„Am Ende hatte keiner mehr Lust auf Party“
27.07.2010 | 17:35 Uhr 2010-07-27T17:35:00+0200
Menden.Eine 24-jährige Mendenerin gehörte beim Loveparade-Unglück am Samstag in Duisburg zu den Verletzten, soll sich nach Polizeiangaben wieder zu Hause befinden. Die Polizei durfte gestern aus datenschutzrechtlichen Gründen keine Angaben zu der jungen Frau machen.
Der Mendener DJ Sascha Treese fuhr auf einem der Float genannten Musik-Wagen an der Unglücksstelle vorbei.
Sascha Treese, der unter dem Künstlernamen „Simo Flow“ neben seinem Hauptberuf als selbstständiger Grafikdesigner als DJ arbeitet, war als Gast der Eventagentur I-Motion auf dem Float mit der Nummer zwölf eingeladen. „Wir sind extra früher losgefahren und hatten auch VIP-Tickets“, sagt der 30-Jährige, „aber selbst VIPs war es kaum möglich, durch die Menschenmassen hindurch zu den Wagen zu kommen.“
Auf dem Weg zu seinem Wagen sei Treese der Tunnel, in dem sich das Unglück später ereignete und in dem 19 Menschen starben, bereits „sehr kritisch“ vorgekommen. Treese: „Trotz meiner Erfahrung auf vielen großen und engen Veranstaltungen war ich sehr froh, auf unserem Float zu sein.“
Als sich die Massenpanik in dem Todes-Tunnel anbahnte, rollte der Float Nummer zwölf in Sichtweite vorbei. „Wegen der vielen Menschen wirkte es aber so, als wenn sich die Leute dort in einem Strom bewegen würden“, erinnert sich Treese. Die Kanalisierung der Leute auf nur einen Punkt und nur durch diesen Tunnel sei ihm von Anfang an nicht geheuer gewesen, berichtet der DJ. Treese: „Dass es überhaupt nur einen Eingang gab, war katastrophal.“
Nachdem sich die Handynetze rund um das völlig überfüllte Partygelände am alten Duisburger Güterbahnhof langsam wieder berappelt hatten, erhielt der Mendener zahlreiche SMS von Freunden und Bekannten. Treese: „Als bekannt wurde, was passiert ist, wurde die Stimmung schlechter. Am Ende hatte keiner mehr Lust auf Party.“
Treese zeigt sich fassungslos angesichts der schlechten Organisation der Parade: „Man wusste doch schon aus Dortmund und Essen, dass über eine Million Menschen kommen. Das ist unfassbar.“
Auch die Einsatzkräfte der DRK-Ortsgruppe Menden waren in das Loveparade-Drama involviert. „Wir sind mit der Einsatzeinheit „Hagen 04“ nach Dortmund zur Uni ausgerückt, um dort Verletzte zu behandeln“, sagt Rüdiger Morena, der stellvertretende Leiter der Ortsgruppe Menden. Die 43 Einsatzkräfte, die mit 19 Fahrzeugen nach Dortmund fuhren, hätten mit den Kollegen aus Hemer und Iserlohn 500 Verletzte behandeln können. „Zum Glück hatte sich der Krisenstab geirrt, und der Dortmunder Bahnhof wurde nicht mit Menschen überflutet“, so Morena.
Verletzte mussten in Dortmund also letztlich nicht behandelt und betreut werden.
0mitdiskutieren