Baby-Missbrauch - Für Hebamme gab es keinen Grund zur Sorge

Eine Hebamme, die die Mendener Familie betreute, sagte im Baby-Missbrauchs-Prozess aus.
Eine Hebamme, die die Mendener Familie betreute, sagte im Baby-Missbrauchs-Prozess aus.
Foto: Imago
Auch am dritten Verhandlungstag im Baby-Missbrauchs-Prozess vor dem Landgericht Arnsberg schweigen die Angeklagten. Die Eltern des heute zweijährigen Mädchens machen keine Angaben zu den Vorwürfen. Sie sollen Ende 2012 ihren damaligen Säugling schwer misshandelt haben. Eine Hebamme sagte als Zeugin aus.

Menden/Arnsberg.. Wer ein erst drei Monate altes Mädchen Ende 2012 misshandelt hat, ist auch am dritten Tag der Strafverhandlung gegen die Eltern des Säuglings am Landgericht Arnsberg unklar geblieben. Nach wie vor machen der 25-jährige Vater und die 21-jährige Mutter keine Angaben zu den Vorwürfen.

Auch die Vernehmungen eines ermittelnden Polizeibeamten sowie der Hebamme brachten das Gericht nicht weiter. Es zeichnet sich aber eine klare Rollenverteilung in dem nur drei Monate währenden Familienleben ab: Die junge Mutter versorgte das Kind, während der Vater tagsüber zur Arbeit ging und nach Feierabend fernsah oder Videospiele machte.

Bevor die Verletzungen des Babys am 4. November 2012 in einem Iserlohner Krankenhaus entdeckt worden waren, hatte im Auftrag des Mendener Jugendamtes eine Hebamme die Familie betreut. „Das Kind war top gepflegt“, sagte die Hebamme jetzt als Zeugin aus. Die 21-jährige Mutter habe die Sache ganz gut im Griff gehabt – obwohl sie weder Verwandte noch Freunde zur Unterstützung hatte.

Keine Verletzungen erkannt - auch nicht beim Wickeln

Verletzungen am Kind konnte sie zu keiner Zeit erkennen, auch nicht beim Wickeln. „Ich habe keinen Grund zur Besorgnis gehabt“, erinnerte sich die Hebamme, sonst hätte sie seinerzeit weitere Schritte unternommen. An den vorangegangenen Verhandlungstagen hatten bereits mehrere Mediziner als Zeugen erklärt, dass ihnen bei Untersuchungen des Säuglings keine Verletzungen aufgefallen waren.

Wie die später in einer Iserlohner Klinik am Körper des Babys diagnostizierten Verletzungen – Knochenbrüche, Hämatome, Schnittwunden und eine Analfissur – so lange unbemerkt bleiben konnten, wird das Arnsberger Landgericht bis zum 2. Dezember noch in zwei weiteren Verhandlungstagen beschäftigen. Weitere Zeugen werden dann gehört.

Kindsvater machte auf Zeugen „desinteressierten“ Eindruck

Die Hebamme sagte am Dienstag aus: Der Kindsvater habe auf sie einen „desinteressierten“ Eindruck gemacht. „Er war ihr keine große Hilfe.“ Dieser Eindruck deckt sich mit dem eines Polizeihauptkommissars, der am 5. November 2012 die Ermittlungen übernommen hatte. Ihm gegenüber hatte der Vater geäußert, dass er Hinweise auf Verletzungen an seiner Tochter bemerkt habe. Die Mutter habe aber Erklärungen für diese Verletzungen parat gehabt.

„Die hat er nicht hinterfragt, weil es ihm egal war“, fasste der Polizeibeamte seinen Eindruck zusammen. Für den Hauptkommissar war im Laufe der Ermittlungen die Mutter zur Hauptverdächtigen geworden, weil sie weit überwiegend mit dem Kind zusammen gewesen sei. Deshalb habe es ihn überrascht, so sagte der Beamte nun als Zeuge, dass schließlich ein Haftbefehl gegen den Kindsvater ausgestellt wurde.

Gutachter beurteilen Schuldfähigkeit

Die Strafverhandlung vor der Arnsberger Jugendkammer soll am 28. November fortgesetzt werden. Das Urteil wird für den letzten Verhandlungstag am 2. Dezember erwartet. Zuvor sollen auch noch zwei Gutachter zu Wort kommen und die Schuldfähigkeit der Angeklagten beurteilen. Das mittlerweile zweijährige Mädchen ist bei einer Pflegefamilie untergebracht.

EURE FAVORITEN IN DIESER STUNDE