Alles sitzt bei Lesser Wohndesign - und zwar passgenau

Polsterei Lesser in Menden. Im Bild Polsterer Waldemar Lorenz.
Polsterei Lesser in Menden. Im Bild Polsterer Waldemar Lorenz.
Foto: Ralf Rottmann / Funke Foto Services
Polstermöbelhersteller und Polsterer aus Menden hat sich auf Maßanfertigungen und kleine Serien von Sesseln, Sofas und Schlafsofas spezialisiert. Alles Handarbeit.

Menden.. „Wir machen das, was andere nicht machen oder nicht können.“ Ein einfacher Satz von Geschäftsführer Thomas Pieper – und zugleich die vollständige Beschreibung der Unternehmensphilosophie von Lesser Wohndesign: Der Polstermöbelhersteller und Polsterer aus Menden hat sich auf Maßanfertigungen und kleine Serien von Sesseln, Sofas und Schlafsofas spezialisiert. Alles Handarbeit.

„Einen Lasercutter suchen sie bei uns vergeblich“, sagt Thomas Pieper. Und wer sich in dem Betrieb in einem kleinen Gewerbegebiet am Ortseingang von Menden umschaut, erkennt: Es ist keine Schutzbehauptung. Angezeichnet und zugeschnitten wird: per Hand. Bezogen oder beschlagen mit Polsternägeln auch. Lösungsmittel- und Klebergeruch? Ebenfalls Fehlanzeige. Dafür solide Materialien wie Buchenholzgestelle, Naturleder, Bultexschaum. Der Betrieb steht Kunden übrigens im wahrsten Wortsinn offen; sie können auf Wunsch Einblick in die Produktion nehmen. „Wir können jedem Kunden vor der Herstellung zeigen, welches Material später im fertigen Möbelstück steckt“, sagt Thomas Pieper aus Überzeugung.

Lesser Wohndesign hat Nische gefunden

Pieper weiß, dass er damit das Auge der Kunden für den Wert der Produkte schärft. Denn: Mit den Preisen von Möbelketten und Billiganbietern kann und vor allem will er nicht mithalten. Braucht er offenbar auch nicht. Lesser Wohndesign hat seine Nische gefunden. „Der Kunde, der billig kauft, kauft öfter“, zeigen Thomas Pieper und seine Frau Marietheres den Unterschied auf – und begründen die zugleich klar höheren Zahlen auf den Preisetiketten in den Lesser-Ausstellungsräumen. Und trotzdem: „Ein hochwertiges Bettsofa gibt es bei Lesser auch unter 1000 Euro“, argumentiert Pieper.

60 Prozent macht das Privatkundengeschäft aus; hinzu kommen zwei Wohnstudios in Mannheim und München, die mit Lesser-Produkten beliefert werden, sowie Objekteinrichter, die etwa eine Systemgastronomiekette ausstatten. Die „144 Sofas für die deutsche Botschaft in Kabul“ waren da schon ein eher ungewöhnlicher Auftrag, den Lesser über eine Ausschreibung gewonnen hatte.

Keine Angst vor Online-Handel

Der Online-Handel bereitet Pieper keine Sorgen: „Keiner kauft ein Produkt für 2000 Euro oder mehr, das er nicht gesehen und ausprobiert hat.“ Den jüngsten Konzen­trationsprozess bei regionalen Möbelhäusern – der Einstieg in oder die Übernahme von Unternehmen wie Sonneborn und Zurbrüggen durch die österreichische XXXL-Gruppe – sieht Pieper gelassen: Die Zeichen dort stünden auf Einheitsware, egal welches Haus der Kunde betrete. Lesser setzt auf genau die gegenteilige Unternehmensstrategie: „Wenn ein Kunde nur 2,15 Meter Platz für ein Sofa hat, dann bekommt er bei uns ein Sofa mit 2,15 Metern Länge“, erklärt Pieper.

Neben der Herstellung von Sondergrößen und der eigenen kleinen Serienherstellung macht „der Neubezug von Polstermöbeln“ rund 30 Prozent aus: Bei solider und stabiler Ware sei „nach 20 und mehr Jahren“ ein Neubezug durchaus sinnvoll – und mache das Sitzmöbel fit für die nächsten Jahrzehnte.

Vergessene Sparbücher

So glänzt im Ausstellungsraum ein Ohrensessel mit Fußhocker, kardinalsroter Stoffbezug. Ein majestätisches Möbelstück. „Den Sessel habe ich vorm Sperrmüll gerettet, aufgearbeitet und neu bezogen“, erzählt Pieper. Überhaupt: Sofas können Geschichten erzählen: Sparbücher haben die Lesser-Mitarbeiter schon darin gefunden; vom Kunden vor Zeiten dort sicher versteckt, am Ende beinahe vor sich selbst. Natürlich auch Schmuckstücke, die im Polster verloren gingen und in der Lesser-Werkstatt wieder auftauchten. Oder auch eine Nachricht der einstigen Besitzerin an die Nachwelt, in einem Kissen versteckt: Das Sofa solle von den Erben nicht entsorgt werden, sondern allenfalls an eine „Freundin der Besitzerin weitergegeben werden“.

Es ist ein Familienstück geblieben. Und ein Stück der Lesser-Unternehmensgeschichte.

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