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Bis zu 20 Prozent Sprit sparen mit der richtigen Fahrtechnik

14.10.2012 | 19:51 Uhr
Bis zu 20 Prozent Sprit sparen mit der richtigen Fahrtechnik

Menden.   Spritspar-Training in Menden - ein Selbstversuch: Wir setzten uns in Begleitung von Fahrlehrer Richard Neitzke hinters Steuer und lernten nach jahrzehntelanger Praxis das Autofahren noch einmal von Grund auf neu - den Benzinverbrauch immer im Blick.

Benzin-Spartipps vom Profi - schon tausendmal gelesen, kein Thema mehr? Kann sein. Aber wenn ein fast 50 Jahre alter Italiener, der seit seinem 18. Lebensjahr seinen Autos Namen von Figuren aus „Herr der Ringe“ gibt, sich beim Spritspar-Fahrtraining in Menden wie ein Schüler bei seiner ersten Fahrstunde anstellt, ist das ein paar Zeilen wert. Allemal in Zeiten, in denen der Benzinpreis fast die 1,80 Euro-Marke kratzt. Und wer meint, er wisse, wie man bis zu 20 Prozent weniger Benzin verbraucht, der kann zur nächsten Schlagzeile wechseln.

Wenn man Glaubwürdigkeit ein Gesicht verpassen könnte, dann würde es so aussehen wie das von Richard Neitzke. Der 71 Jahre alte Fahrlehrer aus Menden strahlt Seriosität aus und wählt seine Worte mit Bedacht: „Früher lernte man in der Fahrschule, nach Gehör zu fahren: Geschaltet wurde, wenn der Motor kreischte.“

Frühes Schalten spart Sprit

Der Italiener im 1,4-Turbo-Opel-Astra-Fahrschulwagen fühlt sich beobachtet, aber das ist ja der Sinn dieses Fahrtrainings. Neitzke, seit 48 Jahren Fahrlehrer, kennt die verschwenderische Schwäche der meist männlichen Fahrer: „Die schalten viel zu spät hoch, das schluckt besonders viel.“ Am wirtschaftlichsten fahre man, indem man sich an der Drehzahl des Motors orientiere. „Im Idealfall liegt die zwischen 1500 und 1800 Umdrehungen in der Minute.“

Im sechsten Gang bei nur 2000 Umdrehungen in 60 Sekunden? Der Italiener in mir traut dem Turbo nicht, sieht bei sinkender Tachonadel die Höchststrafe für einen Mann aus dem Land der Ferraris auf sich zurasen: Pkw abgesoffen. „Schalten, Schalten, Schalten“, nervt der Beifahrer, der Profi, der es besser weiß. Es dauert auf der Probestrecke eine ganze Weile, bis der Italiener den Mut fasst, bei 30 km/h in den dritten Gang zu schalten . Kein Stottern des Motors, angezeigter Benzinverbrauch: unter 3 Liter. „Geht doch!“

Preise für Treibstoff ändern sich mehrmals täglich

Richard Neitzke, der nach eigenen Angaben seit seinem 12. Lebensjahr Auto fährt, ist keiner dieser Nostalgiker, die ständig davon faseln, dass früher alles besser war. Keiner, der Heckflossen an Straßenkreuzern nachweint, der Motoren streichelt. „Heute können die Maschinen etwas aushalten, da brauchen Sie keine Angst zu haben“, macht der Lehrer Mut. Er spricht über „Klopfsensoren“ und „Zündzeitpunkte“ und über das, was auch in Zukunft das wichtigste Zubehör eines Autos sein werde: eine gut befüllte Brieftasche.

Mann schaltet wie ein Weltmeister am Daddelautomaten. Neitzke nickt und lächelt - und beginnt zu erzählen, von den Zeiten, als er die ersten Fahrstunden gab. Natürlich in einem VW-Käfer, der 14 Liter schluckte, den die Fahrschüler in der Regel im zweiten oder dritten Gang fuhren. Er berichtet vom ehemaligen Bundesminister für Verkehr, Kurt Gscheidle (SPD), der „wie der Name schon sagt, in den 70er Jahren, in Zeiten der Ölkrise, die 130-Tempo-Richtlinie erließ“, von seiner ersten Fahrschule in Menden, die er 1966 gründete und die seinen Namen trägt.

Seinen Kunden erklärt Richard Neitzke oft, dass die Preise für Treibstoff am Tag zwischen 7 und 10 Cent differenzieren können. Die meist jungen Fahrschüler interessierten die Benzinpreise aber nur am Rande. „Die wollen nur eines, bald ihren Führerschein in den Händen halten.“

Ultimate-Power-Racing-Sprit ist eher was fürs Ego

Viel mehr ärgert es den Sauerländer, dass die Hersteller mit zu niedrig angesetztem Kraftstoffverbrauch um ihre Super-Spar-Modelle werben. „Das sind theoretische Werte. Um die zu erreichen, muss alles stimmen, selbst die ­Außentemperatur und die Beschaffenheit des Asphalts.“ In der Regel könne man zwei Liter hinzuaddieren. „Dann sind Sie am realen Autofahrerleben nah dran.“ Die Super Plus und die Ultimate-Power-Racing-Varianten sollte man nur tanken, wenn der Hersteller es ausdrücklich empfiehlt, rät er. ­„Ansonsten sind sie eher was fürs Ego.“

Nach einer halben Stunde hat es der Italiener endlich verstanden: Er fährt untertourig, die Tanknadel bleibt konstant unter fünf Litern. Gelernt hat der fast 50 Jahre alte Fahrschüler auch, dass heutige Motoren mit Schubabschaltung ausgerüstet sind. Das heißt: Kein Leerlauf, stattdessen vorausschauend fahren und den Fuß rechtzeitig vom Gas nehmen, dann verbraucht der Motor keinen Kraftstoff.

Nach einer Stunde und jeder Menge Tipps zum Anfahren, zur Gangwahl, zum richtigen Bremsen und Beschleunigen ergibt das Vorher-Nacher-Ergebnis hochgerechnet auf ein Jahr, bei einem Benzin-Preis von 1,75 Euro und 15 000 gefahrenen Kilometern, eine Ersparnis von 1200 Litern, sprich 350 Euro oder 20 Prozent. Nicht schlecht für einen Italiener, der seinen Pkw „Glaurung“ nach dem ersten aller Drachen nennt.

Richard Neitzke kennt J.R.R. Tolkiens Werk nicht. Er warnt zum Schluss noch davor, die 20-Prozent-Spar-Marke übertrumpfen zu wollen: „Wer das versucht, der ist kein Sparfuchs, sondern wird zum Verkehrshindernis.“

Rudi Pistilli



Kommentare
27.10.2012
23:33
Bis zu 20 Prozent Sprit sparen mit der richtigen Fahrtechnik
von elvypiko | #3

Guter Artikel. Driving School überflüssig richtigen Akzent - die wirtschaftliche Fahrweise. Wir versuchen auch, die Erfahrung unserer ausländischen Kollegen zu nehmen. Grüße aus der besten lettischen Fahren presto: http://www.autoskola-presto.com

15.10.2012
14:02
Bis zu 20 Prozent Sprit sparen mit der richtigen Fahrtechnik
von neuich | #2

Und wie spare ich mit einem Automatik Fahrzeug?! Dafür habe ich noch nirgens Tipps gesehen bzw. gefunden.

15.10.2012
12:39
Bis zu 20 Prozent Sprit sparen mit der richtigen Fahrtechnik
von holmark | #1

Das sollte der mal in Berlin probieren - der wird sofort gelyncht...

1 Antwort
Bis zu 20 Prozent Sprit sparen mit der richtigen Fahrtechnik
von truckerchen | #1-1

Das wird man auch hier, wenn man sich an die Geschwindigkeitsbegrenzungen hält.

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