Das aktuelle Wetter Menden 2°C

Familienfreundliche Stadt

Betreuung statt Babyprämie

16.03.2010 | 22:37 Uhr
Betreuung statt Babyprämie

Menden. Familien haben es in Menden offenbar ziemlich gut. Denn zu mäkeln hatten die rund 100 Teilnehmer des „Stadtgesprächs” zum Thema „Unsere Familien” am Dienstagabend wenig an den Hilfs- und Förderangeboten der Stadt.

„Am liebsten würde ich politisch beschließen lassen, dass alle Kinder zu bekommen haben”, findet Wolfgang Exler. Der Vorsitzende des Kinder- und Jugendhilfeausschusses weiß natürlich, dass Familienpolitik so einfach nicht ist. Rückläufige Geburtenzahlen bundesweit und auch in Menden zeigen, dass die Lebensform „Familie” immer weniger Frauen und Männer reizt. Umso wichtiger wird es für Städte, Familien zu halten oder als Neubürger zu gewinnen. Nur wie? Was macht eine Stadt attraktiv für Familien? Welche Angebote hat Menden bereits und welche fehlen? — Antworten erhoffte sich die Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WSG) vom Auftakt der neuen Reihe „Stadtgespräch”, in der die Bürger über zukunftsträchtige Schwerpunktthemen mitreden sollen.

Intakte Familienwelten

Doch nicht nur der CDU-Politiker Exler musste am Dienstag auf konkrete Antworten lange warten, so sie denn überhaupt kamen. Verbesserungswünsche oder Kritik aus dem von Ratspolitikern und Funktionsträgern geprägten Publikum? Fehlanzeige.

Auch die Fachfrau, die sich die WSG von Außen dazugeholt hatte, blieb oft im Ungefähren. „Es gibt kein Patentrezept für die  Familienfreundlichkeit einer Stadt. Eine Babyprämie ist es nicht”, stellte Demographieexpertin Kerstin Schmidt fest. Alle Akteure einer Stadt müssten kooperieren und im Dialog bleiben, empfahl sie. „Aber Menden ist auf einem sehr guten Weg.”

Ihr Lob galt dem Gesamtpaket, das die Stadt, die Kindertagesstätten, die Schulen und viele weitere Akteure im Bündnis für Familie geschnürt haben. Von der Kinderbetreuung über die Neugeborenen-Besuche der Familienlotsinnen bis hin zu den Hilfen für überforderte Eltern gebe es einen „hohen Standard”, erklärte auch die städtische Jugendhilfeplanerin Schröer. „Den wollen  wir halten.”

Spagat zwischen Familie und Beruf

Es widersprach niemand. Nur  die Kinderbetreuung müsse gegebenenfalls ausgebaut werden, gaben die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, Heike Berkes, und die Zukunftsbeauftragte Brigitte Wagner zu bedenken. Das sei auch eine Aufgabe für die heimischen Unternehmen. Denn immer mehr Eltern, vor allem Alleinerziehende, müssen einen „Spagat” zwischen Familie und Beruf bewältigen. Sogar bis 20 Uhr geöffnete Kindergärten könnten Vätern oder Müttern helfen, die abends arbeiten müssen.

Bürgermeister Fleige beim Stadtgespräch über "Unsere Familien"

Dass diese These vom Publikum nicht hundertprozentig geteilt wurde, mag auch an seiner Zusammensetzung gelegen haben. Familien aus den angesprochenen Verhältnissen fehlten oder blieben zumindest stumm. Statt dessen lobten Diskussionsteilnehmer, dass es in Menden immer noch die intakten Familienwelten gibt, in denen notfalls Nachbarn oder Großeltern die Kinderbetreuung übernehmen. Gleichwohl verzichtete Bürgermeister Fleige nicht darauf, den nötigen Ausbau der Kinderbetreuung und die Folgen anzusprechen: „Die Vereine müssen sich darauf einstellen, dass in den weiterführenden Schulen eine Beschulung bis 16 oder 17 Uhr erfolgt.”

Die Reihe „Stadtgespräch” soll in diesem Jahr dreimal fortgesetzt werden — mit den Themen „Einzelhandel”, „Vereine und „Wirtschaft”.

Thorsten Bottin

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/2751874/create

Neueste Aktivität
Aktuelle Fotos und Videos
Aus dem Ressort
Angeklagte (39) sagte per Fax ab
Landgericht
Die vermeintliche Tat liegt bereits fast acht Jahre zurück: Im Sommer 2004 soll eine heute 39-Jährige einem Mann am Eisborner Weg eine Tasche mit elf Päckchen Heroin übergeben haben. Gestern sollte das Verfahren vor der Kleinen Strafkammer am Landgericht Arnsberg beginnen. Doch die Angeklagte war...
Mehr als drei Jahre Hauft für Dealer
Gericht
Strohhalm hätte der schriftlich in Aussicht gestellte Platz in einer Suchttherapie sein können. Doch T. verließ gestern das Amtsgericht so, wie er es betreten hatte: in Handschellen und Begleitung zweier Vollzugsbeamter. Drei Jahre und drei Monate Haft brummte das Schöffengericht dem Drogenkranken...