82 223,97 Euro Erfolgshonorar für Mendener Rechtsanwalt

Arnsberg/Menden..  Er habe in amerikanischen Spielfilmen gesehen, sagt der Zeuge bei seiner Vernehmung im Landgericht Arnsberg, „dass Anwälte Erfolgshonorare bekommen“. Dass Geschichten, die das wahre Leben schrieb, nicht immer wie in Hollywood mit einem Happy-End ausgehen, hat der Mendener am eigenen Leib spüren müssen. Der Rechtsbeistand, der den 56-Jährigen in einer Erbschaftsangelegenheit vertrat und innerhalb der Mandantschaft wegen eines Vermögensverfalls seine Zulassung verlor, strich ein Anwaltshonorar von satten 82 223,97 Euro ein.

Verurteilung wegen Untreue möglich

Gestern Nachmittag wollte die 2. Große Strafkammer unter der Vorsitzenden Richterin Dorina Henkel eigentlich ihr Urteil gegen den Ex-Anwalt (66) sprechen. Doch die Beratung im Anschluss an die Plädoyers brachte noch den rechtlichen Hinweis hervor, dass der wegen Betruges Angeklagte auch wegen Untreue in einem besonders schweren Fall verurteilt werden könnte.

Erfolgshonorare für anwaltliche Beratung in besagten Dimensionen sind offenbar nicht „üblich“, wie der einstige Advokat nach Angaben seines Mandanten weismachen wollte. Das jedenfalls empfand auch der Arbeitgeber des Hilfsarbeiters – ein Mendener Unternehmer – und brachte die juristische Auseinandersetzung um das aus seiner Sicht moralisch verwerfliche Handeln des Ex-Anwalts ins Rollen.

Vom verstorbenen Vater geerbt

Zumal sich der Jurist im Ruhestand von dem Arbeiter Darlehen in Höhe von 60 000 und 128 000 Euro geben ließ. In Bezug auf diese Geldgeschäfte wurde der 66-Jährige aus Menden freilich rechtskräftig freigesprochen. Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe kassierte aber den Freispruch zur abgeschlossenen Vergütungsvereinbarung auf Basis eines Honorars zwischen 20 und 30 Prozent des Erbes. Der Hilfsarbeiter hatte mehrere 100 000 Euro von seinem in der Schweiz verstorbenen Vater geerbt.

Oberstaatsanwalt Wolfgang Niekrens forderte gestern eine einjährige Freiheitsstrafe wegen Betruges durch Unterlassung. Der damalige Anwalt habe seinen Mandanten nicht über gesetzliche Vergütungsregeln aufgeklärt. Der Rechtsanwaltskammer Hamm zufolge hätten dem Juristen maximal 9624 Euro zugestanden. Zudem habe er den Entzug seiner Zulassung verschwiegen. „Ich war ahnungslos“, so der Hilfsarbeiter. „Ich hätte mir sonst einen anderen Anwalt gesucht.“

Der Angeklagte widersprach der Darstellung, sein Verteidiger Klaus Telgenbüscher forderte gestern Freispruch. Die Darlehen und den Großteil des Honorars hat er noch nicht zurückgezahlt. Der Ex-Anwalt: „Wenn ich könnte, würde ich gerne.“

Das Urteil soll am kommenden Dienstag gesprochen werden.