900 Kilometer unterwegs auf dem Jakobsweg

Dorothée Schelp ist den berühmten Jakobsweg gegangen.
Dorothée Schelp ist den berühmten Jakobsweg gegangen.
Foto: privat

Menden..  900 Kilometer von Südfrankreich bis in den Westen Spaniens. Die Mendenerin Dorothée Schelp ist den Jakobsweg gewandert. Sechs Wochen war sie unterwegs, im Schnitt lief sie am Tag 25 Kilometer. „Ich wollte den Kopf vom Alltagsstress frei bekommen und habe mir gesagt: jetzt oder nie“, berichtet die 32-Jährige. Ihr Arbeitgeber, der Hansa-Seniorenwohnpark Menden, gab ihr Sonderurlaub. „Mein Chef Mark Schmitz und meine Pflegedienstleitung Elisabeth Zubarev haben absolut hinter mir gestanden.“

Die erste Nacht in den Pyrenäen verbrachte Dorothée Schelp gleich unter freiem Himmel – unfreiwillig. Als sie um 18 Uhr an der Herberge ankam, hieß es nur noch „nous sommes complets“ – komplett belegt. „So habe ich meine erste Pilgernacht zwischen Kuhfladen und Wildpferden verbracht. Natürlich ohne Isomatte, weil diese ja viel zu sperrig ist.“ Dennoch: „So nah war ich den Sternen noch nie, und der Sonnenaufgang entschädigt jede Träne. So etwas erlebt man nur einmal im Leben.“

Sieben Wochen hatte sich die 32-Jährige zuvor auf ihre Wanderung vorbereitet. Es ging ihr auch darum, ihren Körper zu fordern. „Ich zähle mich selbst eher zu den unsportlichen Menschen“, sagt die Mendenerin über sich selbst.

Alltag stellt sich ein

Mit der Zeit habe sich in den folgenden Tagen ein Alltag eingestellt, berichtet die Pilgerin: früh aufstehen, laufen, ankommen, Bett sichern, duschen, Handwäsche, Essen besorgen, k.o. sein.

Neben den Pyrenäen zählt für Dorothée Schelp die Hauptstadt der Region Navarra, Pamplona, zu den Höhepunkten des Jakobsweges. Auf dem Weg von Astorga Richtung Rabanal, einem kleinen Dorf, wurde ihr schließlich ihr Zehn-Kilo-Rucksack zum Verhängnis. Sie stolperte und stürzte auf den Asphalt.

Erst bei der Rückkehr nach Menden stellte sich heraus, dass sie sich bei dem Sturz das Schienbein angebrochen hatte. Die letzte Etappe, noch etwas über 200 Kilometer, schaffte sie dennoch. Bis nach Santiago.

Vor ihrem Rückflug nach Deutschland besuchte sie noch den Küstenort Fisterra, das so genannte „Ende der Welt“. „Viele Pilger verbrennen am Kap etwas. Ihre Schuhe, ein T-Shirt oder was ihnen gerade in den Sinn kommt“, berichtet Mendenerin. Sie legte dort einen Stein in Herzform ab.

Bis ans Ziel geschafft

Im Rückblick sagt Dorothée Schelp: „Ich brauche kein ,Camino-Wunder’ zu suchen. Ich habe es selber geschaffen, in dem ich den Willen und somit die Kraft entwickelt habe, es bis ans Ziel zu schaffen. Es ist eine fantastische Erfahrung, und ich würde jederzeit sofort wieder los gehen. Manchmal habe ich den Eindruck, dass dieser Jakobsweg, von wem auch immer, so ausgelegt ist, dass der Pilger an seine Grenze kommt und kurz vorm Aufgeben plötzlich und überraschend mit dem Ziel belohnt wird. Somit verblassen die Alltagssorgen.“