Abstoßung der Lunge so lange wie möglich hinauszögern

Menden/Essen.  . Wenn Claas Tido Weidner an die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr vor zehn Jahren zurückdenkt, sieht er sich im Krankenhaus. Viele Wochen lag der an Mukoviszidose erkrankte Mendener damals schon in der Ruhrlandklinik in Essen und wartete auf eine neue Lunge. Kurz darauf bekam er endlich ein Spenderorgan. Die WP hat Claas Tido Weidner damals begleitet und ihn jetzt – zum zehnten Jahrestag – erneut besucht.

Je länger eine Transplantation zurückliege, desto unvorsichtiger werden viele Patienten, berichtet Dr. Urte Sommerwerck, die als Leitende Oberärztin in der Essener Ruhrlandklinik Claas Tido Weidner behandelt. „Dann nimmt man alles für selbstverständlich.“ Mit Blick auf den Mendener sagt die Fachärztin für Innere Medizin, Pneumologie und Allergologie: „Es gibt kaum einen Patienten, der so folgsam ist.“ Die besten Patienten seien die, die selbst gut auf sich aufpassen.

Und das tut Claas Tido Weidner. Ob Urlaub oder Wochenende: Er nimmt pünktlich um 8 Uhr morgens seine Tabletten. „Ich wache mittlerweile automatisch um die Zeit auf“, berichtet er. Ohnehin ist er sehr diszipliniert. Viele Jahre ist der Mendener morgens um halb sechs Uhr aufgestanden und hat zwei Stunden inhaliert – vor der Schule, später vor der Ausbildung und dem Studium.

Knapp zehn Jahre lebt Claas Tido Weidner nun mit der Spenderlunge. „Niemand spricht gern darüber, aber fest steht: Die chronische Abstoßung kommt“, sagt Dr. Urte Sommerwerck. Es gehe darum, diesen Zeitpunkt so lange wie möglich hinauszuzögern.

Wichtig sei eine gesunde Balance zwischen einem sorgfältigen Blick auf die eigene Gesundheit auf der einen Seite und dem (maßvollen) Genießen des Lebens auf der anderen Seite.

Nachdem Patienten die ersehnte Lunge transplantiert bekommen haben, stehen oft kleine, alltägliche Wünsche im Vordergrund, die für gesunde Menschen selbstverständlich sind: „Viele Patienten“, so berichtet Dr. Sommerwerck, „sagen, dass sie gern einfach mal ohne Sauerstoffgerät durch den Wald gehen möchten.“