„Arbeit mit Kindern ist schönstes Erlebnis“

Jasmin Brinkschulte leistete drei Monate Freiwilligendienst in Ghana.
Jasmin Brinkschulte leistete drei Monate Freiwilligendienst in Ghana.
Foto: WP

„This letter is from Christabel. Auntie Jasmin I love you. I am so happy you are here because one of the other volunteers said you are sick and I was sad. But now I am happy. I loveyou.“ („Dieser Brief ist von Christabel. Tante Jasmin, Ich liebe dich. Ich bin so froh, dass du da bist, weil mir eine andere Freiwillige gesagt hat, dass du krank warst und ich deswegen sehr traurig war. Aber jetzt bin ich wieder glücklich. Ich liebe dich.“)

Als ich diesen Brief bekam, nachdem ich nur zwei Tage krank war, wusste ich, wie wichtig diese Kinder und meine Arbeit mir sind, aber vor allem, wie wichtig ich ihnen bin.

Drei Monate lang absolvierte Jasmin Brinkschulte einen Freiwilligendienst in Ghana. Sie arbeitete dort für für die Dream Africa Care Foundation. „Ich wollte immer schon mal nach Afrika. Am besten sollte es ein englischsprachiges Land sein. Allerdings wollte ich nicht einfach nur zwei Wochen in den Urlaub. Ich wollte das Land und die Menschen kennenlernen“, berichtet die 25-Jährige. Vor ihrer Rückkehr nach Deutschland berichtete sie über ihre Erfahrungen.

Wo leben Sie und wie sind Sie untergebracht?

Jasmin Brinkschulte: Meine Gastfamilie ist für afrikanische Verhältnisse sehr wohlhabend, was viele Sachen sehr viel angenehmer macht. Wir haben eine Klimaanlage, zumindest wenn der Strom mal funktioniert, und fast immer fließend Wasser. Wir leben und arbeiten in der Stadt Teshie, unmittelbar neben der ghanaischen Hauptstadt Akkra. Hier bekommt man alle Seiten vom ghanaischen Großstadtleben mit und das auch noch mit dem Strand in unmittelbarer Nähe.

Was sind Ihre Aufgaben in Ghana?

Das Hauptprojekt bei mir ist ein Kinderheim mit mittlerweile 51 Kindern. Die Kinder sind teilweise ehemalige Straßenkinder oder aus Familien, die sich nicht mehr kümmern können oder auch wollen. Angeschlossen ist auch eine Schule. Die Helfer dort verdienen nichts und das Heim wird durch Spenden und die Freiwilligen der DACF am Leben erhalten. Morgens unterrichte ich dort meine eigene Klasse, größtenteils in Mathe und Englisch. Der Unterricht ist nicht im Ansatz mit dem Unterricht in Deutschland zu vergleichen. Das Klassenzimmer ist eigentlich nur ein Holzverschlag. Unterrichtsmaterial gibt es kaum. Jede Klasse hat ein paar Bücher, teilweise jeweils nur ein Exemplar. Aber auch Anschauungsmaterial gibt es kaum. Dadurch gibt es ganz andere Herausforderungen als in einer Schule in Deutschland. Einiges erfordert mehr Kreativität, aber auch Geduld. Durch den Mangel an Büchern können die Kinder auch alle weniger lesen und schreiben als es ihrem Alter entsprechen würde. Deswegen versuche ich regelmäßig mit ihnen zu lesen.

Gibt es darüber hinaus noch weitere Aufgaben?

Wir planen auch andere Projekte für die Kinder. Wir gehen nachmittags in das Kinderheim um mit ihnen zu basteln, dadurch sind schon viele Armbänder, Papierflugzeuge und Gemälde entstanden. Wenn es nicht zu heiß ist, spielen wir Fußball mit ihnen. In kleinen Gruppen haben wir die Kinder auch schon mal mit nach Hause genommen um im Pool mit ihnen zu schwimmen. Keins der Kinder kann schwimmen, daher ist es gut, sie überhaupt ans Wasser zu gewöhnen. Am Ende haben alle gemeinsam einen riesen Spaß. Unsere Aufgaben gehen allerdings auch über den Spaß hinaus. Einige Freiwillige, vor allem längerfristige, helfen im Management, werben neue Freiwillige oder auch für Hilfen jeder Art hier vor Ort.

Welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten gibt es zwischen dem Leben in Deutschland und Ghana?

Auch wenn das Leben in Ghana sehr unterschiedlich zu dem Leben in Deutschland ist, fühle ich mich sehr wohl. Die Ghanaer sind sehr freundliche Menschen und helfen einem, besonders einer Obruni („Weißen“) sehr gerne. Das öffentliche Verkehrsnetz, wenn man es denn so nennen kann, scheint am Anfang sehr verwirrend. Im Prinzip sind die Trotros umgebaute Kleinlaster mit Sitzen darin. Man stellt sich einfach an die Straße, wartet darauf bis eins vorbeikommt und versucht zu verstehen, was der Mate einem zuruft. Am Besten einfach nachfragen, damit man sich auch nicht verfährt. Eigentlich finde ich das Reisen hier sogar etwas entspannter, da man nicht so an Zeitpläne und Fahrpläne wie zu Hause gebunden ist. Aber vor allem für mich war das auch eine große Umstellung. Die Ghanaer nehmen Zeitangaben nicht wirklich sehr genau.

Welche sind Ihre schönsten und interessantesten Erfahrungen?

Ein interessantes Erlebnis war der Africa Cup of Nations. Immer wieder werde ich als Deutsche auch auf Fußball angesprochen und mir wird „versprochen“, dass Ghana das nächste Mal gegen uns gewinnt. Als Außenstehende ist es sehr interessant zu sehen, wie fußballbegeistert dieses Land ist. Sogar Bundesligaspiele habe ich hier schon auf der Leinwand in einer kleinen Bar gesehen. Während des Finals gegen die Elfenbeinküste gab es in der Stadt an mehreren Orten auch Publicviewing. Nach dem Elfmeterkrimi taten sie mir wirklich Leid. Ich habe es selten erlebt, dass eine große Stadt so schnell still werden kann. Aber mit Abstand das schönste Erlebnis hier in Ghana ist die Arbeit mit den Kindern. Die freuen sich jeden Tag uns zu sehen. Egal was wir für sie machen, sie sind einfach glücklich. Am Independence Day (6. März) haben wir viel frisches Obst und Musik besorgt und hatten einfach einen schönen Nachmittag. Oder auch einen Tag am Strand um gemeinsam die vielen Geburtstage im Februar zu feiern, also quasi ein großer Kindergeburtstag.

Ist derzeit die Nachfrage nach Freiwilligen-Angeboten vor Ort groß?

Leider leiden alle Organisationen zur Zeit unter einem Mangel an Freiwilligen. Teilweise liegt dies an der Jahreszeit. Aber vor allem die Ebolabedrohung in anderen Ländern Westafrikas schreckt viele ab. Diese Krankheit ist hier jedoch nie ausgebrochen, dennoch ist sie ein Thema und überall, vor allem in Krankenhäusern wird gewarnt und um Aufmerksamkeit gebeten. Ein Freund erzählte, dass viele Ghanaer im Sommer/Herbst Schwierigkeiten hatten ein Visum für andere Länder zu bekommen. Sogar der Africa Cup of Nations wurde deshalb verlegt, weil das ursprüngliche Gastland sich geweigert hat und damit sogar das Recht auf Teilnahme verlor.

Welches Fazit ziehen Sie? Und was raten Sie Interessierten?

Ich kann jedem, der ein Praktikum, Freiwilligenarbeit oder auch einfach Auslandserfahrungen sammeln möchte und dabei noch anderen Menschen helfen möchte, empfehlen nach Ghana zu gehen. Die Erfahrungen hier werden mir mein ganzes Leben lang erhalten bleiben. Jede Art von Hilfe ist immer willkommen und ganz unterschiedliche Persönlichkeiten werden benötigt. Neben unterrichten und der Arbeit im Kinderheim, werden aber auch Fußballtrainer gesucht. Die Arbeit mit Kindern sollte natürlich Freude machen, aber eigene Ideen sind immer erwünscht. Jeder, der sich für die Projekte oder die Organisation interessiert, kann auf der Facebookseite „DreamAfrica Care Foundation“ oder der Internetseite www.dreamafricacarefoundation.org mehr darüber erfahren.