Bedrückende Szenen im Erdbebengebiet

Bösperde/Kathmandu..  Die Bösperderin Eva-Maria Schröder (28) hilft seit dem Wochenende als Logistik-Expertin bei „Malteser International“ (MI) im nepalesischen Erdbebengebiet. Die WP konnte sie zu ihren ersten Eindrücken befragen.

Wie geht es Ihnen gesundheitlich, und waren vorab irgendwelche Vorsichtsmaßnahmen zu treffen?

Eva Maria Schröder: Ich bin rundum wohlauf. Durch meine regelmäßigen Auslandsaufenthalte frische ich regelmäßig die Standardimpfungen wie Tetanus, Diphtherie, Polio, Tollwut, Typhus, Hep A, Hep B, Gelbfieber und japanische Enzephalitis auf, so dass für diesen Einsatz bis auf die Auffüllung meiner privaten Notfallausrüstung – Imodium und Lakritz als „Nervennahrung“ – keine weiteren medizinischen Vorkehrungen notwendig waren.

Was haben Sie in Kathmandu vorgefunden, in welche konkreten Situationen kommt man dort als Helferin hinein?

Malteser International ist aktuell in den Distrikten Sindhupalchok und Kavre östlich von Kathmandu tätig. Aus dieser ländlichen Region wurde uns von der Weltgesundheitsorganisation eine besonders hohe Zahl an Bedürftigen gemeldet. Das Hab und Gut der Menschen hier liegt in Trümmern oder in Häusern, die jeden Moment einzustürzen drohen. Sie haben enge Verwandte, Freunde und Bekannte verloren, sind traumatisiert, leben in notdürftig hergerichteten Zelten aus Planen, Steinen und Ästen und ihr Zugang zu Lebensmitteln, sauberem und ausreichendem Trinkwasser, Hygieneartikeln wie Seife ist mangelhaft. Viele Straßen sind verschüttet, der Zugang ist vielerorts sehr mühsam. Eine sehr bedrückende Situation, aus der sich die vor dem Beben bereits sehr arme Bevölkerung schwer selbstständig aufrappeln kann.

Was beeindruckt Sie besonders?

Wir arbeiten eng mit Studenten eines Universitätsklinikums zusammen. Die unkomplizierte und schnelle Bereitschaft dieser Studenten, uns ihre Manpower und ihr Netzwerk zur Verfügung zu stellen, um uns beim Verteilen von ersten Hilfsgütern und beim Zugang zu weiteren Gesundheitsstationen in entlegenen Dörfern zu helfen, beeindruckt mich und unterstützt unsere Arbeit ungemein.

Wie sieht das Logistik-Team aus?

Aktuell besteht unser gesamtes Malteser Emergency Response Team in Nepal aus elf Mitarbeitern mit vier Nationalitäten. Wir verfügen über einen langjährig erfahrenen Teamleiter aus Holland, eine deutsche Koordinatorin, die schon nach dem Tsunami 2004 in Thailand oder 2013 nach dem Taifun auf den Philippinen dabei war, zwei deutsche Ärzte, einen deutschen Rettungsassistenten, aus mir als Logistikfachkraft und drei Nepalis, darunter ein Ingenieur, die uns seit Sonntag mit Rat und Tat zur Seite stehen. Den Kontakt zu unseren nepalesischen Kollegen haben wir durch unseren lokalen Partner erhalten. Das Logistikteam vor Ort selbst besteht somit aus meinem nepalesischem Kollegen und mir.

Was genau wird gebraucht? Wo werden Sie die Hilfsmittel besorgen? Können Sie auf das zurückgreifen, was im Zweifel am Flughafen gelagert ist, oder müssen Sie in Nachbarländern bestellen?

Wir versuchen aktuell alle Hilfsgüter hier vor Ort zu beschaffen um den lokalen Markt zu stärken und lange Transportwege und -kosten zu vermeiden. Dringend benötigte Güter, die wir nicht oder nur in begrenzter Menge in Nepal beschaffen können versuchen wir momentan über umliegende Länder wie Indien, Pakistan oder Thailand zu beschaffen. Das Einfliegen von Hilfsgütern aus dem europäischen Raum erweist sich derzeit als sehr umständlich und zeitverzögert bis kaum möglich – aufgrund begrenzter Landemöglichkeiten der stark beschädigten Flughafenlandebahn.

Wann kehren Sie wieder zurück?

Mein Einsatz hier in Nepal ist für vier Wochen geplant – zur Abdeckung der ersten Nothilfephase, Das voraussichtliche Ende des Einsatzes wird damit wohl Ende Mai sein. Bis dahin nach Menden liebe Grüße aus Nepal!