Bewährungsstrafe für Schmuggler

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Menden/Hagen..  Finanzielle Sorgen brachten einen Mendener dazu, eine „Karriere“ als Zigarettenschmuggler zu beginnen. Vier Jahre nach den Taten hat das Hagener Landgericht den Mann gestern zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt.

Festnahme vor vier Jahren

Niedergeschlagen saß der 53-jährige Mendener auf der Anklagebank, bereit, alles hinzunehmen, was die 1. Große Wirtschaftsstrafkammer des Hagener Landgerichts für ihn entscheiden würde. Vier Jahre hatte er seit seiner vorläufigen Festnahme im März 2010 auf sein Gerichtsverfahren gewartet. Und diese Wartezeit hat Spuren beim bis dahin unbescholtenen Angeklagten hinterlassen.

Zutiefst bereut der Mendener den riesigen Steuerschaden von mehr als 168 000 Euro, den er mit dem Schmuggeln von Zigaretten angerichtet hat. „Ich habe mich überreden lassen“, sagte er mit gesenktem Kopf gestern in seinem „letzten Wort“.

Als ihn 2009 zunehmend Geldsorgen drückten, kam er mit einem Hagener Lieferanten für Zigaretten aus dubiosen Quellen in Kontakt. Ein paar Wochen später, im September, wurden der stille Mendener und der Lieferant handelseinig. Von da an bezog der Mendener regelmäßig pro Lieferung 100 bis 200 Stangen unversteuerte, unverzollte Zigaretten verschiedener Marken, darunter auch L&M. Aber vor allem war es die berüchtigte Marke Jin Ling. Die Kammer kam zu dem Schluss, dass es sich um über 6000 Stangen im Wert von 16 bis 18 Euro gehandelt hat. 39 Mal wechselte die „heiße Ware“ den Besitzer. Der Angeklagte verdiente nach eigenen Angaben zwischen 50 Cent und 1,50 Euro pro Stange, also bis zu 9000 Euro, war das Gericht überzeugt. Geld, mit dem er seine laufenden Kosten bezahlte.

Netzwerk aufgebaut

Die Ankäufe organisierten er und der Lieferant über mehrere Telefone mit wechselnden Nummern. Das war Teil einer Verschleierungstaktik, weil beide Männer offensichtlich ahnten, dass die Telefone bereits von der Polizei angezapft wurden. Daher redete der Mendener in diesen Gesprächen auch nie offen über die Ware, sondern verwendete Tarnnamen wie „gelbe Farbe“ oder auch den Namen einer bekannten Limonadenmarke für die Jin Ling-Zigaretten.

So entwickelte sich über Monate ein florierender Handel. Und der Angeklagte baute sich ein „Netzwerk aus Lieferanten und Abnehmern auf“, hieß es in der Urteilsbegründung. Selbst als der Hauptlieferant von der Polizei geschnappt wurde, „arbeitete“ der Angeklagte noch weiter. Ein Umstand, den ihm das Gericht sehr negativ auslegte.

Dass das Gericht den Mendener zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilte, verdankte der Mann seinem umfassenden, detaillierten Geständnis, mit dem er erheblich dazu beigetragen hat, dass das Verfahren in nur drei Verhandlungstagen abgeschlossen werden konnte.

Zum Schluss reichte der 53-Jährige den drei Richtern und zwei Schöffen zum Abschied die Hand. Dabei murmelte er leise: „Ich möchte nie hierhin zurückkommen.“ Das Urteil ist rechtskräftig.