegen vielleicht gar nicht so bewusst sind, auch noch einen höheren Betreuungsbetrag bezahlen???Ich gehe fest davon aus, das ich mit meiner Mail vielen Familien aus dem Herzen spreche! (...) Möchten Sie eine junge, dynamisch gemischte Familienstadt – dann sollten Sie Ihr Konzept überdenken. Vielleicht auch mit Kollegen, die selber Familie haben und nicht aus einer gut betuchten Familie stammen..."

Bianka Schulte war total perplex, als sie diese Worte las – die E-Mail von Fleige war nämlich auch ihr direkt zugegangen. Sie antwortete dem Bürgermeister umgehend: „Leider haben Sie nicht nur dem Dieter diese Mail geschrieben, sondern auch mir. Wollen Sie mich lahm legen – mit einem Sedativum? Und überhaupt: Warum brauche ich eins? Haben Sie Angst vor mir? Wie enttäuschend sind Sie eigentlich als Bürgermeister?“

Bianka Schulte ist maßlos enttäuscht

Wenige Minuten später kam aber auch die prompte Antwort von Fleige, in der er sich entschuldigt: „Verehrte Frau Schulte, wenn ich Sie verletzt haben sollte, tut mir das leid. Ich habe gedacht, dass jemand, der, wie Sie, kein Blatt vor den Mund nimmt, damit lockerer umgeht.“

Dass Bianka Schulte die Worte überhaupt zu lesen bekam, war ein Versehen, wie Fleige auf WP-Anfrage erklärt. Er hatte also wohl das falsche Feld im E-Mail-Programm angeklickt. Der Bürgermeister: „Die Weiterleitung war ein mir nach wie vor unerklärliches Versehen – auch wenn ich das Frau Schulte gegenüber zunächst nicht eingeräumt habe. Natürlich ist das nicht meine Art, mit Bürgern zu kommunizieren, ich hielte es auch nicht für korrekt.“ Es gelte aber, auch in die Waagschale zu werfen, dass es nicht viele Bürgermeister gebe, die vergleichbar öffentlich mit den Menschen ihrer Stadt kommunizierten.

Fleige will an seiner "losen Art" arbeiten

Am Donnerstag teilte Fleige dann per Mail mit: „Für meine Äußerung gegenüber Frau Bianka Schulte möchte ich mich entschuldigen. Ich bedauere sie sehr. An der Verbesserung meiner überengagierten, eingestandenermaßen heftigen und losen Art arbeite ich.“

Trotz Fleiges Entschuldigung ist Bianka Schulte maßlos enttäuscht: „Ich habe die Korrespondenz auch Freunden gezeigt, die waren ebenso geschockt.“ Enttäuscht ist sie vor allem, weil sie ihre Situation dem Bürgermeister sehr ausführlich geschildert hatte. „Und ich bin mir sicher, dass es so wie mir sehr vielen anderen Eltern in Menden geht. Deshalb hätte es sich gelohnt, sich damit richtig auseinandersetzen und eine vernünftige Antwort zu geben.“

Michael Koch

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