Abriss des Mendener Bahnhofs ist gescheitert
08.09.2010 | 22:07 Uhr 2010-09-08T22:07:00+0200
Menden.
Der schnelle Abriss des Mendener Gammel-Bahnhofs ist gescheitert. Die Stadtverwaltung hat offiziell eingeräumt, dass die Albert-Erbengemeinschaft den Anfang des Jahres ausgehandelten Vertrag vorerst nicht unterzeichnen will. Die Verwaltung sieht „interne Differenzen“ der Erbengemeinschaft als Ursache.
Nach Jahren der Diskussionen schien der Plan, der im März öffentlich geworden war, verlockend einfach zu sein, um den Mendener Schandfleck Nummer eins zu beseitigen: In den Osterferien und damit noch vor der Landesgartenschau in Hemer sollte die Erbengemeinschaft den Bahnhof abreißen lassen.
Damit die Abrisskosten bei den Erben wieder rein kommen, hätte die Stadt das Areal für zehn Jahre gepachtet. Und diese wiederum hätte dort einen Bezahl-Parkplatz eingerichtet, um den Pachtzins zu refinanzieren. Sollte doch noch ein Investor kommen, der das Gelände bebaut, dann sollte dieser – was baurechtlich wichtig ist – nicht schlechter gestellt werden als mit noch existierendem Gebäude.
Doch was so einfach schien, ist jetzt geplatzt: Bürgermeister Volker Fleige und Beigeordneter Sebastian Arlt gaben gestern bekannt, dass die Erben den ausgehandelten Vertragsentwurf derzeit nicht unterzeichnen wollen. Ein Vertragsentwurf , in dem auch ganz detailliert festgelegt worden war, dass der Abriss in den Osterferien erfolgen sollte
Erbengemeinschaft nicht an der Umsetzung der Verhandlungsergebnisse interessiert
Im Juli hatte Fleige letztmalig mit dem in Österreich lebenden Peter-Albert-Sohn Frank, der einen Teil der Erbengemeinschaft darstellt, gesprochen und gefragt, ob und wann mit dem Abriss des Bahnhofsgebäudes zu rechnen sei. Inzwischen ist die Antwort auch schriftlich eingegangen: Derzeit sei die Erbengemeinschaft an der Umsetzung der Verhandlungsergebnisse nicht interessiert. Damit vollzieht Frank Albert eine Wende, der noch im April der WP gesagt hatte: „Wir werden das nicht blockieren.“
Zwar ist die Tür noch nicht ganz zugeschlagen, weil Fleige die beiden anderen, in Menden lebenden Albert-Erben zu einem Gespräch eingeladen hat. Doch die schnelle Lösung wird es nicht geben.
Wie aber konnte es zu dieser Wende kommen, wo doch im Frühjahr die Unterschrift nur noch eine Formsache zu sein schien? Die Stadt hatte den Vertragsentwurf mit der Albert-Testamentsvollstreckerin Gabriele Fricke und dem Albert-Geschäftsführer Hubert Kuschel ausgehandelt.
Beide, so die Verwaltung gestern, hätten sich auch als harte, aber sehr zuverlässige Verhandlungspartner gezeigt. Man sei davon ausgegangen, dass die Erbengemeinschaft diese Ergebnisse mittragen würde. Aber das habe sich nun als falsch herausgestellt.
Lösung kann nicht erzwungen werden
War das blauäugig von der Verwaltung? „Nein“, sagt Bürgermeister Fleige. „Das war nicht blauäugig. Über Jahre sind alle Dinge zwischen Stadt und Erbengemeinschaft über die Testament-Vollstreckerin und den Geschäftsführer gelaufen, nie mit den Erben direkt. Wir hatten keinen Anlass anzunehmen, dass dies hier anders ist.“
In einem Punkt ist der Bürgermeister aber zerknirscht und wiederholt, was er bereits im Juni im WP-Interview gesagt hatte: „Dass ich in der Euphorie den zeitlichen Rahmen Osterferien genannt und damit Erwartungen geweckt habe, die nicht realisiert werden konnten, war ein Fehler.“
Und wie geht es nun weiter? „Die weitere Entwicklung in der Angelegenheit ist derzeit nicht zu prognostizieren“, sagt Fleige. Er macht aber noch mehr als vorher deutlich, dass die Stadt nicht am Zuge sei, sondern der Bahnhof ein Privatgelände sei, auf das man keinen Zugriff habe: „Ohne den guten Willen der Erbengemeinschaft als Eigentümerin ist eine Lösung nicht zu erzwingen.“
22:35
Ich hatte vor vielen Jahren immer wieder mal beruflich in Menden zu tun, damals viel mir schon der arg vergammelte Bahnhof auf. Als ich darüber mit einem Kunden sprach, meinte dieser: „ach das Gebäude wird wohl bald abgerissen, da soll was neues gebaut werden“.
Um so erstaunter bin ich das dieser Schandfleck immer noch da ist. Kann es sein, auch wenn es nur Spekulation ist, dass da einige Leute geschlafen haben?
20:20
Och marwang, mit 40 Mio€ aus dem Landeshaushalt lässt sich gut leben, wenn man gleichzeitig in der Haushaltssicherung ist. Wir sehen dann mal 2015 weiter...
14:38
@31 träum weiter oder holt euch leute mit ahnung aus hemer
14:16
Werauboe: Welche anderen Investoren gab es denn, außer Breuer? Alles andere war bisher heiße Luft.
Ich habe bisher immer ein ernsthaftes Konzept für die Innenstadt und den Bahnhof inkl. Hönneinsel gefordert.
Das Übel begann mit dem hinterherlaufen des Rates hinter einem Fax, dass Albert an Mediamarkt geschickt hatte. Die Chance es per Flächenpool zu entwickeln, auch mit Investorenhilfe und professioneller Betreuung von außen wurde ja abgelehnt. Das Ergebnis kennen wir alle.
Menden meint immer alles slebst und besser machen zu können, Rat und Verwaltung sind nicht in der Lageeffektiv woanders abzugucken. Dafür gibt es zahlreiche Beispiele. Menden steckt geistig an vielen Stellen noch in den 1980er Jahren.
Ich bin vor zwei Wochen mit einem befreudeten Stadtplaner aus Krefeld durch die Innenstadt gelaufen, sei erster Besuch in Menden.Er Verstand die Diskussion um den Abriss überhaupt nicht. Seine Kernaussage war eine ganz simple: Es sei unglaublich, welche städtebaulichen Qualitäten alle Brache liegen würden und welche Lebensqualität Menden bieten kann. Er war begeistert. Menden hat große Probleme, vor allem in der Form, dass Menden etwas sein will, was es nicht sein kann. Menden ist eine Kleinstadt, die sich bereits stark Richtung Ruhrgebiet orientiert. Nicht mehr und nicht weniger. Und dieses Potential muss mit Verstand und Gefühl entwickelt werden.
07:59
Es fehlt das öffentliche Interesse. Wenn ein schäbiger Anblick als Rechtsgrundlage für eine Enteignung genügen würde, wäre so mancher Hausbesitzer seine Bude ruck-zuck los.
00:04
Warum keine Enteignung? Geht doch bei Autobahnen, Flughäfen auch.
23:45
Ich bewundere den Mut von # 19, aber da muss doch OSIS gleich dagegen halten. Hätte gerne mal gewusst,ob OSIS auch irgend einen anderen Investor, ausser einem Hüingser, für Menden geeignet begrüßt hätte ? Aber da nun alle Interessenten vergrault sind, muß sich Menden mit den jetzigen Gegebenheiten abfinden
22:32
Danke #19, ein einzige Kommentar unter bis jetzt 26, der kapiert hat, worum es geht.
Die Mendener, die hier ihren Senf dazu geben, verdienen es nicht besser, daß sie weiter den Anblick ertragen müssen.
21:43
wer ernsthaft glaubt das ein neuer Parkplatz an dieser Stelle der Stadt gut tut, sollte sich einfach mal den Anblick vorstellen. Es ist schon schlimm genug an den angeschnittenen, um nicht zu sagen geköpften Bäumen vorbei zu müssen.
Ich finde der Vorschlag des Bürgerverein Mendener Bahnhof zur Wiederbeleben des Bahnhof und der Umgebung verdient eine Beachtung. Hier besteht eine Idee die, auch und gerade mit Hilfe der Stadt Menden, umzusetzen ist.
Falls jemand das Konzept lesen möchte, dann bitte hier nachschauen.
www.mendenerbahnhof.de
21:23
Sehe gerade, Iserlohn ist sogar auch ein Projekt.
Soviel zu dem Erfolg der Nachbarn... ;-) Die CDU/FDP/SPD wollte nicht, die Grünen mit Ihrem Vorschlag wurden damals abgewiegelt. Sie hatten ja einen Investor...