Angeklagter entschuldigt sich unter Tränen

Großes Medienaufgebot am ersten Prozesstag im Landgericht Arnsberg. Foto: Martina Dinslage
Großes Medienaufgebot am ersten Prozesstag im Landgericht Arnsberg. Foto: Martina Dinslage
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Arnsberg.. Unter großem Medieninteresse hat am heutigen Freitag am Landgericht Arnsberg der Prozess um das Mendener Schützenfest-Unglück begonnen. Ein Rentner hatte bei seiner Todesfahrt am 19. Juli 2009 drei Menschen getötet.

Am Landgericht Arnsberg hat am Freitag der Prozess gegen den 80-jährigen Mendener begonnen, der am 19. Juli vergangenen Jahres mit seinem Pkw in den Festzug der Schützenbruderschaft St. Hubertus Menden-Nord gefahren war. Der Rentner hatte bei seiner Todesfahrt mit seiner Mercedes-A-Klasse drei Menschen getötet und zahlreiche zum Teil schwer verletzt. Gegen 11.30 Uhr wurde der erste Prozesstag beendet. Fortgesetzt wird die Verhandlung am Mittwoch, 17. November.

Tochter des Angeklagten sagt aus

Der Angeklagte musste zu Prozessbegin ein Blitzlichtgewitter über sich ergehen lassen. „Er hat gezittert, war sonst aber gefasst“, berichtete ein Zeuge aus dem Gerichtssal. Dann wurde die Anklageschrift verlesen. Wenige Minuten später sagte der Angeklagte mit leiser und brüchiger Stimme zu seiner Person aus. Unter Tränen entschuldigte sich der Angeklagte. „Was da passiert ist, kann man nicht wieder gut machen. Es tut mir so unendlich leid, was ich so vielen Menschen zugefügt habe“, sagte der 80-Jährige.

Die Verteidigung kündigte an, dass sie sich auf Wunsch des Angeklagten sehr zurückhaltend verhalten werde. Der Angeklagte versuchte, den 19. Juli 2009 zu rekonstruieren. Die Erinnerung setzte aber kurz vor dem Unglück aus und erst wieder ein, als er nach dem Unglück auf der Mauer saß. Der Angeklagte bat um kurz nach 10 Uhr um eine Pause. Eine Viertelstunde später ging es weiter.

Extrem ruhiger Mensch

Kurze Zeit später war die Befragung des Todesfahrers beendet. Seine sehr schwer erkrankte Ehefrau konnte nicht als Zeugin aussagen. Stattdessen wurde die Tochter vernommen. Sie berichtete, dass sie „die tollsten Eltern“ habe. Ihr Vater sei aber „ein überkorrekter und perfektionistischer Mensch“. In den Wochen vor dem Unfall will sie zweimal bemerkt haben, dass ihr Vater Aussetzer hatte. Die Tochter beschrieb ihren Vater als extrem ruhigen Menschen, der nie viel geredet habe. Er sei aber nie aufbrausend gewesen. Weder er, noch die Mutter hätten ihr etwas zum eigentlichen Unfallverlauf gesagt.

Zum ersten Verhandlungstag erschienen auch einige der Opfer der Unglücksfahrt. Rüdiger Morena von der Hubertus-Bruderschaft wartete schon fast zwei Stunden vor Beginn der Verhandlung vor dem Gebäude des Landgerichts. „Ich hoffe auf eine Antwort auf die Frage nach dem Warum“, erklärte der Mendener. Diese Frage beschäftige ihn nun schon seit dem Unglückstag. Durch das Urteil, das voraussichtlich am 30. November fallen soll, hoffe er persönlich auch, einen Schlussstrich unter die Ereignisse vom vorvergangenen Sommer ziehen zu können.

Lange Zeit im Koma

Der 19-jährige Marcel Schäfer, der bei dem Festzug-Unglück ein schweres Schädel-Hirn-Trauma sowie Frakturen erlitt und lange Zeit im Koma lag, war mit seiner Mutter ebenfalls vor Ort. „Mir ist es egal, zu was der Unfallverursacher verurteilt wird“, erklärte der junge Mann. „Auch wenn er zu einer Gefängnisstrafe verurteilt würde, würde es das, was passiert ist, nicht wieder gutmachen.“ Der Angeklagte solle die ihm verbleibenden Lebensjahre „ruhig genießen“. Er werde ohnehin täglich an das Unglück denken. Durch den Unfall, so Marcel, sei ihm „die beste Zeit meines Lebens“ genommen worden: „Ich war 18, hatte den Führerschein, hatte viele Freunde. Einige haben sich nach dem Unfall von mir abgewandt. Dafür habe ich aber auch ganz viele neue Freunde gefunden.“