Als junge Frau war sie selbst Suchende

Dr. Eduard Maler, der das WBG zukünftig leiten wird, und Schwester Maria Thoma
Dr. Eduard Maler, der das WBG zukünftig leiten wird, und Schwester Maria Thoma
Foto: SMMP WP

Menden..  Es ist eine riesengroße Doppelbelastung und Verantwortung, die seit Januar auf ihren Schultern lastet. Mit Schwester Maria Thoma Dikows offiziellem Abschied als Oberstudirektorin des Walburgis-Gymnasiums endet eine Ära – und eine neue beginnt. Erstmals geht die Schulleitung in weltliche Hände über. Und nie zuvor ist ein Mitglied des Schwesterkonvents in Menden zur Generaloberin der gesamten Ordensgemeinschaft gewählt worden.

„Ich blicke dankbar auf meine 18 ereignisreichen Jahre in Menden zurück“, wird Schwester Maria Thoma der Abschied definitiv nicht leicht fallen, wenn heute ihr zu Ehren eine Feierstunde mit vielen Ehrengästen stattfindet.

Manchmal sind es nur kurze Zeiträume, die Lebenswege komplett verändern können. An jenem 8. Januar 2015 waren es 25 Minuten im Bergkloster Heiligenstadt. Mehr Zeit benötigten die 30 wahlberechtigten Kapitularinnen der Ordensgemeinschaft der Heiligen Maria Magdalena Postel (SMMP) nicht, um mit ihrer Entscheidung Schwester Maria Thoma die Aufgabe der Generaloberin anzuvertrauen. Unmittelbar im Anschluss empfing Schwester Maria Thoma den Segen durch Weihbischof Hans-Reinhard Koch. „Es waren überwältigende und bewegende Momente für mich“, blickt sie gegenüber der WP zurück.

Seit dem Januar war der Terminkalender mehr denn je mit der Schul- und Ordensleitung durchgetaktet. Zu den verantwortungsvollsten Aufgaben vor Ort gehörte dabei, die Weichen für die Zukunft des Walburgis-Gymnasiums zu stellen. Dr. Eduard Maler, seit vielen Jahren ihr Stellvertreter im weltlichen Amt, war aus vielerlei Gründen der natürliche Kandidat. „Wir haben die Gewissheit, dass Herr Dr. Maler die Geschicke der Walburgisschulen im Sinne des Ordens weiterführen wird.“

Auch fortan soll es am WBG eine besondere Beziehung zu den Schülern geben: „Schule soll Lebensraum sein.“ Und damit weit mehr als ein Lehr- und Lernraum. Wertevermittlung – vor allem auch im christlichen Sinn – spielt eine große Rolle dabei.

Mit ihren eigenen Lebensentwürfen sind die Ordensschwestern, aber auch die Lehrer häufig Vorbild. Immer wieder haben sich WBG-Schüler dazu entschieden, sich in besonderer Weise sozial zu engagieren. Beispielsweise im Projekt „Missionar auf Zeit“ und damit Jahresaufenthalten in Bolivien an der WBG-Partnerschule in Cochabamba.

Schwester Maria Thoma war der Kontakt zu Schülern immer wichtig. Und das nicht nur als Mathematik- und Religionslehrerin. Viele Lebenswege ihrer einstigen Schutzbefohlenen hat sie mit großem Interesse verfolgt. So freute sie sich jüngst noch nach dem großen WP-Bericht für Georg Ismar, der Leiter des dpa-Regionalbüros Lateinamerika geworden war. Der einstige WBG-Abiturient war freiwillig ein Jahr als Entwicklungshelfer in Bolivien tätig und hatte dabei seine Liebe zu den Menschen und Lateinamerika entdeckt.

Als junge Frau war sie selbst Suchende. Bewusst begann sie ihr Studium, ohne zuvor einer Ordensgemeinschaft angehört zu haben. Erst nach ihrem Abschluss und dem Referendariat fiel die Entscheidung, ihr Leben Gott zu weihen.

Was Schwester Maria Thoma für sich selbst immer als persönlich bereichernd empfand: „In der Freude des Evangeliums sind wir in die Welt gesandt.“ Und dieses Verständnis von Sendung soll auch für ihre Arbeit als Generaloberin eine besondere Rolle spielen. „Wir müssen uns als Orden für die Zukunft ausrichten.“

Weltweit sind es 300 Schwestern, die in der Nachfolge der Heiligen Maria Magdalena Postel wirken. An ihrer Seite weiß Schwester Maria Thoma „einen sehr dynamischen Generalrat“, der multinational besetzt ist. Auslandsreisen werden fortan zum Arbeitsalltag und Lebensrhythmus gehören. Wird Menden dann überhaupt noch eine Rolle spielen können? „Es gibt ja nach wie vor den kleinen Konvent, den ich gewiss auch mal besuchen werde. Auch Traditionen wie die Mendener Kreuztracht bedeuten mir viel.“