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Missbrauchsprozess

19-jähriges Opfer im Zeugenstand

10.02.2012 | 20:59 Uhr
19-jähriges Opfer im Zeugenstand
Foto: ddp

Menden/Arnsberg.Im Missbrauchsprozess gegen einen 43-jährigen Mendener musste das mutmaßliche Opfer, seine heute 19 Jahre alte Tochter, gestern vor dem Landgericht Arnsberg aussagen. Das Verfahren war im November 2011 ausgesetzt worden. Dem Mann wird vorgeworfen, seine älteste Tochter zwischen 1999 und 2008 mehrfach vergewaltigt und sexuell missbraucht zu haben. Der Vorsitzende Richter Willi Erdmann hat in seiner Laufbahn über zahlreiche Missbrauchsfälle verhandeln müssen. „Viel zu viele“, sagt er und versucht alles, um die junge Frau, die wie ein Häuflein Elend vor ihm sitzt, zu beruhigen. „Wir sind geübt in solchen Fällen. Sie können sich darauf verlassen, dass wir anständig mit Ihnen umgehen.“

Sie solle sich vorstellen, dass es ein Film sei, sagt der Jurist zu der 19-Jährigen – ein Film, dessen Inhalt sie Menschen schildern solle, die ihn nicht gesehen haben. Erdmann nähert sich mit größtem Einfühlungsvermögen dem von Weinkrämpfen geschüttelten mutmaßlichen Opfer, das nach seinen Schilderungen einen Horrorfilm erlebt haben muss. Der kaum in Worte zu fassen ist: „Ich hatte vor, alles für mich zu behalten. Weil ich mich schäme und Angst hatte, dass man mir nicht glaubt“, sagt sie. Eines Tages hat sie sich der Mutter geöffnet: „Das ist mir eher rausgerutscht.“

Es tue ihm leid, dass er sie mit Fragen „so quälen“ müsse, sagt Richter Erdmann zu der jungen Frau, die unter größten Anstrengungen, so scheint es, nach und nach intime Details der mutmaßlichen Taten nennt. Dass es begonnen habe, als sie sieben Jahre alt war, dass ihr Vater sie immer aufgefordert habe zu schweigen („Sonst komme ich ins Gefängnis“). Und dass sie bis heute unter Schlafstörungen, Panikattacken und Stimmungsschwankungen leide.

Willi Erdmann hat am Richtertisch schon Fälle erlebt, bei denen auf der Zeugenbank Aussagen revidiert wurden, die sich als Folge eines Streits in der Familie entpuppten. „Ist es richtig“, fragt er also, „was in der Anklageschrift steht?“ Die schnelle Antwort: „Ja!“

Der von seiner Tochter schwer belastete Angeklagte macht gestern keine Angaben zur Sache. Das Gericht hat „Fairness“ gegenüber allen Beteiligten in dem „völlig offenen Verfahren“ versprochen. Erdmann weiß, dass ein Missbrauchsprozess Zeit benötigt: „Es ist anders als im Fernsehen. In 45 Minuten schaffen wir das nicht.“

Am kommenden Freitag geht die Verhandlung weiter.

Rolf Hansmann

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