Als Dieter Degowski nach Fröndenberg kam

Fröndenberg..  Warum zuckt man noch zusammen, wenn von Dieter Degowski die Rede ist? Warum war es eine Geschichte für die WP, als der Geiselgangster von Gladbeck im Juli nach Fröndenberg kam, um am Herzen behandelt zu werden? Die Untat, der zwei junge Geiseln und ein Polizist zum Opfer fielen, ist 26 Jahre her. Und doch ist die öffentlichste Entführung aller Zeiten auch in ihren grausigen Details vielen präsent. Ich selbst fing damals als Journalist gerade an, und die unrühmliche Rolle der Medien in dem Fall ist unbestritten. Doch als ich im Zuge von „Zeitung in der Schule“, wie unser Projekt damals hieß, als Jungspund von Schülern ein „Bluthund“ genannt wurde, habe ich zurückgefragt: Wo saß Degowski in Köln im Wagen, wo saß Silke Bischoff? Sie wussten alles, haargenau. So, und meine Kollegen, die das berichtet hatten, waren Bluthunde?

Nun also kam Degowski ins Justizkrankenhaus auf ein Zweibettzimmer, wobei Anstaltsleiter Jörg Turowski darauf achtete, dass der Mitpatient kein Italiener war. Denn das zweite Opfer der Entführung, der 15-jährige Junge, der seine kleine Schwester schützen wollte, war italienischer Herkunft. Ansonsten gab man sich Mühe, Degowski als Patienten wie jeden anderen zu behandeln. So unspektakulär wie die Unterbringung des stark gealterten Ex-Gangsters verliefen dann auch Behandlung und Rückführung.

2016 soll Degowski entlassen werden. Die Chance erhalten, die auch Schwerverbrechern zusteht, wenn sie nicht mehr gefährlich sind: außerhalb von Gefängnismauern zu leben und nach dem Abbüßen langer Strafen Ruhe zu finden. Doch sollte dazu etwas bekannt werden, ich weiß, ich würde es lesen.