Als gläubige Inder Firma Schmöle retteten

Menden..  Wenn die bundesweit gewählte „Opal-Miss“ in Menden die neuesten Damenstrümpfe des heimischen Herstellers vorführte, dann war in der Stadt in den 1950er und 60er Jahren richtig was gebacken. „Viele Mendenerinnen wollten gerne in dem Werk arbeiten, weil es die Strümpfe dann günstiger gab“, berichtet Jutta Törnig-Struck. Die Leiterin des Stadtmuseums weiß auch noch, dass man in der Tanzschule Grewe seinerzeit die Seidenstrümpfe mit Naht anhaben musste, wenn man aufgefordert werden wollte. Als die Opal-Strumpfwerker, die in Menden die alte Waffenfabrik am Bräukerweg gekauft hatten, dann pleite gingen, war das dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ 1962 eine Titelgeschichte wert: „Die letzte Masche“.

So lebensnah wie möglich

Es sind Geschichten wie diese, die in einem künftigen Industriemuseum auf Gut Rödinghausen erzählt werden sollen – und zwar so lebensnah wie möglich, am besten von Zeitzeugen, die selbst noch mitgewirkt hatten. Ob als Chef, als Schlosser, als Buchhalter oder Handlanger – „sie alle sind für uns Köpfe der Industrie“, sagt Törnig-Struck, während sie zwischen rund 20 Mitgliedern der „Werkstatt Industriegeschichte“ steht.

Diese geschichts- und museumsbegeisterten Mendener sortieren unter ihren Augen die schönsten Exponate für die geplante Sonderausstellung „Industrielle Revolution an der Hönne“ aus. Die Schau soll am 24. April auf Gut Rödinghausen eröffnet werden. Das Gut, das derzeit saniert wird, soll damit zugleich seine Feuertaufe als Industriemuseum erleben. Ein Raum des Herrenhauses steht dafür dann bereit.

Sollte der Stadtrat, der sich am 13. Januar ab 17 Uhr im Ratssaal mit dem Thema befasst, das Anwesen als Industriemuseum genehmigen, dann stünden ab 2016 allein zwölf Ausstellungsräume zur Industriegeschichte zur Verfügung.

Die Vorab-Ausstellung im Frühjahr soll Törnig-Struck und ihren Mitstreitern indes auch zeigen, welche Exponate den Besuchern Freude machen und welche eher links liegengelassen werden. „Das ist ja auch für ein Lernprozess.“

Massenware „Ganges-Becher“

Zu den Ausstellungsstücken, die wahrhaft kuriose Geschichte(n) erzählen, gehört mit Sicherheit der „Ganges-Becher“. Das ist ein Trinkgefäß aus gedrücktem Messing, das die Firma R.&G. Schmöle nach dem Krieg in Unmengen fertigte – und tatsächlich bis nach Indien lieferte. Dort tat der goldfarbene Becher gläubigen Hindus bei ihren rituellen Waschungen im heiligen Fluss offenbar beste Dienste. Das Praktische für Schmöle: Der Becher durfte anschließend nicht mehr benutzt werden, sodass die nächsten Bestellungen gesichert waren.

Dann ist da noch der Kobold-Schirm, heute als „Knirps“ bekannt, einst jedoch in Menden von Firma Neuerburg gefertigt. Auch seine Vorläufer kamen von hier: Das Unternehmen Neuwalzwerk erstellte vorab kleine Muster ihrer Regenschirm-Stöcke. Eine Auswahl davon, die bis ins Produktionsjahr 1860 reicht, ist auf zwei DIN-A4-großen Pappen erhalten geblieben. Aber es gab noch viel, viel mehr – Produkte „made in Menden“ gingen auch schon zu Ur-Ur-Opas Zeiten in alle Welt.

Bekannte Waren sind die Rollschuhe der Firma Albert, die Kinderwagen von Excelsior, die Pfannen von Thekla, die Waffeleisen von Rödinghausen oder auch Schmöles Wäschestampfer – mit so klangvollen Namen wie „Waschhexe“ oder „Waschblitz“.

„Wer solche Sachen noch auf dem Dachboden findet, möge sie uns bitte bringen“, will die Museumschefin die Ausstellung stetig erweitern. Und wer weiß, welche Schätze mancher Mendener noch hortet.