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Gericht

150.000 Euro und den eigenen Betrieb in Spielbank verzockt

16.10.2012 | 13:00 Uhr
150.000 Euro und den eigenen Betrieb in Spielbank verzockt
Foto: ddp

Menden. Es hätte die Vorzeigegeschichte eines türkischen Migranten in Menden sein können. Glückliches Familienleben, eigenen Betrieb aufgebaut. Gestern endete für M. alles unter Tränen am Amtsgericht Menden. Hinter der „Herbeiführung eines Bankrotts“ verbargen sich zig Besuche in einer Spielbank. Der 50-Jährige hat in gut zwei Jahren fast 150 000 Euro verzockt. Zusätzlich zum Straftatbestand sitzen ihm 61 Gläubiger mit ihren Ansprüchen im Nacken.

Die Ehe lag bereits in Trümmern, die einstige Partnerin überzog ihn mit Verfahren vor Gerichten: „Das war ein Kesseltreiben“, befand der Anwalt des Angeklagten und machte das als Auslöser für die vielen Spielbankbesuche aus. Mal um Mal trug M. seine durchaus noch sprudelnden Geschäftseinnahmen ins staatliche Casino. Er hoffte auf seine große Stunde, um den ganz dicken Gewinn einstreichen zu können, der alles wieder ins Lot bringen würde.

Bei Glücksspielen gibt es jedoch kein Gesetz der Serie, das auch mal den positiven Ausgang garantiert. Roulette-Kugeln haben ebenso wenig ein Gedächtnis wie Würfel. Auch nach 100-mal „Rot“ beim Roulette wird „Schwarz“ beim folgenden Spiel nicht einen Deut wahrscheinlicher. Aus dem erhofften doch noch positiven Ausgang wurde für M. eine Spirale in den Abgrund. Trotz eines geschäftlichen Gewinns von 45 000 bis zu 90 000 Euro in den Jahren 2009 bis 2011. Das finanzielle Komplett-Desaster fand demnach im Casino statt.

„Auch der Staat, dem letztlich ein Großteil der Einnahmen bleibt, hat eine Verantwortung gegenüber den Spielern“, mahnte der Strafverteidiger. Demnach hätten die geschulten Spielbank-Mitarbeiter sehr wohl einschreiten müssen. Das Debakel seines Mandaten sei durchaus absehbar gewesen.

Richter Festersen, der auch die Akten aus dem Insolvenzverfahren studiert hatte, sah es so: „Nennenswerte Gewinne aus den Glücksspielen sind dem Betrieb nicht zugutegekommen.“ Doch wie ist ein Mann zu bestrafen, dem im Grunde kaum mehr als das eigene Leben geblieben ist und der die vage Aussicht hat, dass seine Söhne ihm vielleicht einmal eine neue berufliche Perspektive geben können? Richter Festersen stelle das Verfahren gegen Auflagen – 50 Sozialstunden – vorläufig ein und folgte damit dem von der Staatsanwaltschaft geforderten Strafmaß.

Heinz-Jürgen Czerwinski



Kommentare
16.10.2012
15:27
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