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Abschiebung

Als der Referent plötzlich fehlte

16.12.2015 | 18:00 Uhr
Als der Referent plötzlich fehlte
Abgelehnte Asylbewerber steigen im Rahmen einer landesweiten Sammelabschiebung in ein Flugzeug.Foto: Daniel Maurer/dpa

Menden. Die Abschiebung des Mazedoniers Robert A., seiner Frau und seiner vier Kinder am Morgen des 10. Dezember konfrontierte auch Lendringser Realschüler mit den rauen Wirklichkeit der Flüchtlingsproblematik. Robert A. war für diesen Morgen nach Lendringsen eingeladen worden, wo die Stadt eine Veranstaltung plante. Der Titel: „Respect the difference“.

„Als Herr A. nicht wie verabredet in der Klasse 9b erschien, haben wir ihn angerufen“, schildert Uschi Rosenthal, die Kinder- und Jugendschutzbeauftragte der Stadt Menden, den Ablauf. Der Mazedonier, der drei Jahre lang in Menden lebte, habe voller Verzweiflung berichtet, dass er mit seiner Familie am frühen Morgen von einem großen Polizeiaufgebot abgeholt worden sei, um jetzt vom Flughafen Düsseldorf aus ins Herkunftsland geflogen zu werden.

Wegen seiner hervorragenden Deutschkenntnisse war Robert A. bereits mehrfach zu Jugend-Veranstaltungen der Stadt eingeladen worden. „Er hatte Kindern und Jugendlichen sehr eindrücklich aus seinem Leben vor und nach der Flucht berichtet“, erinnert sich Uschi Rosenthal. Auch in Lendringsen, wo insgesamt drei neunte Klassen unterrichtet wurden, sei der Sinn der Sache gewesen, bestehende Vorurteile gegen Flüchtlinge durch Begegnung mit einem Betroffenen zu widerlegen.

Der Schwerpunkt „Flucht und Fremdsein“ sei im Rathaus für das erste Schulhalbjahr „aus aktuellem Anlass“ ganz bewusst ausgewählt worden. Und Robert A. habe sich auf Anfrage sofort bereiterklärt, das städtische Team aus den Bereichen Jugendschutz, Jugendbildung und Jugendpflege zu unterstützen.

Der Mazedonier habe den Schülern dann über sein Leben als Flüchtling berichtet.

Rosenthal: „In eindrucksvoller Weise gab er Einblicke in sein Leben und beantwortete die vielen Fragen der äußerst interessierten Schüler zu Gründen und Verlauf seiner Flucht sowie zu den schwierigen Lebensumständen für ihn und seine Familie als Roma in seinem Herkunftsland Mazedonien.“

Vorarbeiter bei der Stadt

Er habe Menden zu seiner Heimat erklärt, weil er sich erstmalig sicher und frei fühlen könne und für seine Familie eine dauerhafte Perspektive wünsche. Er sei dankbar, hier leben zu dürfen und gerne bereit, etwas zurückzugeben. Deshalb sei er im Rahmen der gemeinnützigen Arbeit auch als Vorarbeiter für die Stadt Menden tätig.

Als Lehrer und Jugendarbeiter das jähe Ende dieser Integrationsgeschichte unmittelbar miterlebt hatten, habe man am Morgen gemeinsam versucht, der 9b die Lage zu erklären. Die Kinder und Jugendlichen hätten sich sehr betroffen gezeigt. Uschi Rosenthal: „Besonders berührte sie die Vorstellung, dass die vier Kinder, von denen zwei ganz jung und zwei in ihrem Alter sind, abgeführt und in eine völlig unsichere Zukunft entlassen wurden.“

Das Jugendschutz-Angebot wird auch 2016 für Schüler der neunten Klassen angeboten. Rückfragen beantwortet die Jugendschutzbeauftragte unter der Rathaus-Rufnummer 903-1470 oder jugendschutz@menden.de

Thomas Hagemann

Kommentare
18.12.2015
20:41
Als der Referent plötzlich fehlte
von Minga81_0 | #1

Schwierige Lebensumstände sind kein Asylgrund, siehe Art. 16a Abs. 1 GG; Mazedonien ist ein sicheres Herkunftsland, also besteht noch weniger ein...
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Als der Referent plötzlich fehlte
Als der Referent plötzlich fehlte
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2015-12-16 18:00
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