Bastian Bielendorfer: „Sauerländer sind nicht unterkocht“

Die Mutter von Bastian Bielendorfer kommt nie zu seinen Auftritten, erzählt der Comedian.
Die Mutter von Bastian Bielendorfer kommt nie zu seinen Auftritten, erzählt der Comedian.
Foto: kai kitschenberg
Was wir bereits wissen
„Mutter ruft an – Mein Anschiss unter dieser Nummer” heißt das Buch von Bastian Bielendorfer. Im Interview spricht der Comedian auch von seinem Vater.

Menden.. Bastian Bielendorfer ist Comedian, Studienabbrecher, angehender Psychologe und Lehrerkind. Jetzt ist sein neues Buch „Mutter ruft an – Mein Anschiss unter dieser Nummer” erschienen. Mama hat das „Festnetz des Grauens”: Immer wenn es schellt, ist klar, dass es gleich anstrengend für Bastian und lustig für alle anderen wird. Am Freitag kommt Bastian Bielendorfer nach Menden. Die Veranstaltung ist ausverkauft: Ende des Jahres könnte es aber ein Wiedersehen mit ihm in Menden geben, verrät der Autor im Interview.

Frage: Es ist 11 Uhr vormittags: Hat Mutti heute schon angerufen?

Bastian Bielendorfer: Heute noch nicht. Bislang hat sie nur zwei SMS geschrieben.

Was wollte sie denn?

Sie möchte immer meine Facebook-Seite korrigieren. Immer wenn jemand Böses über sie oder mich schreibt, möchte sie darauf reagieren. Zum Beispiel: „Basti ist gar nicht so, er ist auch nicht so dick wie auf den Fotos.“ Bei Facebook heißt sie übrigens „Bastians wütende Mutter“. Auf meine Facebook-Seite kann sie aber nicht schreiben, deshalb soll ich das übernehmen. Ich sage ihr immer, dass man Irre nicht noch anstacheln muss.

Sitzen Ihre Eltern bei den Shows im Publikum?

Meine Mutter nicht, sie findet allein den Gedanken schrecklich, dass die Leute über sie lachen könnten. Mein Vater ist bei fast allen Shows dabei, die im Umkreis von 100 Kilometern um seinen Heimatort Gelsenkirchen liegen. Er sitzt stets in der ersten Reihe und winkt milde wie der Papst.

Wie entstand die Idee, aus dem Lehrerkind-Thema jetzt ein Mutter-Anruf-Thema zu machen?

Ich hatte Telefonate mit meiner Mutter auf meiner Facebook-Seite als kurze Texte veröffentlicht. Zum Beispiel darüber, dass sie Teleshops leer räumt und mich mit minderwertigen Produkten beschenkt. Der Brotbackautomat hätte beinahe unsere Küche abgefackelt. Diese Texte sind sehr gut angekommen, so dass die Idee aufkam, daraus ein Buch zu machen. Der Verlag hat zunächst gezögert, weil er nicht dachte, dass man aus diesem Thema Unterhaltungsliteratur mit rund 300 Seiten machen kann. Die Resonanz ist aber super.

Warum funktioniert auch dieses Thema?

Dieses Buch betrifft alle, eine Mutter hat ja jeder. Ich habe meine Mutter aber sehr liebevoll beschrieben. Ich gehöre mit Anfang 30 zur Y-Generation. Viele dieser Generation kennen die Szene, wenn Eltern auf dem Smartphone am Küchentisch herumdrücken wie auf einem okkulten Gegenstand. 95 Prozent der Geschichten stimmen. Manchmal habe ich die Schraube des Wahnsinns noch weiter gedreht; manchmal habe ich die Geschichten in einen anderen zeitlichen Rahmen gesetzt. Dass mein Vater bei einer Butterfahrt in Polen einmal aus dem Bus geworfen wurde, weil er sich weigerte, Energiesocken zu kaufen, ist wirklich passiert. Allerdings, als ich zwölf war. Meine Mutter und ich haben ihn auf einem Parkplatz in Krakau abgeholt.

Ist Ihre Veranstaltung eine Lesung oder Stand-up-Comedy?

Die eine Hälfte werde ich aus dem Buch vorlesen, die andere Hälfte frei erzählen. Ende des Jahres plane ich eine Solo-Live-Show. Dann könnte Menden wieder auf dem Tourplan stehen. Ich bin jetzt zum vierten Mal da, die Mendener Besuche gehören zu den schönsten. Dass Sauerländer als unterkocht gelten, stimmt nämlich nicht.

Bastian Bielendorfer tritt am Freitag, ab 19.30 Uhr im Theater Am Ziegelbrand auf. Die Veranstaltung ist ausverkauft. Wer etwas weiter zu einer Lesung anreisen möchte: Bielendorfer liest am 28. April in Dortmund im Harenberg-City-Center.