Bei Tod und Trauer Menschen begleiten

Foto: WP Michael Kleinrensing

Menden..  Über den Tod spricht niemand gern. Elisabeth Günther und Sonja Dingel tun es dennoch, ehrenamtlich. Die beiden Mendenerinnen haben selbst erfahren, wie sehr Gespräche helfen können. Dem Sterbenden, und vor allem den trauernden Angehörigen. Der Verein „Die Brücke“, in dem die Frauen seit Jahren aktiv sind, bietet ab März einen Kursus an, der in die Sterbebegleitung und Trauerarbeit einführt. Elisabeth Günther und Sonja Dingel berichten, warum sie sich für „Die Brücke“ engagieren, was ihre ehrenamtliche Arbeit ausmacht und an wen sich das Kursangebot richtet.

Frage: Tod und Trauerbegleitung sind für viele Menschen noch immer Tabuthemen. Und Sie befassen sich ausgerechnet damit in Ihrer Freizeit, ehrenamtlich. Warum?

Sonja Dingel: Als meine Mutter schwer krank wurde, habe ich begonnen mich mit dem Thema zu beschäftigen. Ich hätte ansonsten ein Riesenproblem gehabt, als meine Mutter schließlich gestorben ist. Manchmal werde ich schon gefragt, wie man sich damit auseinandersetzen kann. Aber Tod und Sterben gehören zum Leben dazu. In meinem Beruf als Erzieherin habe ich mit vielen Familien Kontakt. Von ihnen kommen auch immer wieder Fragen zum Umgang mit Tod und Trauer. Die Eltern sind dann froh und dankbar, dass sie einen Ansprechpartner haben.
Elisabeth Günther: Mich hat es sehr belastet, als ich vor gut zehn Jahren im Freundes- und Bekanntenkreis mit Sterben und Tod konfrontiert war. Damals habe ich beschlossen: Ich will mich mehr damit beschäftigen, um auch anderen helfen zu können. In unserer Gesellschaft stehen ja meist die Lustigen, Unbeschwerten als Gewinner da. Ich sehe aber inzwischen, wie wichtig das Thema ist, weil ich häufig auch ganz gezielt angesprochen werde.

Zu Ihrer ehrenamtlichen Arbeit gehört auch die Sterbebegleitung....

Günther: Wir beginnen die Sterbebegleitung ganz bewusst mit einem Besuchsdienst und kommen nicht erst im letzten Moment, weil wir den Menschen kennen lernen wollen. Und er soll uns kennen lernen können. In der letzten Lebensphase ist häufig gar kein Gespräch mehr möglich. Unsere Arbeit endet nicht mit dem Tod. Wir kümmern uns ja auch um die trauernden Angehörigen und begleiten sie bei ihrer Trauerarbeit.
Dingel: Wir möchten begleiten – persönlich und menschlich.

Sie bieten seit einigen Jahren das „Trauercafé“ an, ein Anlaufpunkt für Menschen, die einen Angehörigen oder Freund verloren haben. Wie können Sie dort Trauernden helfen?

Günther: Es gibt ja keine Zielsetzung, wie lange Trauer dauern darf. Manche Menschen, die uns besuchen, sind verunsichert. Sie denken, es sei nicht normal, nach einer bestimmten Zeit noch immer zu trauern. Und sie hören das auch aus ihrem Umfeld. Sie sind dann froh, bei uns und mit uns weinen zu können. Und darüber reden zu können.
Dingel: Manche kommen seit Jahren immer wieder ins Trauercafé. Sie haben Vertrauen zu uns gewonnen. Wir sind sieben Mitarbeiterinnen im Trauercafé und kennen uns gut. Jede weiß genau, wer sich am besten um welchen Besucher kümmert.

Der Einführungskursus Sterbebegleitung und Trauerarbeit befasst sich mit medizinischen und juristischen Themen, aber auch mit Gesprächsführung und Meditation. Wen wollen sie ansprechen?

Dingel: Wir haben uns zunächst gefragt, was uns in bei unserer Arbeit wichtig war, und danach haben wir den Kursus aufgegliedert. Zu den verschiedenen Themen haben wir auch verschiedene Referenten eingeladen. Der Kurs umfasst fünf Dienstagabende, die um 18.30 Uhr beginnen, und vier komplette Samstage. Wir machen bei der Ausbildung auch selbst mit.
Günther: Wir brauchen dringend Verstärkung und suchen Menschen, die Interesse an ehrenamtlicher Arbeit haben. Jeder, der eine sinnfüllende Aufgabe sucht und vor allem gut zuhören kann, sollte sich angesprochen fühlen.

Inhalte und Termine:

Der Einführungskursus Sterbebegleitung und Trauerarbeit beginnt am 10. März und endet am 19. Mai. Weitere Informationen und Anmeldung bei Elisabeth Günther, 02373/ 64335, und Sonja Dingel, E-Mail unter:
sdingel@web.de. Wer nach Kursende im Verein aktiv mitarbeitet, erhält die Kursgebühren zurück.

Das Programm: 10. März: medizinischer und pflegerischer Teil (Dr. Peter Brall), 17. März: spiritueller Teil (Anne Berens), 24. März: juristischer Teil (Rechtsanwalt Noll), 28. März: Gesprächsführung (Beatrix Schulte-Eick), 11. April: Umgang mit dem Tod (Frank Kämmerling), 14. April: Umgang bei der Begleitung (Pastoren Dorothea Goudefroy und Matthias Hoffmann), 8. Mai: offene Abendveranstaltung mit Heiner Melching, Vorsitzender der deutschen Palliativgesellschaft, 9. Mai: Umgang mit Trauer (Heiner Melching), 16. Mai: meditativer Teil (Ina Sandmeier), 19. Mai: Lebensqualität Sterbender (Frau Wichmann, Hospizkreis Iserlohn).

„Die Brücke“ ist ein Verein zur Förderung der Palliativ-, Hospiz- und Trauerarbeit. 1. Vorsitzender ist Dr. Peter Brall, 2. Vorsitzende Sonja Dingel, 3. Vorsitzende Elisabeth Günther.