Bürgerinitiative will Schwitter Heide schützen

Schwitten..  29 neue Häuser für Familien sollen auf dem Ackerland an der Vogelrute in Schwitten errichtet werden, doch viele eingesessene Bürger sind offenbar dagegen. Rund 400 Unterschriften haben Peter Behrend, Sascha Krollmann und Mathias Märker bereits gegen die Baupläne „Nördlich der Vogelrute“ gesammelt. Grund: „Das ist de facto ein Naherholungsgebiet für uns Schwittener und alle Bürger aus dem Umland.“ Die Unterschriften für den Erhalt dieser Landschaft sammelte das Trio bisher in Familien, bei Nachbarn – und, mit Klemmbrettern ausgerüstet, auch auf den viel genutzten Feldwegen. Die Bürgerinitiative (BI) heißt „Schutz der Schwitter Heide“.

Die Sammlung sei mühelos verlaufen, weil die Leute „schlicht baff“ gewesen seien, als sie von der geplanten Bebauung des Landstrichs hörten, berichtet Krollmann. „Die geplante Bebauung wird als unnötig empfunden. Nur drei unterschrieben nicht, weil sie das grundsätzlich nicht tun. Alle anderen haben sofort unterzeichnet.“ Viele seien auch unaufgefordert auf die BI-Vertreter zugekommen, die selbst aus der WP von der Planung erfahren hatten.

Und warum schließen sich Anlieger und Spaziergänger, Radfahrer oder Inlineskater so bereitwillig an? „Weil es viele gute Gründe gegen die Bebauung gibt“, sagt Mathias Märker – und listet einige davon auf.
Mit der neuen Siedlung müsste nach Ansicht der BI die Kreuzung B7/Nussbaumweg eine Linksabbiegespur erhalten. Dort komme es schon heute zu gefährlichen Rückstaus, wenn „mautflüchtige Laster“ die Bundesstraße als Ausweichstrecke nutzten. Den Ausbau der Kreuzung habe der damalige Landesbetrieb bereits 1989 gefordert, als die Stadt die Schwitter Heide schon einmal überplante – mit nur 19 Neubauten. Für den Ausbau hätte es laut Behrend damals sogar Enteignungsverfahren geben sollen. Der Widerstand der Bürger war seinerzeit aber erfolgreich. Die BI meint, es habe am Ende sogar einen Ratsbeschluss zum endgültigen Erhalt der Freiflächen gegeben. Dieser Beschluss sei auf Anfrage im Rathaus bisher noch nicht aufgetrieben worden.
Der jetzt geplante Mini-Kreisel im Bereich Vogelrute/Am Börnchen sei wegen des steilen Gefälles gar nicht umsetzbar, meint die BI. Schon heute rutschten dort bei Schnee- und Eisglätte regelmäßig Autos in den Graben.
Die Belastung des Schulwegs über Vogelrute und Steinleie sei derzeit mit mehr als 200 am Tag weitaus größer als in der Stadt-Vorlage angegeben. Deren Zahl beruhe auf einer nur eintägigen Zählung. Die BI-Vertreter hätten sich dagegen gleich mehrere Tage lang an die Straßen gestellt.
Die Siedlung, fürchten sie, brächte ohnehin mehr Verkehr ins Dorf. Die schmalen Straßen dort könnten das aber weder vom Zustand noch vom Platz her aufnehmen: Begegnungsverkehr auf 3,50 Metern sei schlicht unmöglich.
Fürs Bauen gebe es in Schwitten geeignete Bereiche, die das Dorf harmonischer wachsen ließen, weil sie keine massiven Eingriffe in die Infrastruktur nach sich ziehen. Als Alternativen nennen die BI-Vertreter die Bereiche hinter der Firma Nettelhoff, in Richtung Schwitter Knapp oder zum Lahrfeld. Und: Das Baugebiet Hinterm Garten sei auch nach Jahren noch nicht vollständig vermarktet.
Zudem sei der Generationswechsel in der vorhandenen Bebauung bereits heute in vollem Gange: Junge Familien bezögen Häuser im Dorf, die von älteren Bürgern verlassen werden. Das sorge für einen besseren Bevölkerungs-Mix als ein Neubaugebiet mitten im Grünen.
Das geplante Auffangbecken sei obendrein viel zu klein bemessen – angesichts der Wassermassen, die bei Starkregen die Vogelrute regelrecht hinabstürzten.

Reicht Platz für Bürgerversammlung?

Die Bürgerinitiative ruft alle Interessierten, die sich ihrem Anliegen anschließen wollen, zur Teilnahme an der anstehenden städtischen Bürgerversammlung im Gemeindezentrum auf (siehe Infobox). Wobei Behrend, Krollmann und Märker sicher sind: „Dafür wird der Platz nicht ausreichen.“ Das sieht die Stadtverwaltung anders, wie ihr Sprecher Johannes Ehrlich auf Nachfrage der WP erklärte: „Dort ist Platz für 70 Sitzplätze. Insgesamt könnten bis zu 100 Menschen teilnehmen. Das sollte nach den Erfahrungen unserer Bauabteilung für die Versammlung reichen.“

Die Bürgerinitiative will indes noch deutlich mehr Unterschriften zusammenbekommen. Es müsse klar werden, dass das Nein zur Neubausiedlung nahezu einhellig sei, meinen Behrend, Märker und Krollmann. Danach könne es nicht mehr sein, dass Einzelinteresse über den Bürgerwillen gestellt werde.

Die WP meldete sich auch beim Vorhabenträger für die Siedlung, von dem es bis zum späten Abend noch keine Stellungnahme zum Protest gegen das Bauvorhaben gab.