Als Kriminelle noch im Rathaus-Keller eingesperrt wurden

Grundriss  des Alten-Rathaus-Keller, rechts die drei Zellen inklusive WC.
Grundriss des Alten-Rathaus-Keller, rechts die drei Zellen inklusive WC.
Foto: WP

Menden..  Früher, so ungefähr vor 50 Jahren, ist hier bestimmt niemand gerne hinabgestiegen. Einladend sieht es im Keller des Alten Rathauses auch anno 2015 noch nicht aus. Aber damals mussten Randalierer, Suffköppe oder Kleinkriminelle wohl oder übel diesen Weg antreten. Denn hier lagen die drei Arrestzellen der Mendener Polizei – in jenen ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts, als auch die Wache der Ordnungshüter noch im Alten Rathaus untergebracht war.

Gucklöcher in den Zellentüren

Heute liegen hier in den drei kleinen Räumen Exponate des städtischen Museums. Leiterin Jutta Törnig-Struck lagert Ausstellungsstücke mangels anderweitigem Platz ein, so lange sie die Alltagsgegenstände früherer Mendener nicht für eine Ausstellung benötigt. Wer die Geschichte der Arrestzellen kennt, entdeckt aber noch die Spuren des Gefängnisses: dicke, grau gestrichene Türen mit dicken Riegeln und kleinen Guckfenstern. Die Polizeibeamten konnten dadurch nach den Gefangenen sehen. Ein winziges Räumchen am Ende des Ganges beherbergt heute Haustechnik. Früher diente es offenbar als Gefängnis-WC. Das beweist auch ein alter Grundrissplan des Kellergeschosses, der sich im Besitz von Heimatforscher Antonius Fricke befindet.

Die Sträflinge wurden geärgert

Sowohl Fricke als auch die Museumsleiterin sind allerdings überfragt, wenn es um die konkrete Verwendung der Arrestzellen geht. Jutta Törnig-Struck hat gehört, dass hier vorwiegend Betrunkene oder Randalierer für wenige Tage in Gewahrsam saßen. Kleine Kinder sollen die Inhaftierten durchs vergitterte Kellerfenster hindurch auch mal geärgert haben. Stadtarchivar Norbert Klauke mutmaßt, dass im Dritten Reich auch politisch Verfolgte hier einsaßen – Schutzhaft hieß dass im Nazi-Jargon.