Bernd Wißmann (RSM) unterrichtet in Namibia

Realschullehrer Bernd Wißmann in Namibia: beimFußballtraining für die Otjiperongo Secondary Junio School.
Realschullehrer Bernd Wißmann in Namibia: beimFußballtraining für die Otjiperongo Secondary Junio School.
Foto: WP

Menden/Otjiperongo..  Nach dem stundenlangen Kontinentalflug hatte der Mendener Realschullehrer gerade im Flughafen-Restaurant von Windhoek Platz genommen, um sich zu stärken. Minuten später schallte es durch den Raum: „Mistaa Böörnd Wisssmään.“ Schnell gab sich der Gast aus Deutschland dem Mitarbeiter des namibischen Transportministeriums zu erkennen. Für Bernd Wißmann konnte die Weiterfahrt zur 450 Kilometer entfernten Secondary Junior School in Otjiperongo beginnen. Und das fast mit einem VIP-Status.

Zwei Menschen, zwei länderübergreifende Besuche: Am Ende stehen für Schulleiterin Wendy Mbai und Realschullehrer Bernd Wißmann viele Fragen: Wer hat es besser? Die Lehrer und Schüler in Otjiperongo/Namibia oder die in Menden/Deutschland? „Armut und Wohlstand sind letztlich doch sehr relativ. Mir hat die unglaubliche Herzlichkeit imponiert, das Leben in den großfamiliären Strukturen“, äußerte sich Bernd Wißmann nach seiner Rückkehr gegenüber der WP.

Dass es tief in der namibischen Provinz nicht mehr immer Strom und warmes Wasser gibt, ist fast zum Randaspekt geworden. Ähnlich erging es Wendy Mbai zuvor in Menden. Sie genoss zwar zwischenzeitlich den Luxus, jederzeit warm duschen zu können, als lebensnotwendig sieht sie das nicht an.

Einmal im Monat nach Hause

Die Otjiperongo Secondary Junior School hat einen derart großen Einzugsbereich, dass sie nur als Kinder- und Jugendinternat geführt werden kann. Bernd Wißmann: „Die Schüler können allenfalls einmal im Monat zu ihren Familien fahren.“

Der Realschullehrer erlebte gleich zweimal einen typischen Wochenbeginn: „Die gesamte Schulgemeinde stellt sich montags auf; die Schulleiterin hält eine Ansprache; eine Gebet wird gesprochen; die Nationalflagge wird gehisst; die Hymne wird gesungen. Bernd Wißmann: „All’ das geschieht mit großer Selbstverständlichkeit. Ebenso selbstverständlich ist die strikte Trennung zwischen Mädchen und Jungen.“

Der Botschafter aus Menden hat im Unterricht hospitiert, er hat sogar aktiv unterrichten dürfen. „Ich durfte den Schülern unser gutes Völkerballspiel beibringen. Im Gegenzug haben sie mich für Netball begeistert. Da bleib’ ich dran.“

Kaum Ausbildung durch Training

Weil es letztlich der Fußballsport und ein Spezialprogramm des Deutschen Fußballbundes waren, die zu einer Schulpartnerschaft führten, brachte Bernd Wißmann vor Ort gern sein Fachwissen ein. Was ihm besonders auffiel: „Der Enthusiasmus der Schüler in Otjiperongo ist riesengroß. Es findet aber im Grunde kaum eine fundierte Ausbildung statt. Und bei der Ausstattung fehlt es wirklich an allen Ecken und Enden.“

Zahlreiche Einblicke in das Alltagsleben waren möglich, „Da habe ich viel auch für mein weiteres Leben mitbekommen und gelernt. Als Tourist war ich ja vor gut zehn Jahren schon mal in Namibia. Aber das ist kein Vergleich.“

Mit wechselseitigen Besuchen in Menden und Otjiperongo ist jetzt durch jeweils mindestens eine Lehrperson der Anfang gemacht. Nach den Sommerferien will Bernd Wißmann Kollegen und Schülern berichten, wie es mit der Partnerschaft über Kontinente hinweg weitergehen könnte.