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Landwirtschaft

Bauern in Westfalen profitieren von hohen Weltmarktpreisen

14.08.2012 | 18:25 Uhr
Bauern in Westfalen profitieren von hohen Weltmarktpreisen
Die Bauern in der Region profitieren von den hohen Weltmarktpreisen. Auch Heinz-Josef Scheffer aus Menden ist zufrieden.Foto: Thomas Nitsche

Menden/Wickede.   Auch die Bauern in Westfalen sind vom Weltmarkt abhängig. Die Getreide-Börse in den USA gibt den Ton an. Das spüren die heimischen Bauern auch bei der Ernte 2012. Die hohen Preise, die der Dürre in den Vereinigten Staaten geschuldet sind, bescheren ihnen gute Gewinne.

Mit dröhnendem Motor fährt der Mähdrescher über das Feld. Die rotierenden Klingen des Schneidwerks ziehen den Weizen ins Innere der Maschine. Aus dem hinteren Teil spuckt der Mähdrescher Stroh aus. Am Rand des Feldes von Heinz-Josef Scheffer in Wickede an der Ruhr wartet schon der Laster eines Landhandels, um den frisch gedroschenen Weizen abzutransportieren. Die Weizenernte ist aber nicht nur bei dem Mendener Landwirt in vollem Gange, der in der ganzen Region Agrarflächen bewirtschaftet. Überall in Westfalen-Lippe sind zurzeit die Mähdrescher unterwegs, um die Ernte einzufahren.

Auf rund 150.000 Hektar wird in der Region Weizen angebaut. Der Mais folgt mit 100.000 Hektar, Tendenz steigend. Die Bauern profitieren zurzeit von den hohen Weltmarktpreisen. Die Ursache ist die schlimmste Hitzewelle in den Vereinigten Staaten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1895. Die Dürre ließ die Preise rapide ansteigen. „Das ist allerdings eine zweiseitige Sache“, sagt Jochen Thierring vom Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband. Die Kehrseite der enormen Preissteigerung sind nämlich hohe Kosten für Produktionsmittel wie Dünger.

Globalisierung ist auch in Westfalen angekommen

Der Landwirt Heinz-Josef Scheffer aus Menden spürt beide Entwicklungen. Er baut Backweizen an, der direkt an den Verbraucher geht. Als Mehl wird er abgepackt in den Regalen der Supermärkte stehen oder von Bäckereien weiterverarbeitet. Obwohl sein Weizen in der Region bleibt, konnte er wegen der Dürre in den USA lukrative Geschäfte machen. Auf seinen Feldern in den Kreisen Unna und Soest sowie im Märkischen Kreis ist die Globalisierung längst angekommen. Auf 30 Hektar baut er Mais an und auf 43 Weizen.

Er erzielt in diesem Jahr 1700 Euro Umsatz pro Hektar. „Das ist ein gutes Jahr für uns, aber noch lange kein Spitzenertrag“, sagt er. Obwohl der diesjährige Umsatz weit von Tiefstständen von gerademal 1000 Euro entfernt ist, bleibt am Ende ein Gewinn von 250 Euro pro Hektar übrig.

Weizen und Mais für vorher festgelegten Preis

Der Gewinn hätte noch üppiger ausfallen können. Den Großteil seiner Ernte verkauft Heinz-Josef Scheffer bereits im Vorfeld über sogenannte Kontrakte. Die Vertragspartner vereinbaren hierbei für eine bestimmte Menge Weizen oder Mais einen vorher festgelegten Preis. Der Bauer liefert nach der Ernte. „Ärgerlich ist, dass ich etwas zu früh abgeschlossen habe“, sagt er und ergänzt: „Es wären sicherlich noch sieben Euro mehr drin gewesen.“ Dass die Preise für Weizen weiter steigen würden, das konnte er nicht abesehen. Der Preis für Brotweizen ist in den vergangenen zwei Wochen um rund 40 Euro noch oben geklettert und liegt aktuell nach Angaben des Deutschen Bauernverbandes bei etwa 240 Euro pro Tonne.

„Solche Kontrakte haben in den vergangenen Jahren stark zugenommen“, sagt der Agrarökonom Prof. Marcus Mergenthaler von der Fachhochschule Südwestfalen. Damit reagieren die Landwirte auf starke Preisschankungen. Zwischen 2009 und 2011 schwankte der Preis zwischen 116 und 264 Euro pro Tonne Weizen.

Preis für Dünger nach oben getrieben

Das läge auch daran, dass die Europäische Union nicht mehr so stark mit Mindestpreisen den Binnenmarkt für Agrarprodukte schützt. „So orientieren sich auch die Preise hier an den großen Warenterminbörsen“, erklärt Marcus Mergenthaler. Maßgeblich sei für Europa die Pariser Börse, die wiederum vom Handel in Chicago beeinflusst wird. „Das ist die Leitbörse für Getreide“, sagt der Agrarökonom.

Zurück zu Heinz-Josef Scheffer nach Menden. Dass er unterm Strich einen verhältnismäßig geringen Betrag erwirtschaftet, liegt an den hohen Energiekosten. Den hohen Umsatz durch den guten Weltmarktpreis, fressen die ebenfalls steigenden Kosten wieder auf. „Der Schlüssel sind die Energiekosten, weil sie auf zwei Seiten wirken“, erklärt der Agrarökonom. Zum einen wird Mais für Biokraftstoffanlagen und Bioethanol verwendet – die Nachfrage wächst. Zum anderen ist die Produktion von Stickstoffdüngern, die Bauern beim Getreideanbau einsetzen, sehr energieintensiv. So treibt der Weltmarktpreis für Weizen und Mais gleichzeitig den Preis für Dünger nach oben. Er hat sich nahezu verdoppelt. Von 17,50 Euro pro 100 Kilogramm ist er auf 30 Euro geklettert.

Die Mais-Ernte steht für September an. Ob die Bauern auf ihre Kosten kommen, das hängt vom Weltmarkt ab. Zurzeit sieht es gut aus. Der Preis liegt bei 220 Euro in Deutschland.

David Huth

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Kommentare
15.08.2012
14:17
Bauern in Westfalen profitieren von hohen Weltmarktpreisen
von a_ha | #7

Dann können sie ja mal ein paar von den letzten Hilfen zurückzahlen....

Und: Stoppt den Maisanbau.

15.08.2012
14:09
Bauern in Westfalen profitieren von hohen Weltmarktpreisen
von Wesseler200 | #6

Das Krönung war doch das dieses Jahr wegen der Regenmenge es bei den Erdbeeren weniger Ertrag gab weil diese verfault sind und der Spargel kleiner war weil es nicht warm genug war,

Nun hieß es deswegen werden Spargel und Erdbeeren teurer, und gleichzeitig sagte man die Qualität wäre so gut wie immer.

15.08.2012
13:13
Bauern in Westfalen profitieren von hohen Weltmarktpreisen
von bigdaddyo | #5

Ich kann bei Weltwirtschaft nicht mitreden. Ich weiß nur, dass ich jetzt im Spätsommer, wenn ich die A 31 Richtung Norden fahre, in ganz Nordwest-Deutschland, zwischen Kirchhellen bei Bottrop und der NRW-Landesgrenze bei Nordhorn praktisch nix Anderes mehr sehe als Mais.

3 Antworten
nix Anderes mehr sehe als Mais.
von holmark | #5-1

den braucht man - für die Biogasanlagen...

Bauern in Westfalen profitieren von hohen Weltmarktpreisen
von orirar | #5-2

Mehr mais weniger gereie, steigendeer Preis!

Bauern in Westfalen profitieren von hohen Weltmarktpreisen
von orirar | #5-3

Mehr Mais, weniger Getreide, steigende Preise!

15.08.2012
13:05
Bauern in Westfalen profitieren von hohen Weltmarktpreisen
von Vatta | #4

Die Wurzel des Problems ist der Umstand, dass mit Lebenmitteln an den Börsen spekuliert wird. Da werden Preise zusätzlich in die Höhe getrieben und Effekte, wie die Dürre in den USA nochmals intensiviert und beschleunigt. Für uns heißte das: Teureres Brot und reichere Landwirte - für die dritte Welt bedeutet das Hunger und Tod.
Aber offensichtlich scheint das in der globalen Politik so akzeptiert zu werden.

14.08.2012
21:39
Die Bauern in der Region profitieren von hohen Weltmarktpreisen
von meinemeinungdazu | #3

Der Maisanbau führt immer mehr zur Monokultur. Diese optische Auswirkung ist bereits im Sauerland unübersehbar. So landen immer mehr Lebensmittel in den Biogasanlagen, wobei ein massiver Flächenkampf zwischen den Bauern stattfindet. Diese Politik ist nicht mehr tragbar und zutiefst falsch. Die Folgen werden sich noch intensiv einstellen: Lebensmittel werden teurer und für arme Länder unerschwinglich.

1 Antwort
Bauern in Westfalen profitieren von hohen Weltmarktpreisen
von orirar | #3-1

Die Böden werden durch die Maismonokulturen ausgelaugt und unbrauchbar.

14.08.2012
20:44
Die Bauern in der Region profitieren von hohen Weltmarktpreisen
von HarryCane | #2

und eigentlich auch noch:

- kein Wort vom Zusammenhang Dürrekatastrophe USA / Klimaveränderung! (diese wird im übrigen auch vor Deutschland wohl kaum halt machen)

14.08.2012
20:44
Das dicke Ende kommt aber noch...
von HarryCane | #1

Tja, schön für die Bauern, wenn die Preise mal wieder erfreulicher sind, da gab es ja auch schon andere Zeiten.

Doch diese Abhängigkeit vom Weltmarkt (Globalisierung) wird uns noch ein ganz dickes Ende bescheren. Sobald wir auch effektiv die Auswirkungen des Peak Oil spüren werden, der ja nun inzwischen erreicht zu sein scheint, werden die Kosten komplett durch die Decke gehen. Vielleicht geht es noch die nächsten 10 Jahre einigermaßen glatt, da wir durch diese quasi-Weltwirtschaftskrise sicherlich weniger verbrauchen als bei konstantem Boom, doch dann wird es vermutlich wirklich ernst.

Aus diesem Artikel machen mir folgende Punkte sorgen:
- Abhängigkeit vom Weltmarktpreis
- hohe Abhängig von Stickstoffdünger (aus Rohöl hergestellt)
- regionale Wirtschaftskreisläufe scheinen keine Rolle zu spielen
- Mais nimmt an Bedeutung zu Verdängung vom klassischen Lebensmittel
zugunsten von Agrosprit und Biomasse (Tank vs. Teller)

1 Antwort
Die Bauern in der Region profitieren von hohen Weltmarktpreisen
von Karl-Napp | #1-1

Und trotzdem werden die Bauern stöhnen, denn das wird ihnen schon in die Wiege gelegt.

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