Als viele nur noch von den Galliern sprachen

Fröndenberg..  Immer diese Gallier. Der Vergleich mit dem kleinen Dorf voller Widerständler wurde gerne genutzt, wenn die Sparkasse mal wieder Schlagzeilen machte. Davon gab’s im Jahr 2014 reichlich. Das Theater um die Vorstandsbezüge in der kleinsten Sparkasse von NRW war gleich mehrfach Thema in der WESTFALENPOST – und garantiert ein Thema des Jahres.

Komplizierte rechtliche Situation

Zugegeben, es war auch für uns Journalisten nicht einfach, ins Thema einzutauchen. Der Sachverhalt ist je nach Sichtweise sehr einfach oder sehr kompliziert. Vereinfacht gesagt sieht’s so aus: Die Vorstände Petra Otte und Detlev Menges weigern sich, ihre Bezüge offenzulegen. Das Finanzministerium aber verweist auf das Transparenzgesetz (Landesrecht). Demnach sind die Sparkassen in der Pflicht, ihre Bezüge zu veröffentlichen.

Am Fröndenberger Führungsduo biss sich dann sogar das Finanzministerium die Zähne aus. Und an dieser Stelle wurde es dann auch schon wieder kompliziert: Otte und Menges pochen nämlich ihrerseits auf das Handelsgesetzbuch (Bundesrecht). Demnach seien sie sogar zur Verschwiegenheit verpflichtet. Als dritte Partei spielen Verwaltungsrat und Stadtrat noch eine Rolle. Diese mit Politikern besetzten Gremien zeichneten für die Vorstandsverträge verantwortlich.

Warum die Diskussion wichtig ist

Warum ist es denn so wichtig, dass jeder Kunde die Gehälter der Sparkassenchefs kennt? Diese Frage haben wir uns in der Redaktion natürlich auch gestellt. Wir trugen einige Argumente zusammen: Vielleicht ist es wichtig, dass man weiß, wie eine Sparkasse mit Geld umgeht. Ein übermäßiges Vorstandsgehalt spräche nicht gerade für verantwortwortliches Handeln. Vielleicht ist Transparenz heute auch einfach nur eine moralische Pflicht. Schon begann auch auf der Straße das Tuscheln: „Wer weiß, was die noch alles verschweigen, wenn die schon beim Gehalt mauern...“ Andere pflichteten Otte und Menges bei.

Beide ließen sich nicht aus der Ruhe bringen. Auch in der Moraldebatte wollten sie nicht nachgeben: Das Vorstandsduo argumentiert zum Beispiel mit Schutz für die Familie. Man wolle eine nicht enden wollende Neiddebatte verhindern.

Drohungen und Rüffel des Finanzministeriums („sehr deutliche Briefe“) zwangen Otte und Menges nicht in die Knie. Ein angeblich existierendes Prüfverfahren machte eine Runde durch die Instanzen und versandete im Nirgendwo.

Kein Machtwort aus der Politik

Stadtrat und Bürgermeister hätten die Möglichkeit gehabt, zumindest ein Machtwort zu sprechen. Das taten aber beide Gremien nicht. Bürgermeister Friedrich-Wilhelm Rebbe zeigte sich auf Nachfrage der WP äußerst dünnhäutig. Der Stadtrat nickte dann sogar einen neuen Vertrag mit Detlev Menges ab – nach altem Muster. Nach der Berichterstattung in der WESTFALENPOST rief der Verwaltungsrat eine Sondersitzung ein. Ergebnis: Es blieb alles so, wie es schon war. Der Vorstand sollte weiter schweigen. Für den Journalisten wirkte das, als hätten sich Bürgermeister und Stadtrat mal eben komplett die Macht aus der Hand nehmen lassen.

Mittlerweile sind von zuletzt sechs Verweigerer-Sparkassen nur noch vier übrig geblieben. Die Sparkasse Fröndenberg befindet sich im immer kleiner werdenden Kreis. Wie soll’s weitergehen? Wer in die Ministerien hineinhört, erfährt wenig bis gar nichts Konkretes. Nach harter Hand sieht auch das nicht aus. Immerhin: Der Ruf vom kleinen gallischen Dorf wird so weiter gepflegt.

Wetten, dass die Sparkasse auch 2015 Thema sein wird.