Abschied – aber nur von einem Gebäude

Hohenheide..  Am Ende wird das hölzerne Kreuz von seinem Platz über dem Altar abgenommen und zusammen mit weiteren angestammten Gegenständen - den schlichten Abendmahlskelchen, der bunten Kerze der Krabbelgottesdienstkinder - im langsamen Zug aus dem Saal getragen. Trauer malt sich auf die Gesichter der Presbyter und der vielen Gemeindemitglieder, die am Sonntag ein letztes Mal zum Gottesdienst ins Bonhoefferhaus gekommen sind; um Abschied zu nehmen. Denn die Gemeinde hat sich, nicht leicht, dazu entschieden, sich von ihrem Gemeindehaus auf der Hohenheide zu trennen.

Die Kirche sind die Menschen

„Die Entwidmung eines Gotteshauses ist keine schöne Aufgabe“, bekennt Pfarrer Hans-Martin Böcker aus Kamen stellvertretend für Superintendentin Annette Muhr-Nelson. „So schmerzhaft dieser Tag aber ist: Wir nehmen Abschied von einem Gegenstand. Von einem Gebäude, von Steinen“, merkt der Seelsorger an. Und weiter: „Kirche - das sind wir als Gemeinschaft von Menschen.“

Gruppen arbeiten andernorts weiter

Von guten Mächten wunderbar geborgen – die berühmten Verse Dietrich Bonhoeffers, der dem Gemeindehaus auf der Hohenheide den Namen gab, wirken tröstlich und ermunternd, gibt Böcker der Gemeinde auf den Weg. Seine Predigt hält er als „Plädoyer für die Bedeutung des Abschieds“: Jeder Neuanfang könne nur gelingen, wenn man zuvor bewusst Lebwohl gesagt habe.

Doch sein Eindruck, so Böcker, sei eher der, „dass wir heute eher Abschied vom Abschied nehmen“: Selbst Bahnhöfe – früher klassische Orte tränenreicher Abschiede mit flatternden Taschentüchern im Wind – böten inzwischen kaum noch Gelegenheit dazu. „Händchenhalten durch geöffnete Zugfenster ist gar nicht mehr möglich; entweder sie lassen sich nicht mehr öffnen - in den modernen Zügen - oder sie klemmen.“

Ein bisschen Fröhlichkeit schwang also schon mit in diesem schlichten, ruhigen Gottesdienst, in dem Pfarrer Böcker und Pfarrerin Janine Hühne einem breiten Spektrum von Empfindungen Raum gaben: Trauer (auch mit Unverständnis, ja Wut gemischt, erkannte die junge Pfarrerin an), aber auch Hoffnung darauf, dass etwas Gutes kommt.

Dankbarkeit für schöne Zeit

Und vor allem Dankbarkeit für die schöne und erfüllende Zeit: 26 Jahre wurde im Bonhoefferhaus Gemeinde gelebt - mit Singen und Beten, in Gottesdiensten, Festen, Konzerten und nicht zu vergessen einer umfangreichen Jugendarbeit. Alle Gruppen - auch dies ein Trost - haben neue Räumlichkeiten gefunden. Die lebendige Gemeindearbeit kann also weitergehen. Nur eben in anderen Gebäuden.