406 Eltern unterschreiben für eine Gesamtschule in Menden
29.07.2011 | 19:29 Uhr 2011-07-29T19:29:00+0200
Menden. Jetzt biegt der Kampf der Elterninitiative für eine Gesamtschule in offizielle Bahnen ein. Initiator Arnt Reinhard hat Bürgermeister Volker Fleige einen entsprechenden Bürgerantrag überreicht – unterzeichnet von 406 Eltern.
Flächendeckend haben Arnt Reinhard und seine Mitstreiter Unterschriften in Menden gesammelt, doch dabei haben sie längst nicht alle Eltern, deren Kinder in den nächsten Jahren potenziell zu einer Mendener Gesamtschule gehen könnten, erreicht. „Wir wollten das unbedingt vor den Ferien über die Bühne bringen, haben nur vom 12. bis zum 26. Juli gesammelt“, so Reinhard. „Wenn wir mehr Zeit gehabt hätten, wären es noch mehr geworden.“ 406 Unterschriften sind immerhin zusammengekommen.
152 Eltern von
Drittklässlern
Die ganz entscheidende Zahl steckt aber noch in dieser Zahl versteckt: 152 Eltern von Drittklässlern haben mit Name und Adresse ihren Willen bekundet, ihr Kind auf einer Gesamtschule anzumelden. Das wären also die Kinder, die tatsächlich in die Eingangsklassen gehen könnten, sollte tatsächlich schon zum Schuljahr 2012/13 eine Gesamtschule eingerichtet werden. „Nach dem Schulgesetz sind 112 Kinder für die Einrichtung einer Gesamtschule nötig“, so Arnt Reinhard. „Diese Zahl hätten wir also schon jetzt überschritten, obwohl wir längst nicht alle Eltern befragt haben.“
Rechnet man noch die Eltern hinzu, deren Kinder jetzt in die ersten und zweiten Klassen gehen, die also in den Folgejahren zur Gesamtschule gehen könnten, dann hat die Elternbefragung der Initiative bis jetzt 295 Meldungen ergeben. „Die restlichen Unterschriften bis zur Zahl 406 stammen von Eltern mit Jungen und Mädchen in der vierten Klasse, im Kindergarten, aber auch von Fünftklässler-Eltern der Gesamtschule Fröndenberg, die eine wohnortnahe Schule in Menden vorziehen würden“, erläutert Arnt Reinhard.
In dem Bürgerantrag wird ausdrücklich die Einrichtung einer Gesamtschule in zentraler Lage gefordert – eine Meinung, die auch jüngst von Eltern in der WP-Montagsrunde geäußert worden war. Arnt Reinhard legt zudem Wert darauf: „Unsere Forderung richtet sich ausdrücklich nicht gegen andere Schulstandorte. Die Gesamtschule ist für uns eine längst fällige Ergänzung des Mendener Schulsystems, sie soll nicht mit Eingriffen in die Schulen in den Stadtteilen verbunden sein.“ Eine Gesamtschule in Menden schon zum Schuljahr 2012/13 schließt für ihn auch nicht die geplante Gründung einer Gemeinschafts- bzw. Sekundarschule am Bieberberg in Lendringsen aus.
Und wie geht es nun weiter mit dem Bürgerantrag? „Der Antrag geht zunächst in den Rat und wird dort wohl zur weiteren Beratung in den Schulausschuss verwiesen“, sagt Bürgermeister Volker Fleige. Je nach politischem Willen müsse dann die Beratung und vor allem Entscheidung sehr zügig erfolgen, um eine offizielle Elternbefragung in Gang zu setzen, wie sie das Schulgesetz vorsehe. „Die Unterschriftenliste reicht dafür nicht aus, da die Elternbefragung ein formalisiertes Verfahren ist“, so Fleige.
Der Bürgermeister hatte Arnt Reinhard diesmal sicherlich lieber empfangen, als bei dessen letztlich erfolgreichem Kampf für den Erhalt der Grundschule in Schwitten. Fleige: „Ich muss aus meinem Herzen keine Mördergrube machen. Bereits als zuständiger Fachbereichsleiter habe ich gesagt, dass Menden eine Gesamtschule benötigt, denn die auspendelnden Schüler hätte ich schon immer gern in Menden gehalten.“
12:04
Herzlichen Glückwunsch nach Menden, wenn Ihr das wirklich schafft. Hemer war mit schwarzem Bürgermeister und CDU-Votum (wer hätte das gedacht) bereits vor ein paar Jahren Vorreiter und die Gesamtschule hat sich nach meinem Kenntnisstand bereits jetzt in Hemer bewährt.
18:55
In Großbritannien hat in einigen Counties bereits der Rückbau begonnen, und einige Dutzend Gesamtschulen sind schon wieder durch ein gegliedertes Schulsystem ersetzt worden.
In Kamen wurde eine der drei ersten Gesamtschulen in NRW bereits geschlossen. Dort wurden eine Hauptschule und eine Realschule unter dem Druck der Eltern eingerichtet. Eine neue Gesamtschule wurde als Feigenblatt ebenfalls eingerichtet, krepelt aber ziemlich müde vor sich hin.
Und in Menden soll ein funktionierendes Schulsystem diesem Irrsinn geopfert werden? Und das alles nur deshalb, weil einige Eltern ihre Kinder mangels Leistung oder Verhaltensqualität nicht an Gymnasien oder Realschulen unterbringen können?